Finanzen

Nvidia-Aktie: Hohe Erwartungen – hohe Fallhöhe

Nvidia steht vor einem der wichtigsten Quartalsberichte seiner Geschichte. Anleger erwarten Rekorde – doch im Hintergrund wachsen Zweifel an Wachstum, Marge und China-Geschäft. Was das für die Nvidia-Aktie bedeutet.
27.08.2025 15:13
Lesezeit: 2 min

Nvidia-Aktie: Wachstumstreiber Rechenzentrum: Bröckelt die Dominanz?

Nach einem Kursplus von über 30 Prozent in diesem Jahr stehen die Erwartungen an die Nvidia-Aktie vor dem Quartalsbericht auf Rekordniveau. Analysten rechnen mit einem Umsatz von rund 45 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn von einem Dollar pro Aktie – neue Höchstwerte für das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt. Doch jenseits der Zahlen interessiert die Börse vor allem eines: die Perspektive. Sechs entscheidende Fragen könnten die Richtung der Nvidia-Aktie in den kommenden Monaten bestimmen.

Bis zu 90 Prozent des Konzernumsatzes stammen mittlerweile aus dem Geschäft mit Rechenzentren. Nvidias Blackwell- und Hopper-Chips sind das technologische Rückgrat des KI-Booms – genutzt von Microsoft, Amazon, Meta und Google. Doch der Vorsprung wackelt. Immer mehr Großkunden entwickeln eigene KI-Chips, um Abhängigkeiten zu verringern. Sollte sich das Wachstum in diesem Bereich abschwächen, könnte dies der erste Hinweis auf eine strukturelle Sättigung sein.

Auch die Blackwell-Chips selbst stehen im Fokus: Wie schnell können sie im Markt skaliert werden? Frühere Engpässe in der Lieferkette hatten bereits zu Verzögerungen geführt. Anleger wollen wissen, ob Nvidia auch im Herbst zuverlässig liefern kann – oder ob die Dynamik bereits abflacht. Parallel wächst der Druck, den angekündigten Rubin-Chip für 2026 als nächsten Meilenstein zu positionieren.

China, Margen, Rückkäufe – strategische Weichenstellungen

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist China. US-Exportbeschränkungen hatten Nvidia bereits im Vorjahr zu schmerzhaften Abschreibungen gezwungen. Nun soll der modifizierte H20-Chip neue Absatzchancen eröffnen – trotz steigender Konkurrenz durch lokale Anbieter. Beobachter erwarten Umsatzpotenzial, das in Milliardenhöhe liegt, doch die geopolitische Unsicherheit bleibt.

Gleichzeitig richten sich die Blicke auf die Marge: Nach Einbrüchen im Vorjahr rechnen Analysten mit einer Erholung auf 70 bis 75 Prozent. Sollte Nvidia wieder über die 75-Prozent-Marke steigen, wäre dies ein Signal für Preismacht trotz zunehmender Konkurrenz. Entscheidend bleibt, ob Rabatte für Großkunden das Margenniveau erneut gefährden. Für Diskussion sorgt zudem das Aktienrückkaufprogramm im Rekordvolumen. Kritiker sehen darin eine defensive Maßnahme angesichts fehlender Alternativen. Ob es sich um eine offensive Kapitalmaßnahme oder um eine Art Versicherung gegen mögliche Wachstumsdellen handelt, hängt davon ab, ob Nvidia seine Prognosen gleichzeitig anhebt oder zurückfährt.

Deutschland und Europa: Folgen für Anleger und Industrie

Auch für Anleger in Deutschland ist die Entwicklung der Nvidia-Aktie von zentraler Bedeutung. Viele deutsche Fonds, ETF-Produkte und private Portfolios sind stark in Nvidia investiert – teils mit zweistelligen Gewichtungen. Zudem ist Nvidia über Partnerschaften mit SAP, Siemens und Automobilzulieferern in europäische Industriestrukturen eingebunden. Sollte der Kurs der Nvidia-Aktie unter Druck geraten, hätte dies unmittelbare Auswirkungen auf den Technologiesektor, das Anlegervertrauen und die Bewertung von KI-getriebenen Geschäftsmodellen in Europa.

Nvidia-Aktie am Scheideweg

Der vielleicht kritischste Punkt ist die Frage nach der Nachhaltigkeit des Wachstums. In zwei Jahren hat sich der Umsatz des Unternehmens nahezu verdreifacht. Doch selbst in einem dynamisch wachsenden Markt ist eine solche Entwicklung nicht dauerhaft skalierbar. Analysten erwarten eine Normalisierung – insbesondere, wenn Cloud-Konzerne wie Microsoft oder Google ihre KI-Investitionen künftig optimieren statt ausweiten.

Die Nvidia-Aktie steht deshalb an einem Scheideweg: Gelingt es, auch mittelfristig neue Wachstumsperspektiven jenseits von Blackwell zu kommunizieren, könnte das Vertrauen der Märkte stabil bleiben. Bleiben solche Impulse aus, droht die Erzählung vom unaufhaltsamen KI-Zug an Glaubwürdigkeit zu verlieren – mit entsprechenden Folgen für die Bewertung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie kann man ganz einfach Etiketten erstellen?

Brady Workstation bietet praktische Etikettengestaltung (Drucken über Desktop - Laptop) für verschiedenste professionelle Anwendungen....

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Schmerzhafte Neubewertung im Softwaresektor und am Kryptomarkt vor dem Hintergrund der Wall-Street-Rekorde
09.02.2026

Die wichtigsten Indizes der Wall Street beendeten den Handelstag am Montag im Plus und hielten den Dow Jones Industrial Average stabil...

DWN
Politik
Politik EU-Emissionshandel ETS: Brüssel lockert Regeln für die Industrie
09.02.2026

Die Europäische Kommission bereitet Anpassungen am EU-Emissionshandel ETS vor. Nach Informationen des Handelsblatts sollen kostenlose...

DWN
Finanzen
Finanzen Novo Nordisk-Aktie steigt nach FDA-Ansage gegen Nachahmer
09.02.2026

Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat ein entschlossenes Vorgehen gegen die massenhafte Produktion illegaler Nachahmungen von Medikamenten...

DWN
Politik
Politik BSW klagt in Karlsruhe: Antrag auf Neuauszählung der Bundestagswahl
09.02.2026

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) sucht die Entscheidung in Karlsruhe. Wie die Partei ankündigte, wird sie am 18. Februar Beschwerde...

DWN
Politik
Politik Russlands Krieg gegen Europa beginnt in Litauen: Eine Simulation mit alarmierendem Ergebnis
09.02.2026

Ein militärisches Planspiel simuliert einen russischen Angriff auf Europa über Litauen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Ohne entschlossene...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaftsfaktor Natur: Warum Unternehmen laut Bericht ohne Artenschutz scheitern
09.02.2026

Laut einem neuen IPBES-Bericht aus Manchester ist das Artensterben eine der größten Gefahren für die Wirtschaftswelt. Die Botschaft ist...

DWN
Politik
Politik EU-Ultimatum für Meta: Zwangsmaßnahmen wegen WhatsApp-KI drohen
09.02.2026

Die Europäische Kommission verschärft den Ton gegenüber Meta: Dem US-Tech-Riesen drohen empfindliche Zwangsmaßnahmen, da die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Expo 2035 in Berlin-Brandenburg: Ost-Wirtschaft fordert Weltausstellung
09.02.2026

Die ostdeutsche Wirtschaft macht mobil: 15 Industrie- und Handelskammern fordern die Ausrichtung der Expo 2035 in der Hauptstadtregion. Ein...