Wirtschaft

Online-Shopping verliert, stationärer Handel gewinnt: Kommt eine Trendwende?

Online-Bestellungen, Retouren und Ausgaben sinken, während der Einkauf im stationäre Handel steigt: Immer mehr Deutsche kaufen wieder im Geschäft vor Ort. Welche Faktoren beim Online-Shopping zu einem geänderten Konsum- und Bezahlverhalten führen. Erlebt der stationäre Einzelhandel ein Comeback?
04.02.2026 11:18
Lesezeit: 3 min

Studie: Verbraucher kaufen wieder häufiger stationär ein

Das sich das Konsum- und Bezahlverhalten hierzulande verändert, zeigt der neue ibi-Consumer-Report 2025, der auf einer 37-monatigen Langzeitbefragung von Konsumenten basiert. Dafür wurden deutsche Privathaushalte nach ihrem Kauf- und Zahlungsverhalten gefragt. Das Ergebnis: Der Online-Handel verliert an Schwung – während stationäre Geschäfte an Bedeutung gewinnen. Verbraucher entdecken langsam, nach der Pandemie und trotz Inflation, den persönlichen Einkauf im Geschäft wieder.

Zugleich entwickeln sich in Teilen der Bevölkerung neue Wertehaltungen, insbesondere beim Versand und beim Umgang mit gebrauchten Produkten. Kommt ein Comeback des stationären Einzelhandel?

Käuferkategorien und Kaufverhalten allgemein

Die Verbraucherstudie klassifiziert die Konsumer in drei Käuferkategorien:

  • traditionelle Ladenkäufer bevorzugen klar den Einkauf im stationären Geschäft und tätigen entweder keine oder nur selten Online-Käufe.
  • selektive Online-Shopper kaufen bestimmte Artikel im Internet, andere Produkte im stationären Geschäft.
  • leidenschaftliche Online-Shopper bevorzugen den Online-Einkauf für nahezu alles, gegebenenfalls sogar Lebensmittel, sofern dies möglich ist

Die Ergebnisse wurden nach Altergruppe, Einkommen, Kauf- und Zahlungsverhalten ausgewertet:

  • 31 Prozent der Befragten ab 61 Jahren kaufen am liebsten in stationären Geschäften ein. Diese Altersgruppe hat den größten Anteil traditioneller Ladenkäufer. Den geringsten Anteil mit 16 bzw. 18 Prozent haben 31- bis 50-jährigen Konsumenten.
  • Mit steigendem Einkommen wächst der Anteil derer, die sowohl selektiv als auch leidenschaftlich online einkaufen. Unter den Haushalten mit einem Einkommen von über 5.000 Euro finden sich 44 Prozent leidenschaftliche Online-Shopper. Personen mit niedrigem Einkommen neigen dagegen zum traditionellen Ladenkauf.
  • Auch Haushalte mit Kindern gehen vermehrt online einkaufen: 43 Prozent sind leidenschaftliche Online-Shopper, im Vergleich zu 33 Prozent in kinderlosen Haushalten.

Rückkehr zum stationären Einkauf

Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich ein spürbarer Trend weg vom ausschließlichen Online-Shopping: 23 Prozent der Befragten bevorzugen 2025 den stationären Einkauf oder kaufen ausschließlich vor Ort – ein Anstieg um vier Prozentpunkte gegenüber 2024. Nur noch 36 Prozent kaufen ausschließlich online oder würden dies bevorzugen (2024: 41 Prozent). Weitere 41 Prozent kombinieren Online- und Offline-Einkäufe, je nach Produktart.

Parallel dazu sinkt die Anzahl der monatlichen Online-Bestellungen: Im Durchschnitt werden 5,1 Bestellungen pro Monat getätigt (2024: 5,4). Auch die Anzahl der pro Bestellung gekauften Artikel fällt von 8,1 auf 7,3.

Besonders deutlich ist der Rückgang der Retourenquote: Sie sinkt von 12,1 Prozent im Jahr 2024 auf 9,5 Prozent im Jahr 2025. Die monatlichen Ausgaben für Online-Shopping liegen bei durchschnittlich 214,81 Euro (2024: 229,90 Euro).

