Politik

EU-Parlament macht Weg für Verzicht auf russisches Gas frei

Die EU steuert auf einen harten Schnitt zu: Spätestens 2027 soll Schluss sein mit russischem Gas. Doch Ausnahmen, LNG und der Streit mit dem Kreml zeigen, wie kompliziert der Abschied wird. Reicht der Plan wirklich?
17.12.2025 16:33
Lesezeit: 1 min
EU-Parlament macht Weg für Verzicht auf russisches Gas frei
Ursula von der Leyen (CDU), Präsidentin der Europäischen Kommission, steht im Gebäude des Europäischen Parlaments (Foto: dpa). Foto: Philipp von Ditfurth

EU setzt Ausstieg aus russischem Gas bis 2027 durch

Das EU-Parlament hat grünes Licht dafür gegeben, dass die EU bis spätestens Ende 2027 unabhängig von russischem Erdgas wird. Zuvor hatten sich Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten und des Europaparlaments auf dieses Vorgehen geeinigt. Nach der Abstimmung im Parlament müssen nur noch die EU-Staaten die Entscheidung absegnen, das gilt als sicher.

Den Plänen zufolge soll die Einfuhr von russischem Gas über Pipelines auf Grundlage langfristiger Verträge bis spätestens 1. November 2027 eingestellt werden. Derzeit gelangt russisches Gas noch über die Pipeline Turkstream in die EU. Ausnahmen sind für Binnenländer vorgesehen, die nach Abschluss kurzfristiger Verträge noch zwei Monate länger Erdgas aus Russland beziehen dürfen. Ein Verbot für den Import von russischem Flüssigerdgas (LNG) soll im Einklang mit dem 19. Sanktionspaket der EU schon ab Januar 2027 gelten. Dann wäre auch dieses russisches Gas betroffen.

Kreml: EU schadet sich selbst - Brüssel widerspricht

Nach Auffassung des Kremls schadet sich die Europäische Union mit dem Verzicht auf russisches Gas nur selbst. Europa mache sich abhängig von teurer Energie aus anderen Quellen und beschädige die Konkurrenzfähigkeit seiner Wirtschaft, sagte Kremlsprecher Dimitri Peskow in Moskau Anfang Dezember.

Einer Analyse der EU-Kommission zufolge würde der Komplettverzicht auf russisches Gas kein Risiko für die Versorgungssicherheit bedeuten. Auf dem Weltmarkt gebe es genügend andere Anbieter, heißt es aus Brüssel. Verbraucher müssten sich demnach keine großen Sorgen über steigende Gaspreise machen, wenn russisches Gas wegfällt.

Russland macht Milliardengewinne mit Energielieferungen

Auch nach knapp vier Jahren Krieg erwirtschaftet Russland mit Energielieferungen in die EU weiterhin Milliardengewinne. So führten EU-Staaten nach offiziellen Zahlen im Jahr 2024 immer noch 52 Milliarden Kubikmeter Gas aus Russland ein, was rund einem Fünftel aller Einfuhren entsprach. Hinzu kamen 13 Millionen Tonnen Rohöl und mehr als 2.800 Tonnen Uran in angereicherter Form oder als Kernbrennstoff.

Im ersten Halbjahr 2025 importierte die EU nach Daten der Statistikbehörde Eurostat Flüssigerdgas im Wert von fast 4,5 Milliarden Euro aus Russland. Im vergangenen Jahr war demnach natürliches und verarbeitetes Gas im Wert von 15,6 Milliarden Euro von dort importiert worden. Zum Vergleich: Aus den USA kam Gas im Wert von 19,1 Milliarden Euro.

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