Unternehmen

Teilzeit boomt: Wie Unternehmen, Branchen und Demografie die Quote treiben

Das Angebot an Teilzeitjobs wächst seit Jahren, damit auch die Anzahl an Beschäftigen in Teilzeit – freiwillig oder nicht. Warum die hohe Teilzeitquote zum großen Teil von den Unternehmen ausgeht. Und wie Politik Arbeitszeit jetzt reglementieren will.
03.02.2026 13:59
Aktualisiert: 03.02.2026 16:00
Lesezeit: 4 min

Teilzeit boomt: Unternehmer und Arbeitnehmer profitieren

Seit die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), der Wirtschaftsflügel der CDU, fordert „Lifestyle-Teilzeit“ zu reglementieren, wird das Thema Teilzeitarbeit in Deutschland heftig diskutiert. Die Forderung des CDU-Flügels beruht auf der Annahme, dass viele Menschen in Deutschland freiwillig in Teilzeit arbeiten, obwohl sie auch in Vollzeit tätig sein könnten. Angaben einer Umfrage bestätigen diese Annahme teilweise. Doch warum ist das so?

Im zweiten Quartal 2025 vermeldete das IAB einen neuen Rekordwert von 40,1 Prozent. Somit hat sich die Teilzeitquote in Deutschland seit 1991 mehr als verdoppelt, der Anstieg innerhalb der letzten fünfzehn Jahre liegt bei rund vier Prozentpunkten. Dem Handelsblatt gegenüber prognostizierte der IAB-Arbeitsmarktexperte Enzo Weber eine weitere Steigerung für die kommenden Jahre. Die Gründe sieht er im demografischen Wandel und der steigenden Beteiligung von Frauen und älteren Menschen am Arbeitsmarkt.

Menschen arbeiten häufig auf eigenen Wunsch Teilzeit

Wer in Deutschland einem Teilzeitjob nachgeht, tut dies laut Mikrozensus 2024 in vielen Fällen freiwillig: Nur knapp 5 Prozent der befragten Teilzeitbeschäftigten gaben an, dass sie eigentlich lieber Vollzeit arbeiten würden, aber keine passende Stelle finden. 28 Prozent hingegen sagten, dass sie auf eigenen Wunsch ihre Arbeitsstunden reduziert haben, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Die Ergebnisse von 2024 zeigen, dass anscheinend nur ein kleiner Teil der Teilzeitkräfte wirklich eine Vollzeitstelle sucht und sich die meisten aus eigenen Gründen für weniger Arbeitsstunden entscheiden.

Die Berufe-Studie der Versicherung HDI von 2025, bei der 3.739 Erwerbstätige befragt wurden, ergibt eine ähnliche Tendenz hin zur Teilzeitarbeit: Hier gaben 53 Prozent der befragten Angestellten in Vollzeit an, ihre Arbeitszeit reduzieren zu wollen.

Forderung nach Mehrarbeit und Kritik an "Lifestyle-Teilzeit"

Bisher hat jeder Arbeitnehmer in Deutschland grundsätzlich das Recht auf Teilzeitarbeit. Dafür muss das Arbeitsverhältnis mehr als sechs Monate bestehen, und der Arbeitgeber muss mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigen. Soweit betriebliche Gründe dem Wunsch nach Teilzeitarbeit nicht ausdrücklich entgegenstehen, muss ein Unternehmen zustimmen.

Der Wirtschaftsflügel der CDU will diesen Rechtsanspruch nun einschränken. Auf dem Bundesparteitag der Christdemokraten soll Ende Februar ein entsprechender Antrag beschlossen werden. Dem Antrag, hat die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) den Titel "Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit" gegeben. Darin fordert sie, dass für den Rechtsanspruch, freiwillig in Teilzeit zu arbeiten, eine "besondere Begründung" vorliegen muss. Besondere Gründe könnten etwa die Erziehung von Kindern, die Pflege Angehöriger oder Weiterbildungen sein. Freiwillige Teilzeitarbeit ohne Betreuungspflichten hingegen soll nicht mehr möglich sein.

"Wer mehr arbeiten kann, sollte mehr arbeiten", sagte die MIT-Vorsitzende Gitta Connemann. Es gäbe einen dramatischen Fachkräftemangel. Deshalb dürfe "freiwillige Teilzeit aus Gründen der individuellen Lebensgestaltung" nicht dauerhaft durch den Sozialstaat abgesichert werden.