Online-Shopping: Nachhaltigkeit und finanzielle Risiken

Jüngere Zielgruppen zeigen eine besonders hohe Bereitschaft, für Nachhaltigkeit zu zahlen: 30 Prozent der 21- bis 30-Jährigen und 24 Prozent der 16- bis 20-Jährigen haben im letzten Monat freiwillig für umweltfreundlichen Versand gezahlt – im Durchschnitt waren es 13 Prozent.

Ähnlich hoch ist die Akzeptanz beim Kauf gebrauchter Produkte: 25 Prozent der Befragten haben im vergangenen Monat Secondhand-Ware online gekauft. Bei den unter 30-Jährigen liegt dieser Anteil bei über 40 Prozent.

Gleichzeitig steigen die finanziellen Belastungen durch Online-Shopping. Besonders betroffen sind 21- bis 30-Jährige: Ein Drittel dieser Altersgruppe hatte bereits Schulden oder Rückstände bei Ratenzahlungen aufgrund von Online-Käufen. Insgesamt ist der Anteil der Betroffenen im Vergleich zum Vorjahr von sieben auf zwölf Prozent gestiegen.

ibi-Consumer-Report 2025: Fazit und Ausblick

Die Ergebnisse zeigen ein verändertes Konsumverhalten: Nach Jahren starken Online-Wachstums handeln Verbraucher zunehmend zurückhaltender. Online-Bestellungen und -Ausgaben sinken, während der Anteil traditioneller Ladenkäufer wieder steigt. Dies ist weniger als Trendwende, sondern eher als Ausdruck eines ausgeprägten Preisbewusstseins und bewusster Kaufentscheidungen zu verstehen. In Zukunft werden technologische Entwicklungen, insbesondere Künstliche Intelligenz, den Kaufprozess weiter verändern und neue Touchpoints schaffen. Dabei betrifft der Einfluss von KI längst nicht mehr nur die Produktrecherche, sondern zunehmend auch Preisvergleiche, Angebotsdarstellung und Entscheidungsunterstützung entlang der gesamten Customer Journey.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kupferpreise auf Rekordhoch: Warum das Kupfermetall knapp wird
01.11.2026

Das Industriemetall ist nicht nur bei Diebesbanden gefragt. Kaum eine Zukunftsbranche kommt ohne den Leiter zurecht. Nach Bewertung der IEA...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Server statt Spielzeug: Playmobil-Werk wird Rechenzentrum
01.11.2026

Die Mutter der bekannten Spielwarenmarke hat die Produktion ins Ausland verlagert. 350 Mitarbeitende verloren dabei ihren Arbeitsplatz....

DWN
Immobilien
Immobilien Preisschock am Bau: Neue KI soll explodierende Materialkosten und Baustopps verhindern
01.11.2026

Kriege, Krisen und explodierende Rohstoffpreise bringen die Baubranche zunehmend unter Druck. Bauprojekte werden teurer, Kalkulationen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Xiaomi-Elektroautos: Warum dieser Milliardär Volkswagen und Tesla gefährlich werden könnte
31.10.2026

Er verkaufte Smartphones, wurde Milliardär und stieg schließlich ins Autogeschäft ein. Mit seinem ersten Elektroauto gelang Xiaomi-Chef...

DWN
Panorama
Panorama Kommunale Schulden wachsen deutlich: Deutschlands Städte unter Druck, die KfW warnt
31.10.2026

Die integrierte Verschuldung der deutschen Kommunen ist 2025 deutlich gestiegen. Ende des Jahres entfielen rechnerisch 4.907 Euro Schulden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 70 Jahre Fernsehwerbung: Das beste Marketing, das Deutschland nie vergessen hat
31.10.2026

Ein Fleck auf der Tischdecke, ein Waschmittel und ein Satz, der hängen blieb: 1956 begann die Fernsehwerbung in Deutschland. Seitdem haben...

DWN
Immobilien
Immobilien Heizungstausch finanzieren: So nutzen Eigentümer Förderung, Kredit und Steuerbonus
31.10.2026

Eine neue Heizung kann langfristig Geld sparen, verlangt zunächst aber eine beträchtliche Investition. Eigentümer müssen deshalb...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögensbarometer 2026: ETF-Boom hält an, Anteil der Privatanleger stagniert
31.10.2026

ETFs werden in Deutschland immer beliebter, doch der Anteil der Menschen mit Wertpapieren stagniert. Das neue Vermögensbarometer des...