Finanzen

DAX-Kurs unter Druck: Zollsorgen beschleunigen die Korrektur – was jetzt wichtig wird

Der DAX-Kurs gerät nach der jüngsten Rekordjagd weiter unter die Räder: Zollsorgen aus den USA drücken auf die Stimmung, während Charttechnik und wichtige Marken über die Richtung entscheiden. Für Anleger wird jetzt spannend, ob der Markt kippt oder sich stabilisiert.
20.01.2026 18:31
Lesezeit: 2 min

Verschärfte Geopolitik setzt DAX-Kurs weiter zu

Die am Wochenende wieder aufgeflammten Zollsorgen haben den deutschen Aktienmarkt auch am Dienstag deutlich belastet. Für den DAX-Kurs, der zum Wochenauftakt wieder unter die runde Marke von 25.000 Punkten gerutscht war, geht die Korrektur der vorherigen Rekordjagd weiter. Erstmals seit Anfang Dezember fiel er wieder unter seine 21-Tage-Durchschnittslinie, die den kurzfristigen Trend abbildet.

Zum Handelsschluss sank der deutsche Leitindex um 1,03 Prozent auf 24.703,12 Punkte. In der Vorwoche hatte er noch eine Bestmarke von 25.507 Punkten erreicht, nun aber ist der Jahresgewinn fast wieder vollständig aufgezehrt. DAX aktuell zeigt sich damit deutlich anfälliger für politische Störfeuer als in den Tagen zuvor.

MDAX und EuroStoxx 50 geben ebenfalls nach

Der MDAX der mittelgroßen Börsenwerte verlor am Dienstag 1,86 Prozent auf 30.803,23 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab um 0,57 Prozent auf 5.892,08 Punkte nach und entfernte sich damit weiter von seinem in der Vorwoche erreichten Rekordhoch bei deutlich über 6.000 Zählern.

US-Präsident Donald Trump hatte den europäischen Anlegern am Wochenende die Laune verdorben. Wegen des Grönland-Streits hatte er Strafzölle ab Februar angekündigt, die zum 1. Juni noch steigen sollen, sofern kein Abkommen über den Kauf Grönlands durch die USA erzielt wird. Betroffen von den Zöllen sind acht europäische Nato-Länder, darunter Deutschland.

Analystin warnt: Geopolitisches Chaos belastet die Aktienmärkte

"Das geopolitische Chaos auf der Weltbühne setzt auch am zweiten Handelstag der Woche den Aktienmärkten deutlich zu und lässt Investoren in den Risk-off-Modus schalten", erläuterte Analystin Christine Romar vom Broker CMC Markets. Der sichere Hafen Gold werde weiter angesteuert. "Dass ausgerechnet der Euro gegenüber dem US-Dollar steigt, weil Investoren aus Amerika fliehen, hilft den um gleichzeitig höhere Zölle bangenden Exporteuren im DAX so gar nicht", ergänzte sie.

DAX: Kursstabilisierung als Basis für Trendfortsetzung

Charttechnisch befindet sich der DAX in einem langfristigen Aufwärtstrend, welcher am 13. Januar durch den Kursanstieg auf ein Allzeithoch bestätigt wurde. Es folgte eine technische Gegenreaktion zum Abbau der überkauften Situation, welche den Index an den letzten vier Handelstagen belastet hat. Nach dem gestrigen Gap-Down zeigten sich allerdings bereits wieder Stabilisierungstendenzen. Durch die Etablierung eines höheren Verlaufstiefs könnte wiederum die Basis für eine Trendfortsetzung gelegt werden.

Ein solches Szenario wird derzeit neben der Nähe zu den Höchstständen und den sich nach oben ausweitenden Bollinger-Bändern auch durch die Kaufsignale der gleitenden Durchschnitte der letzten 20, 50 sowie 200 Börsentage (= GD 20, GD 50 sowie GD 200) bestätigt. Bollinger-Bänder sind ein technisches Analysewerkzeug in der Charttechnik, das zeigt, wie stark ein Kurs schwankt (Volatilität) und ob er im Verhältnis zu seiner jüngsten Entwicklung eher hoch oder niedrig steht.

Verkaufssignal erhöht Korrekturrisiko trotz stabiler Trendstruktur

Belastend wirkt auf der anderen Seite momentan ein Verkaufssignal in der Slow Stochastik. Die Slow Stochastik ist ein Momentum-Oszillator, der misst, ob ein Kurs im Vergleich zu seiner Handelsspanne der vergangenen Tage eher hoch oder niedrig notiert. In diesem Fall zeigt der Markt nachlassende Aufwärtskraft – und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass der Kurs weiter fällt oder zumindest korrigiert.

Der Start einer neuen Aufwärtswelle könnte den DAX-Kurs wieder in Richtung des Tagestiefs vom 16. Januar bei 25.200 Punkten (Widerstand 1) tendieren lassen. Anschließend könnte der Aufwärtstrend erneut in Richtung des Allzeithochs vom 13. Januar bei 25.510 Punkten (Widerstand 2) tendieren. Vorbörslich wird der DAX mit einem Kursrückgang von 0,2 Prozent getaxt. Das Long-Szenario ist hinfällig, wenn der DAX unter die Marke von 24.633 Punkten (Unterstützung 2) fällt – dann würde der DAX-Kurs in eine empfindlichere Korrektur übergehen.

DAX-Kurs zwischen Zollrisiko und Chartchance

Der DAX-Kurs bleibt nach dem Rückfall unter 25.000 Punkte in einer heiklen Phase: Politische Unsicherheit durch die angekündigten US-Strafzölle trifft auf eine charttechnische Lage, die gleichzeitig Stabilisierung und weitere Risiken signalisiert. Zwar sprechen der langfristige Aufwärtstrend sowie die Kaufsignale der gleitenden Durchschnitte für eine mögliche Fortsetzung der Bewegung nach oben. Doch das Verkaufssignal der Slow Stochastik mahnt zur Vorsicht. Anleger richten den Blick deshalb besonders auf 25.200 Punkte als Widerstand und 24.633 Punkte als kritische Unterstützung, die das Long-Szenario klar begrenzt.

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