Unternehmen schreiben mehr Teilzeitstellen aus

Doch vergleicht man die politsiche Forderung nach Mehrarbeit für Teilzeitkräfte mit dem bestehenden Arbeitsmarkt, zeigt sich ein widersprüchliches Bild: Eine aktuelle Datenanalyse der Jobseite Indeed kommt zu dem Ergebnis, dass mehr Teilzeitstellen maßgeblich von den Unternehmen angeboten werden: Das Angebot an Teilzeitstellen nehme seit Jahren stetig zu, während das Interesse seitens der Jobsuchenden konstant bleibe, erklärte Indeed. Teilzeitarbeit gesetzlich einzuschränken "könnte die Nettoarbeitszeit in Deutschland am Ende sogar senken", warnt deshalb die Indeed-Expertin Virginia Sondergeld.

Indeed-Auswertung: Jede vierte Stelle mit Teilzeit-Option

Aktuell ist laut Berechnungen des Jobportals bundesweit mehr als jede vierte Stelle (26,8 Prozent) mit weniger als der vollen Arbeitszeit ausgeschrieben. Das sei ein Anstieg um 68,7 Prozent seit 2020. "Die Suchanfragen der Jobsuchenden entwickelten sich hingegen ohne nennenswerte Zuwächse", erklärte Indeed. "Der Anteil der Suchen, die gezielt nach 'Teilzeit' filtern, verläuft seit Jahren konstant bei 3,3 Prozent."

Für Indeed-Expertin Virginia Sondergeld zeigen die Zahlen, dass Teilzeit keinesfalls ein "reiner Arbeitnehmerwunsch" ist. "In Engpassberufen nutzen Arbeitgeber Teilzeit als strategischen Hebel gegen den Fachkräftemangel." Es würden gezielt Stellen mit weniger Stunden angeboten, um Arbeitskräfte zu gewinnen, die nicht Vollzeit arbeiten können oder wollen. "Besonders in von Frauen dominierten Bereichen wie Pflege, Soziales oder Bildung ist das Teilzeitangebot überdurchschnittlich hoch, da sie oft die Care-Arbeit für die Familie übernehmen und keine Zeit für eine Vollzeitstelle haben."

Besonders stark gestiegen ist der prozentuale Anteil von Teilzeitstellen bei Bürojobs, wie beispielsweise der Buchhaltung. Waren hier 2020 rund 20 Prozent der auf Indeed ausgeschriebenen Stellen Teilzeitjobs, hat sich der Anteil heute mit rund 39 Prozent fast verdoppelt. Auch im Personalwesen gibt es einen Anstieg. 2020 waren rund 13 Prozent der ausgeschriebenen Stellen Teilzeitjobs, aktuell sind es 22 Prozent. Zur Einordnung: Indeed misst Stellenanzeigen auf einer Plattform und bildet vor allem den Online-Stellenmarkt ab.

Fazit: Nachfrage entspricht nicht dem Jobmarkt

Dies könnte bedeuten, dass viele Menschen auch in Teilzeit arbeiten, weil sie keine Vollzeitstelle finden. Die Zahlen sprechen im Gesamtbild eher dafür, dass das gestiegene Teilzeitangebot der Unternehmen der Nachfrage auf dem Jobmarkt nicht ganz entspricht. „Wenn Unternehmen weiterhin verstärkt Teilzeitstellen ausschreiben, wird eine Einschränkung von Arbeitnehmerrechten kaum zu der erhofften Umwandlung in Vollzeitstellen führen“, sagt Sondergeld von Indeed.

Die Indeed-Auswertung zeigt: Arbeitgeber haben in den vergangenen Jahren immer mehr Teilzeitstellen ausgeschrieben. Aktuell sind rund 27 Prozent der Stellenanzeigen auf Indeed keine Vollzeitstellen. Das sei ein Anstieg von rund 69 Prozent seit 2020. Doch der Wunsch der Menschen nach einer Teilzeitposition scheint im gleichen Zeitraum nicht gestiegen zu sein. Denn: Die Suchanfragen nach Teilzeit auf der Jobplattform betragen über die Jahre hinweg konstant rund 3 Prozent.

Inwiefern Teilzeit durch Einschränkungen von Arbeitnehmerrechten – wie vom CDU-Flügel gefordert – verringert werden könnte, scheint fragwürdig. Dafür sind die Gründe für die Aufnahme einer Teilzeitstelle zu differenziert.

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Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

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