Politik

Ukraine-Rückeroberung: 201 Quadratkilometer in vier Tagen – welche Rolle die Starlink-Sperre dabei spielt

Die Ukraine-Rückeroberung nimmt überraschend Fahrt auf: Binnen weniger Tage gewinnt Kiew Hunderte Quadratkilometer zurück. Eine technische Entscheidung mit globaler Tragweite spielt dabei offenbar eine Schlüsselrolle. Doch wie nachhaltig ist dieser Ukraine-Vormarsch – und kann Russland die Dynamik stoppen?
17.02.2026 11:38
Aktualisiert: 17.02.2026 11:38
Lesezeit: 2 min

Ukraine-Rückeroberung: Starlink-Sperre als Wendepunkt an der Front?

Die Ukraine-Rückeroberung gewinnt im russischen Angriffskrieg derzeit spürbar an Dynamik. Während Russlands Armee seit Monaten nur langsam Geländegewinne erzielt, ist den ukrainischen Streitkräften nun binnen weniger Tage ein Vorstoß gelungen, der laut Experten als größter Erfolg seit 2023 gilt. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur der Ukraine-Vormarsch an der Front, sondern auch die Rolle einer Starlink-Sperre, die die russische Kommunikation offenbar massiv beeinträchtigt.

Nach einer Datenauswertung des US-Institute for the Study of War (ISW) hat die ukrainische Armee zwischen Mittwoch und Sonntag 201 Quadratkilometer eigenes Staatsgebiet von der russischen Armee zurückerobert. Diese Ukraine-Rückeroberung ist bemerkenswert, weil Kiews Truppen seit der großen Gegenoffensive im Juni 2023 nicht mehr so viel Gebiet in so kurzer Zeit zurückgewonnen haben. Die Fläche entspricht fast den russischen Eroberungen des gesamten Monats Dezember, die bei 244 Quadratkilometern lagen.

ISW sieht Starlink-Sperre als Schlüssel zur Offensive

Das ISW sieht einen entscheidenden Zusammenhang mit der Starlink-Sperre für russische Einheiten. "Diese ukrainischen Gegenangriffe nutzen wahrscheinlich die Blockierung des Zugangs der russischen Streitkräfte zum Satellitensystem Starlink aus, die laut russischen Militärbloggern die Kommunikation und die Führung beeinträchtigt", erklärte das Institut. Russische Militärbeobachter hatten die Unterbrechung am 5. Februar festgestellt, nachdem Elon Musk "Maßnahmen" angekündigt hatte, um der Nutzung dieser Technologie durch den Kreml ein Ende zu setzen.

Die Starlink-Sperre trifft Moskaus Truppen besonders empfindlich, da das System zuletzt auch von Russland genutzt wurde. Laut Kiew umgingen russische Drohnen mithilfe von Starlink elektronische Störsysteme und konnten so ihre Ziele präzise treffen. Ursprünglich nutzten nur die Ukrainer Starlink, doch nach vier Jahren Krieg hatten auch die Russen die Vorteile entdeckt. Teilweise setzten sie das System sogar für Angriffe mit Langstreckendrohnen ein, indem sie Shaheds mit Satellitenverbindungen ausstatteten.

Ukraine-Rückeroberung konzentriert sich auf Saporischschja-Zone

hne Starlink wurden laut ISW in der vergangenen Woche nur am 9. Februar russische Geländegewinne an der Front verzeichnet. An den übrigen Tagen machte Kiew Boden gut. Damit wird deutlich, wie stark die Ukraine-Rückeroberung und der Ukraine-Vormarsch derzeit von technischen Faktoren beeinflusst werden. Die jüngsten Geländegewinne konzentrieren sich vor allem auf eine Zone etwa 80 Kilometer östlich der Stadt Saporischschja, wo russische Truppen seit dem Sommer 2025 stark vorgerückt waren.

Auch Militärexperten bewerten die Entwicklung als außergewöhnlich. "Dieser erfolgreiche Vormarsch ist bemerkenswert", sagte der österreichische Oberst Markus Reisner. Im Mittelabschnitt hätten ukrainische Truppen in zwei Räumen mehrere Kilometer vorstoßen können: einmal bei Kupjansk, das zu 90 Prozent wieder in Besitz genommen worden sei, und einmal bei Pokrowske, rund 80 Kilometer südwestlich der Stadt Pokrowsk. Die Ukraine-Rückeroberung erfolgte dabei gezielt und gleichzeitig, während einzelne russische Stützpunkte überflügelt wurden.

Reisner betont jedoch, dass der weitere Erfolg davon abhängt, ob Russland den Angriff stoppen kann. Neben der Starlink-Sperre spielt auch die poröse Frontlage eine Rolle. In der Grauzone existieren kleine Stützpunkte beider Seiten, während Drohnenangriffe russische Vorstöße bremsen.

Ukraine-Rückeroberung: Technologischer Wendepunkt im Krieg?

trategisch bleibt die Lage dennoch angespannt: Mitte Februar kontrollierte Moskau 19,5 Prozent des ukrainischen Territoriums ganz oder teilweise, gegenüber 18,6 Prozent ein Jahr zuvor. Rund sieben Prozent – die Krim und ein Teil des Donbass – waren bereits vor Februar 2022 besetzt. Trotzdem zeigt die aktuelle Ukraine-Rückeroberung, dass Kiew mit gezielten Geländegewinnen und einem verstärkten Ukraine-Vormarsch neue Chancen nutzt, während die Starlink-Sperre Russlands Führung schwächt.

Die aktuelle Ukraine-Rückeroberung zeigt, wie stark technologische Faktoren den Kriegsverlauf beeinflussen können. 201 Quadratkilometer binnen weniger Tage markieren nicht nur beachtliche Geländegewinne, sondern auch einen psychologischen Erfolg für Kiew. Die Starlink-Sperre hat offenkundig die russische Kommunikation geschwächt und den Ukraine-Vormarsch begünstigt. Dennoch bleibt die strategische Lage komplex: Russland kontrolliert weiterhin 19,5 Prozent des ukrainischen Territoriums, deutlich mehr als vor einem Jahr. Ob die jüngste Dynamik anhält, hängt davon ab, ob Moskau seine Strukturen anpasst und die Ukraine ihre operative Schlagkraft bewahren kann. Die kommenden Wochen dürften entscheidend sein.

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