Politik

Moldau im Machtkampf: Russland bekämpft EU-Annäherung mit Millionen

Russland versucht mit hohen Geldsummen und gezielter Desinformation, proeuropäische Mehrheiten in Beitrittsstaaten wie Moldau zu beeinflussen. Wie wirksam sind diese Strategien tatsächlich gegenüber einer EU, die politische Stabilität und wirtschaftliche Perspektiven bietet?
28.02.2026 08:41
Lesezeit: 2 min
Moldau im Machtkampf: Russland bekämpft EU-Annäherung mit Millionen
Russland investiert hohe Summen in Desinformation und Einflussnahme, um den EU-Kurs in Moldau politisch zu untergraben (Foto: Oleksandr Filon) Foto: Oleksandr Filon

Kreml investiert Millionen gegen EU-Kurs in Moldau

Als Estland vor 25 Jahren der Europäischen Union beitrat, kursierten im Land zahlreiche Befürchtungen und Mythen. Manche wirkten rückblickend beinahe grotesk, etwa die Debatte über angeblich vorgeschriebene Bananenkrümmungen. Heute geht es nicht mehr um Kuriositäten, sondern um gezielte Einflussnahme gegen Staaten, die sich der EU annähern wollen.

Im Fall Moldaus sei das Ausmaß dieser Einflussnahme beispiellos gewesen, sagte Hannes Rumm, früherer Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Estland, im Äripäev-Radioformat „Mythos oder Wahrheit?“. Zwei politisch hochsensible Jahre mit Präsidentschaftswahlen in zwei Runden sowie einem Referendum über die Europäische Union hätten das Land besonders verwundbar gemacht.

Rumm zufolge setzte der Kreml dabei enorme finanzielle Mittel ein, die in dieser Form in keinem anderen europäischen Land beobachtet worden seien. Neben massiver Desinformation sei nach moldauischen Angaben auch direkte Stimmenbeeinflussung organisiert worden.

Mehr als 100 Millionen Dollar für Einflussnahme

Nach Schätzungen investierte Russland mehr als 100 Millionen Dollar in entsprechende Operationen. Nach Angaben aus Moldau sollen zudem mehr als 100.000 Menschen Geld erhalten haben, um gegen die Europäische Union und gegen Präsidentin Maia Sandu zu stimmen. Die Zahlungen hätten sich auf 50 bis 70 Dollar pro Person belaufen.

Parallel dazu seien gezielt Falschinformationen verbreitet worden. Das Spektrum reichte laut Rumm von Behauptungen über verpflichtenden LGBT-Unterricht an Schulen bis zu der absurden Erzählung, Sandu plane, Kinder mithilfe des eingefrorenen Spermas des verstorbenen Musikers David Bowie zu bekommen.

Die Strategie zielt darauf ab, Misstrauen zu säen und gesellschaftliche Spannungen zu verschärfen. Gerade in Wahlphasen entfaltet eine solche Mischung aus finanziellen Anreizen und emotional aufgeladenen Narrativen besondere Wirkung.

Moldau als schwieriges Terrain für Moskau

Peeter Tali von der Partei Eesti 200, Vorsitzender des Europaausschusses im estnischen Parlament, betonte in der Sendung, dass Moldau trotz allem kein leichtes Spielfeld für russische Dienste sei. Ein großer Teil der Bevölkerung verfüge über einen rumänischen Pass und könne sich frei innerhalb der EU bewegen.

Viele Menschen hätten dadurch konkrete Erfahrungen mit einem offenen und rechtsstaatlichen System gesammelt. Diese Eindrücke zu überlagern oder dauerhaft zu verdrängen, sei deutlich schwieriger, als es aus Moskau erscheinen möge.

Weniger erfolgreich seien nach Einschätzung Talies auch Versuche gewesen, insbesondere Landwirte systematisch einzuschüchtern. Sensibel bleibe jedoch die Abhängigkeit von günstiger Energie aus Russland, die politisch wie wirtschaftlich Druck erzeugen könne.

EU-Mythen auch im Baltikum präsent

Zugleich werden im estnischen Informationsraum täglich Erzählungen über einen angeblich unvermeidlichen EU-Austritt verbreitet. Hinzu kommen Behauptungen, die Union werde an ihrer Bürokratie scheitern oder sei im globalen Wettbewerb handlungsunfähig. Hinzu kämen Verschwörungstheorien rund um Klimapolitik und Nachhaltigkeit.

Die in der Sendung diskutierenden Experten verwiesen darauf, dass die Europäische Union in zurückliegenden Krisen mehrfach ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis gestellt habe. Schnelle finanzielle Hilfen, koordinierte Maßnahmen und ein stabiler wirtschaftlicher Rahmen hätten vielen Mitgliedstaaten konkrete Vorteile gebracht.

Faktenbasierte Berichterstattung und sichtbar nachvollziehbare Entwicklungsfortschritte seien deshalb die wirksamsten Mittel gegen gezielte Dämonisierung. Zugleich forderten die Gesprächspartner die Medien auf, überholte Klischees zu vermeiden und die Rolle der EU im sicherheitspolitischen Gesamtbild klarer einzuordnen. Moderiert wurde die Sendung von Neeme Korv.

Wachsende Bedeutung für Deutschland

Die Auseinandersetzung um Moldau zeigt, wie stark geopolitische Konflikte inzwischen in Wahlkämpfe und öffentliche Debatten hineinwirken. Für Deutschland als größte Volkswirtschaft der EU sind stabile politische Verhältnisse in potenziellen Beitrittsländern von erheblicher Bedeutung.

Eine widerstandsfähige Europäische Union stärkt nicht nur den Binnenmarkt, sondern auch die gemeinsame Sicherheitsarchitektur. Angesichts hybrider Einflussversuche liegt es daher im wirtschaftlichen und strategischen Interesse Deutschlands, Desinformation frühzeitig zu erkennen und europäische Stabilität aktiv zu sichern.

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