Unternehmen

Chemieindustrie: BASF investiert Milliarden in China trotz geopolitischer Risiken

Im ersten Quartal des Jahres eröffnet BASF sein neues Werk in China. Mit rund 8,7 Milliarden Euro ist das Werk im chinesischen Zhanjiang das bislang größte Einzelinvestitionsprojekt des Unternehmens. Deutschlands größter Chemiekonzern BASF setzt auf Wachstum, aber es gibt auch Skepsis.
06.01.2026 06:00
Lesezeit: 4 min

China hat laut BASF einen Anteil von rund 50 Prozent am Chemieweltmarkt. Der Konzern möchte davon profitieren und investiert Milliarden in einen neuen Industriestandort im Süden des Landes. Doch Kritiker haben Bedenken.

Wagnis in China: BASF investiert Milliarden in neues Werk

Der BASF-Konzern wird seinen neuen Verbundstandort im chinesischen Zhanjiang im ersten Quartal des Jahres offiziell eröffnen – als Industriestandort mit miteinander verbundenen Produktionsanlagen, Logistik und Stoffströmen. Mit rund 8,7 Milliarden Euro ist das Werk das bislang größte Einzelinvestitionsprojekt des Unternehmens. Kritiker warnen, BASF mache sich nach teuren Abschreibungen in Russland wegen des Ukraine-Kriegs erneut abhängig von einer autokratischen Führung. BASF argumentiert, am Zukunftsmarkt China führe kein Weg vorbei. Einige Fragen und Antworten dazu.

Warum investiert BASF in diesen Standort?

Weil China wächst. „Wir erwarten, dass rund 80 Prozent des Wachstums in der Chemieindustrie bis zum Jahr 2035 auf die Region Asien-Pazifik konzentriert sein werden“, teilt BASF mit. Schon heute trage China, das einen Anteil von rund 50 Prozent am Chemieweltmarkt hat, maßgeblich zu diesem Wachstum bei.

„Mit Blick auf diese Entwicklung ist BASF im größten Zukunftsmarkt noch immer unterrepräsentiert: 2024 erzielte BASF in China rund 13 Prozent des Gesamtumsatzes der BASF-Gruppe. Der Marktanteil ist deutlich kleiner als in den USA oder gar in Europa“, heißt es. Das Engagement in China bedeute weder eine Fokussierung auf einen einzigen Markt noch eine Verlagerung der Produktion. Was BASF in China herstelle, werde größtenteils dort verkauft.

Deutsche Chemieunternehmen bleiben bei den Wachstumsaussichten in China generell optimistisch. Eine im Dezember veröffentlichte Geschäftsklimaumfrage der deutschen Auslandshandelskammer in Peking ergab, dass unter den Mitgliedern der Chemieindustrie in der Volksrepublik 84 Prozent mit einem Anstieg des jährlichen Durchschnittswachstums in den kommenden fünf Jahren rechnen. 61 Prozent gaben an, in den kommenden zwei Jahren ihre Investitionen in China zu erhöhen.

Wie stellt BASF Menschenrechte und Arbeitsstandards sicher?

2024 hatte das Unternehmen Anteile an zwei Joint Ventures in China verkauft. Grund: Berichte wiesen auf Aktivitäten beim Joint-Venture-Partner hin, „die nicht mit den Werten von BASF vereinbar sind“. Das systematische Prüfen eigener Gesellschaften und der Lieferanten wolle man fortsetzen. „Wir nehmen jeden Hinweis auf Menschenrechtsverletzungen sehr ernst und prüfen ihn sorgfältig.“ Die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen werde in Audits geprüft.

Welche Risiken sieht das Unternehmen beim China-Engagement?

Peking macht kein Geheimnis daraus, das demokratisch regierte Taiwan mit China vereinen zu wollen - notfalls militärisch. Ein Konflikt hätte auch wirtschaftlich verheerende Auswirkungen, weil die Taiwanstraße und der Westpazifik wichtige Seehandelsrouten sind, Taiwan die gesamte Welt mit dringend benötigten Computerchips versorgt und China wiederum im Konfliktfall internationale Sanktionen drohen. Von BASF heißt es dazu: Man beobachte die geopolitischen Entwicklungen sehr aufmerksam und bewerte die Risikoszenarien. Das gelte für alle Länder, in denen man aktiv ist.

Was sagen Kritiker der Investition?

Kritische Anteilseigner des Chemieriesen fürchten, dass BASF sich mit China-Investments zu sehr abhängig von der Führung in Fernost macht. Zuletzt teure Abschreibungen in Russland werden dem Management als warnendes Beispiel vorgehalten. Beim Amtsantritt von Vorstandschef Markus Kamieth - dem ehemaligen Asienchef des Konzerns - auf der Hauptversammlung vor fast zwei Jahren hatten kritische Aktionäre bereits wegen China gewettert und diese Kritik bei der jüngsten Hauptversammlung erneuert.

Arne Rautenberg, Fondsmanager bei Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, ist skeptisch, ob sich die Investition für Aktionäre auszahlen wird. Von einer „riskanten Wette“ sprach Linus Vogel von der Sparkassenfondsgesellschaft Deka - „zumal das China von heute ein ganz anderes ist als das China zum Zeitpunkt der Investitionsentscheidung“.

Wie steht es um die Nachhaltigkeit?

