Finanzen

Inflationskrise USA: Warum 2026 zum gefährlichsten Jahr werden könnte

Die Warnung eines führenden Ökonomen zeichnet ein düsteres Bild für die USA. Die Rückkehr einer hartnäckigen Inflationswelle könnte die Zentralbank zu überraschenden Zinserhöhungen zwingen und die Finanzmärkte weltweit erschüttern. Während Anleger mit Entspannung rechnen, deutet vieles auf ein Jahr hin, das von politischem Druck, wirtschaftlicher Unsicherheit und einer riskanten Fehlsteuerung der Geldpolitik geprägt sein wird.
26.12.2025 17:37
Lesezeit: 3 min

Inflationskrise USA: Warum Adam Posen ein gefährliches Szenario sieht

Ein führender amerikanischer Ökonom warnt vor einer Entwicklung, die die globale Wirtschaft im Jahr 2026 erschüttern könnte. Nach seiner Analyse unterschätzt die amerikanische Zentralbank die Inflationsrisiken deutlich und steuert damit auf eine gefährliche Fehleinschätzung zu. Die Rückkehr einer ausgeprägten Inflationskrise würde die Federal Reserve zwingen, die Zinsen erneut anzuheben. Das könnte Schockwellen durch die globalen Finanzmärkte schicken, die sich derzeit auf sinkende Zinsen eingestellt haben.

Dieses Szenario skizziert Adam Posen, einer der einflussreichsten Ökonomen weltweit und Präsident des renommierten Peterson Institute. Er gilt als Spezialist für Geldpolitik und Inflation. In einem ausführlichen Interview mit den Kollegen von Børsen erklärte er: "Ich verstehe nicht, warum die Zentralbank so gelassen reagiert." Posen war früher Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Bank of England und hat an zentralen Weichenstellungen nach der Finanzkrise mitgewirkt. Posen ist überzeugt, dass viele Akteure die Dynamik der amerikanischen Wirtschaft derzeit falsch einschätzen. Aus seiner Sicht steht die entscheidende Zäsur im Jahr 2026 bevor, wenn sich die volle Wirkung der Wirtschaftspolitik von Präsident Donald Trump zeigt. Dann werde die Inflation auf viereinhalb Prozent oder sogar fünf Prozent steigen. Diese Prognose liegt deutlich über den Erwartungen der Finanzmärkte, die derzeit stabile Preise und mehrere Zinssenkungen einkalkulieren.

Inflationskrise USA: Warum Trumps Wirtschaftspolitik erst 2026 wirkt

Posen argumentiert, dass Trumps Zollpolitik und seine harte Linie in der Immigration erst mit Verzögerung im wirtschaftlichen Gefüge ankommen. Unternehmen bräuchten Zeit, bevor sie Preise anheben. Sie fragten sich, ob neue Zölle Bestand haben, ob Branchen ausgenommen werden, wie Lieferketten umzubauen sind und ob Produktionsverlagerungen notwendig werden. Viele Firmen hätten im Vorfeld der Handelspolitik große Lager aufgebaut, um Zeit zu gewinnen. Sobald diese Bestände abgebaut sind, müssen sie Entscheidungen treffen. Das Ergebnis sei klar: Importprodukte würden teurer, Unternehmen erhöhten ihre Preise und die Inflation steige. Aus Sicht Posens wird dieser Mechanismus durch fragile Inflationserwartungen verschärft. Zwar betont Fed-Chef Jerome Powell, die Erwartungen seien "stabil verankert". Posen sieht das anders. Die Erfahrung der Jahre 2020 und 2021 sei im Bewusstsein der Verbraucher präsent. Die Inflation liege mit drei Prozent weiterhin über dem Zielwert von zwei Prozent. Das mache Erwartungen anfälliger.

Hinzu komme die Immigrationspolitik. Trump behauptet, rund eine Million illegale Migranten ausgewiesen zu haben. Posen zweifelt diese Zahl stark an. Branchen, die besonders von illegaler Arbeitskraft abhängig sind – etwa Teile der Landwirtschaft, Pflege, Bau oder Lebensmittelverarbeitung – zeigen keinerlei Rückgang in der Produktion. Deshalb folgert Posen, dass die Menschen geblieben sind, aber nun Entscheidungen treffen müssen. Sobald sie tatsächlich gehen, wird das Arbeitsangebot zurückgehen, die Löhne steigen und dadurch neuer Preisdruck entstehen. Erste Engpässe im Pflege- und Betreuungssektor seien bereits sichtbar.

Inflationskrise USA: Folgen für die Geldpolitik und Bedeutung für Deutschland

Für Posen ist klar, dass mehrere Faktoren die Inflation ab 2026 antreiben: höhere Zölle, eine mögliche Abwanderung illegaler Arbeitskräfte, steigende Löhne, eine expansive Fiskalpolitik, eine mögliche Schwächung des Dollars und eine Geldpolitik, die seiner Ansicht nach bereits heute neutral und nicht restriktiv ist. Er warnt zusätzlich vor Druck auf die Unabhängigkeit der Federal Reserve. Da Donald Trump im Jahr 2026 eine neue Zentralbankführung ernennen muss, könne die Geldpolitik politischer werden. Dennoch glaubt Posen, dass die neue Führung ihr institutionelles Ansehen schützen und die Zinsen erhöhen müsse, auch wenn Trump das Gegenteil erwarte. Er verweist auf die Volcker-Ära der frühen achtziger Jahre. Damals stoppte die Zentralbank zu früh und musste später noch drastischer eingreifen. "Ich fürchte, dass die Zentralbank diesmal ebenfalls zu spät handelt", sagt Posen. Je länger die Fed zögert, desto höher das Risiko für die Wirtschaft.

Deutschland ist besonders betroffen, da die amerikanische Geldpolitik direkte Auswirkungen auf Finanzierungskosten, Investitionsentscheidungen und Kapitalflüsse nach Europa hat. Eine erneute Inflationskrise in den Vereinigten Staaten könnte deutsche Unternehmen im Export genauso treffen wie die Finanzmärkte.

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