Wirtschaft

Erholt sich die deutsche Industrie?

Die deutschen Industrieunternehmen überraschen im November mit einem kräftigen Auftragsschub. Besonders Metallerzeugnisse und der Fahrzeugbau profitieren, während Experten in der deutlichen Steigerung ein mögliches Zeichen für eine Trendwende sehen. Großaufträge aus dem Inland treiben den Zuwachs, aber auch die Nachfrage aus dem Ausland zieht spürbar an. Ökonomen erwarten, dass Rüstungs- und Infrastrukturaufträge die positive Entwicklung 2026 weiter stützen.
08.01.2026 13:34
Lesezeit: 2 min

Auftragseingang in Industrie legt überraschend deutlich zu

Ökonomen sehen unerwartet positive Signale: Die Industrie verbucht mehr Bestellungen, besonders Metallerzeugnisse und Fahrzeugbau profitieren kräftig. Das hat laut Experten Gründe.

Die deutschen Industrieunternehmen haben im November überraschend deutlich mehr Aufträge erhalten. Im Vergleich zum Oktober stieg der Auftragseingang saison- und kalenderbereinigt um 5,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Ohne Berücksichtigung von Großaufträgen lag der Auftragseingang demnach um 0,7 Prozent über dem Vormonat. Von der Finanznachrichtenagentur Bloomberg befragte Experten hatten nach dem starken Oktober-Wert mit einem Rückgang gerechnet. Der Anstieg im Oktober wurde zudem leicht auf 1,6 Prozent nach oben revidiert.

Eine überdurchschnittliche Häufung von Großaufträgen aus dem Inland sorgte den Angaben zufolge auch im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich für eine Zunahme von 4,0 Prozent gegenüber den drei Monaten zuvor. Auch ohne Großaufträge legten die Auftragseingänge im Dreimonatsvergleich um 2,1 Prozent zu. Im Vergleich zum November 2024 beträgt das Plus 10,5 Prozent.

Ökonomen sehen mögliche Trendwende

Ökonomen sprachen von positiven Signalen. "Endlich mal eine Zahl von der deutschen Konjunktur, an der es nichts zu meckern gibt", sagte Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Er sprach von einem echten Zeichen für eine mögliche Trendwende. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, nannte die Zahlen eine Konjunkturüberraschung. Die Auftragseingänge werden nach seinen Worten in den kommenden Monaten vor allem auch von Rüstungsaufträgen geprägt bleiben.

Ähnlich äußerte sich der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien. Rüstungsbestellungen dürften zu weiter steigenden Auftragseingängen führen. Das Auftragsplus sei ein weiteres Indiz dafür, dass die steigenden Staatsausgaben im neuen Jahr die Wirtschaft ankurbeln werden.

"Staatsausgaben kurbeln deutsche Wirtschaft an"

"Diese Stütze ist für die Industrie hochwillkommen", betonte Dullien. 2026 dürfte deutlich besser für die deutsche Industrie werden als das abgelaufene Jahr. Neben steigenden Staatsausgaben für Rüstung dürfte auch der Zuwachs bei Infrastrukturinvestitionen der Industrie mehr Aufträge bescheren.

Der stärkste Nachfrageimpuls stammte dem Statistischen Bundesamt zufolge erneut aus dem Inland mit einem Orderplus von 6,5 Prozent. Die Nachfrage aus dem Ausland zog ebenfalls an, und zwar um 4,9 Prozent.

Deutliche Auftragszuwächse verzeichneten etwa Hersteller von Metallerzeugnissen mit 25,3 Prozent sowie der sogenannte Sonstige Fahrzeugbau (Flugzeuge, Schiffe, Züge, Militärfahrzeuge) mit einem Plus von 12,3 Prozent.

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