BASF zufolge wird das Werk in Zhanjiang „zu 100 Prozent“ mit Strom aus erneuerbaren Quellen versorgt. Durch verschiedene Maßnahmen werde der Standort seine CO₂-Emissionen „um bis zu 50 Prozent“ gegenüber einem konventionellen petrochemischen Standort reduzieren. „Ein deutlich niedrigerer CO₂‑Fußabdruck als die meisten Wettbewerber - und das zu wettbewerbsfähigen Kosten: Das macht uns zu einem attraktiven Partner unserer Kunden in China“, wirbt das Unternehmen.

Wie geht es BASF zurzeit?

Das Unternehmen leidet seit einiger Zeit unter Nachfrageschwäche und gesunkenen Preisen. Neben der mauen Konjunktur belastet die US-Zollpolitik. Unternehmenschef Markus Kamieth sagte jüngst: „Die Chemieindustrie erlebt wohl ihre schwierigste Zeit seit 25 Jahren.“ BASF hat im defizitären Stammwerk Ludwigshafen Anlagen stillgelegt und konzernweit mehrere Sparprogramme inklusive Stellenabbau aufgelegt.

In Ludwigshafen will der Konzern auf betriebsbedingte Kündigungen zunächst bis Ende 2028 verzichten und Milliarden investieren. Mit mehr als 30.000 Menschen arbeitet dort gut ein Drittel der weltweiten BASF-Beschäftigten.

Kamieth will den Konzern mit einem Umbau auf Kurs bringen. So sollen Geschäftsbereiche teilweise verkauft werden und die Agrarsparte 2027 an die Börse gehen. Insgesamt soll sich BASF von einem breit aufgestellten, integrierten Chemiekonzern mit vielen vernetzten Geschäftsfeldern zu einem Unternehmen mit einem Kerngeschäft aus vier Sparten und mehreren eigenständigen Geschäftsteilen entwickeln.

China wächst nicht mehr so schnell. Was bedeutet das für BASF?

„Derzeit gibt es in China Überkapazitäten bei vielen chemischen Produkten“, räumt der Konzern ein. Gleichzeitig verzeichne der chinesische Markt weiter ein sehr robustes Nachfragewachstum. „Es ist zu erwarten, dass ältere Anlagen mit geringerer Energieeffizienz und schlechteren Umweltstandards in den kommenden Jahren stillgelegt werden müssen.“ Mittelfristig führe dies zu einer Reduktion der Überkapazitäten.

Wie groß ist das Werk – und wer arbeitet dort?

„Der Standort wird nach Ludwigshafen und Antwerpen der drittgrößte Verbundstandort der BASF sein“, teilt das Unternehmen mit. Auf einem Areal von rund vier Quadratkilometern – das ist fast die Fläche der Insel Mainau im Bodensee – werden 2.000 Beschäftigte arbeiten. „Das Führungsteam besteht zum großen Teil aus chinesischen Mitarbeitenden.“

Was wird dort produziert?

Das neue Werk umfasst einen sogenannten Steamcracker mit einer Kapazität von einer Million Tonnen Ethylen pro Jahr und mehrere Anlagen zur Produktion von Petrochemikalien, Zwischenprodukten und anderen Produkten. Zu den Kunden gehören dem Konzern zufolge unter anderem die Verpackungsindustrie für Kunststoffe und Spezialchemikalien sowie der Bausektor für Hochleistungskunststoffe und die Automobilindustrie für Lacke und Kunststoffe.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Forschungsstandort Europa 2026: Zwischen Exzellenz und Sparzwang
25.05.2026

Europa forscht stark, doch Kürzungen bei Horizon Europe bedrohen den Anschluss an USA und China. Was das für Talente, Patente und...

DWN
Politik
Politik Weltbekannter Professor sieht gefährliche Veränderung bei Trump
25.05.2026

Francis Fukuyama sieht Trump politisch geschwächt, aber gerade deshalb gefährlich. Für Dänemark und Grönland könnte die nächste...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Arbeitsmarkt: Wer durch KI ersetzt wird, zahlt jahrelang
25.05.2026

KI soll Unternehmen schneller, schlanker und profitabler machen. Doch für Beschäftigte, die durch neue Technologien ihren Job verlieren,...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienempfehlungen: Günstige Aktien trotz KI-Hype, Zinsrisiko und Rüstungsboom
25.05.2026

Viele Anleger jagen weiter den teuersten KI-Gewinnern hinterher, doch Morningstar sieht die spannendere Chance woanders. Zehn globale...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hyundai Kona im Test: Futuristisch, mutig und anders
25.05.2026

Der Hyundai Kona sieht aus, als wolle er nicht jedem gefallen. Genau das macht ihn spannend, denn hinter der mutigen Form steckt ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Klimarisiken in Europa: Warum der Mittelstand besser vorsorgen muss
25.05.2026

Klimarisiken und Nachhaltigkeit werden für Europas Mittelstand zu entscheidenden Faktoren für Finanzierung, Wettbewerbsfähigkeit und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Veggie-Burger-Boom verliert an Tempo: Fleischersatz in Deutschland erstmals rückläufig
25.05.2026

Pflanzliche Fleischalternativen haben den Lebensmittelmarkt in Deutschland stark verändert. Doch nach Jahren kräftigen Wachstums sinkt...

DWN
Technologie
Technologie Meta: WhatsApp-Inkognito-Modus kommt für KI-Unterhaltungen
25.05.2026

Meta erweitert WhatsApp um neue KI-Funktionen und verspricht dabei mehr Datenschutz. Nutzer sollen künftig inkognito mit der Meta AI...