Politik

Afghanistan-Pakistan-Krieg: Gefechte zwischen Pakistan und Taliban – China zeigt sich besorgt

Beginnt gerade ein Afghanistan-Pakistan-Krieg? Gefechte zwischen Pakistan und den Taliban in Afghanistan spitzen sich dramatisch zu, Luftangriffe und scharfe politische Vorwürfe verschärfen die Lage in der Region. Droht zwischen Islamabad und Kabul eine dauerhafte militärische Eskalation mit unabsehbaren Folgen? Nachbar China zeigt sich besorgt
27.02.2026 11:14
Lesezeit: 3 min

Pakistan spricht von "offenem Krieg" mit Taliban

Islamabad wirft den Taliban seit langem die Unterstützung von Terrorgruppen vor. Nun verschärft sich der Konflikt zwischen den Nachbarstaaten deutlich. Internationale Vermittler drängen auf eine Waffenruhe. Nach Gefechten und nächtlichen Luftschlägen hat Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif den Konflikt mit dem benachbarten Afghanistan als "offenen Krieg" bezeichnet. Auf der Plattform X warf er den islamistischen Taliban zudem vor, faktisch zum Stellvertreter Indiens geworden zu sein. Indien gilt als Erzrivale Pakistans.

Nach einer Offensive der Taliban attackierte die pakistanische Luftwaffe in der Nacht militärische Einrichtungen im Nachbarland. Dabei wurden auch Ziele in der afghanischen Hauptstadt Kabul sowie in den Provinzen Kandahar und Paktia bombardiert. Das bestätigte der Sprecher der Taliban-Regierung, Sabiullah Mudschahid, auf der Plattform X. Es gebe keine Berichte über Opfer der Luftangriffe. Die pakistanische Seite sprach hingegen von Dutzenden getöteten Taliban-Kämpfern.

Seit geraumer Zeit schwelt zwischen Pakistan und Afghanistan ein Konflikt, der immer wieder in direkte militärische Konfrontationen mündet. Vermittlungsbemühungen für einen dauerhaften Frieden waren nach Gefechten und Angriffen im vergangenen Herbst gescheitert. Dass Pakistan nun Luftangriffe auf die Provinz Kandahar und auf Kabul und damit auf Ziele tief im Landesinneren flog, markiert eine neue Eskalationsstufe. Kandahar gilt als politisches und spirituelles Machtzentrum der Taliban, die seit August 2021 erneut in Afghanistan herrschen. Der oberste Führer der Taliban, Haibatullah Achundsada, hält sich üblicherweise dort auf.

Afghanistan-Pakistan-Krieg: Appelle zur Deeskalation

China, das an beide Länder grenzt, bewertet die jüngsten Entwicklungen als deutliche Verschärfung des Konflikts und ruft zu einem schnellen Dialog sowie zu einer Feuerpause auf. "Als Nachbar und Freund ist China zutiefst besorgt über die Eskalation des Konflikts", sagte Außenamtssprecherin Mao Ning in Peking.

Vermittler aus Saudi-Arabien, Katar und der Türkei hatten bereits in der Vergangenheit auf eine Waffenruhe hingewirkt. Das pakistanische Außenministerium erklärte in einer Stellungnahme, Außenminister Ishaq Dar habe seinen saudi-arabischen Amtskollegen über die nächtlichen Militäroperationen informiert. Beide hätten sich für Frieden und Stabilität in der Region ausgesprochen, hieß es in einer Mitteilung auf X. Auch mit seinem türkischen Amtskollegen habe Dar telefoniert. UN-Generalsekretär António Guterres forderte Afghanistan und Pakistan angesichts der jüngsten gegenseitigen Angriffe zur Deeskalation auf. Die Parteien sollten versuchen, alle Differenzen auf diplomatischem Weg beizulegen, sagte Guterres nach Angaben seines Sprechers Stéphane Dujarric.

Pakistans Präsident: Streitkräfte werden entschlossen reagieren

Die pakistanischen Luftangriffe in der Nacht folgten auf eine Offensive der afghanischen Seite am Abend. Bei dem afghanischen Angriff seien 55 pakistanische Soldaten getötet worden, teilte das afghanische Verteidigungsministerium in einer Stellungnahme auf X mit. Pakistanische Stellungen im Grenzgebiet seien dabei eingenommen worden.

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari schrieb in der Nacht auf X, die Reaktion der Streitkräfte falle umfassend und entschlossen aus. Sein Land werde keinerlei Zugeständnisse in Fragen von Frieden und territorialer Integrität machen. 133 afghanische Taliban-Kämpfer seien bei Gegenschlägen getötet worden, teilte der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar auf X mit. Bei den Angriffen seien unter anderem Waffenlager, Panzer und Militäranlagen zerstört worden. Die Angaben beider Seiten ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Der Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan war am vergangenen Wochenende erneut aufgeflammt, als Pakistan nach eigenen Angaben Stellungen der Taliban in Afghanistan angriff. Die UN-Hilfsmission für Afghanistan (UNAMA) teilte mit, 13 Zivilisten seien bei den Luftschlägen ums Leben gekommen, sieben weitere seien verletzt worden.

Afghanistan-Pakistan-Krieg: Worum geht es in dem Konflikt?

Islamabad wirft der Regierung in Kabul vor, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Kabul weist diese Vorwürfe zurück. Insbesondere die Gruppe Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) - weithin als Pakistanische Taliban bekannt - sowie ein regionaler Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verüben in Pakistan seit Jahren zunehmend Anschläge. Nach Angaben des Pakistan Institute for Peace Studies stieg die Zahl der Terroranschläge in Pakistan 2025 auf fast 700.

Auch die Vereinten Nationen schreiben in einem kürzlich veröffentlichten Bericht, dass die Regierung in Kabul verschiedenen Terrorgruppen im Land ein förderliches Umfeld biete und die Pakistanischen Taliban unterstütze. Die regierenden Taliban weisen dies zurück.

Pakistan beschuldigt Terrorgruppen, die im eigenen Land Anschläge verüben, zudem immer wieder, als Stellvertreter seines Erzrivalen Indien zu agieren. Indien hatte die Vorwürfe in der Vergangenheit zurückgewiesen. Es sei "eine alte Gewohnheit Pakistans, seine Nachbarn für seine eigenen internen Misserfolge verantwortlich zu machen", hieß es vom indischen Außenministerium im Oktober 2025. Indien intensivierte zuletzt seine Beziehungen zu den afghanischen Taliban. Im Oktober hatte Indien die eigene Repräsentanz in Kabul zur Botschaft aufgewertet. Die Atommächte Indien und Pakistan waren im vergangenen Frühjahr direkt militärisch aufeinandergetroffen.

Die Nachbarstaaten Pakistan und Afghanistan teilen sich eine rund 2.400 Kilometer lange Grenze, die 1893 zwischen dem damaligen Britisch-Indien und dem Emirat Afghanistan festgelegt wurde. Der Verlauf der als "Durand-Linie" bekannten faktischen Grenze ist zwischen beiden Ländern bis heute umstritten.

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