Wirtschaft

Im Bürokratie-Dschungel: Über 300.000 neue Stellen in Unternehmen

Obwohl Bürokratieabbau in Deutschland groß diskutiert wird, mussten Unternehmen in den vergangenen drei Jahren massiv Personal aufstocken, um den Anforderungen der Ämter gerecht zu werden. Besonders eine Verordnung sorgt dabei immer wieder für Frust und Mehraufwand.
20.10.2025 15:07
Lesezeit: 1 min
Im Bürokratie-Dschungel: Über 300.000 neue Stellen in Unternehmen
ine "Bürokratie-Welle" aus Kartons, Aktenordnern, Formularen und Gesetzestexten steht als Symbol für den Bürokratieaufwand im Gesundheitswesen vor dem Neuen Rathaus (Foto: dpa). Foto: Julian Stratenschulte

Bürokratische Belastung der Unternehmen

Unternehmen in Deutschland haben in den vergangenen drei Jahren 325.000 Menschen eingestellt, um der wachsenden Bürokratie Herr zu werden. Das geht aus einer Erhebung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. 14 Prozent der Betriebe in Deutschland bewerteten ihre bürokratische Belastung im Jahr 2025 als sehr hoch. 2022 habe dieser Wert noch bei 4 Prozent gelegen, teilte das Institut mit. Die Datenschutzgrundverordnung bereite die häufigsten Probleme. Die Erkenntnisse beruhen auf der IAB-Stellenerhebung, für die knapp 10.000 Betriebe Antworten geliefert hatten.

Fast ein Drittel musste draufsatteln

Je 30 Prozent der Großbetriebe mit mindestens 250 Beschäftigten und der mittelgroßen Betriebe mit 50 bis 249 Beschäftigten gaben an, seit 2022 zusätzliches Personal für Verwaltungsaufgaben rekrutiert zu haben. Demgegenüber stellten nach eigenen Angaben 16 Prozent der Betriebe mit 10 bis 49 Beschäftigten und 7 Prozent der Kleinstbetriebe mit weniger als 10 Beschäftigten mehr Personal ein, um gesetzliche Anforderungen zu erfüllen.

Im Bereich Energieversorgung berichtete jeder fünfte Betrieb von zusätzlichem bürokratiebedingten Personalaufbau, gefolgt vom Bereich öffentliche Verwaltung/Verteidigung/Sozialversicherung mit 19 Prozent sowie Erziehung und Unterricht mit 17 Prozent.

„Der Beschäftigungszuwachs zur Bewältigung der gestiegenen Bürokratie umfasst nur einen Teil der zusätzlichen Kosten, die von den Unternehmen getragen werden müssen“, sagte IAB-Forscher André Diegmann. Insgesamt beklagen 80 Prozent der Betriebe höhere Kosten als Folge gestiegener Bürokratie. Diese kommen zum Teil über gesunkene Produktivität, über Wettbewerbsnachteile oder Innovationshemmnisse zustande.

Gesetze auf Probe?

IAB-Forscher Alexander Kubis schlägt vor, Gesetze künftig auf Probe inkraft zu setzen. „Eine sinnvolle Möglichkeit wäre es, zukünftige Gesetze und Verordnungen zunächst befristet einzusetzen und mit einem ergebnisoffenen Prüfauftrag zu verbinden“, sagte er.

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