Finanzen

Was tun mit Aktien, wenn der Krieg eskaliert?

Ein Angriff auf Iran hat die Märkte erschüttert, aber die Wall Street nicht zu Fall gebracht. Was sollten Anleger tun, wenn geopolitische Spannungen zunehmen?
10.03.2026 06:00
Lesezeit: 6 min

Keine Spielchen mit dem Portfolio

Der Angriff auf Iran hat die Märkte etwas erschüttert, aber die Wall Street nicht gebrochen. Jahrzehnte an Börsengeschichte zeigen, dass sich Aktienmärkte an militärische Konflikte oft deutlich schneller anpassen, als wir zunächst glauben. Die Ereignisse im Nahen Osten erinnern uns erneut an diese alte Erkenntnis. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Unruhe bereits vorbei ist. Analysten zeichnen derzeit Karten möglicher Eskalationsszenarien, und ein weiterer Ölpreisschock erscheint durchaus realistisch, während der Ölpreis bereits die 100 US-Dollar-Marke pro Barrel knackt. Viele Leser fragen sich, was man in einer solchen Situation tun sollte. Das Aktienrisiko reduzieren oder sich sogar vorübergehend vom Markt zurückziehen?

Ein Portfolio entsteht in der Regel über Jahre auf der Grundlage überlegter Entscheidungen. Die Erfahrung vieler Investoren zeigt jedoch, dass hektische Entscheidungen in Krisenzeiten häufig entweder zu früh oder zu spät getroffen werden. Selbst wenn ein Verkauf gelingt, erfolgt der Wiedereinstieg meist nicht zum optimalen Zeitpunkt. Umgekehrt gilt das ebenso. Aus diesem Grund sehen viele langfristig orientierte Anleger keinen Anlass, ihr Portfolio in einer solchen Situation überstürzt umzubauen.

Solche Ereignisse sind jedoch eine gute Erinnerung daran, warum ein Portfolio global diversifiziert sein sollte. Ein Portfolio, das zu etwa 30 Prozent an heimischen Börsen investiert ist, kann durch eine breite internationale Streuung stabilisiert werden. Die übrigen internationalen Positionen können Rückgänge auf dem heimischen Markt teilweise ausgleichen. Bei steigenden Spannungen im Nahen Osten rücken Energiewerte erneut stärker in den Mittelpunkt. Der norwegische Ölkonzern Equinor konnte seit Jahresbeginn um rund 36 Prozent zulegen.

Besserer Schutz als Gold oder Öl: ein Chiphersteller

Der Halbleitersektor gilt grundsätzlich als anfälliger für geopolitische und wirtschaftliche Zyklen als der Energiesektor. In vielen Fällen trifft diese Einschätzung auch zu. Trotzdem gehört der Speicherchip-Hersteller Micron Technology in diesem Jahr weiterhin zu den Gewinnern vieler Portfolios mit einem Kursanstieg von rund 28 Prozent. Geopolitische Spannungen schwächen häufig den Technologiesektor und stärken gleichzeitig den Energiesektor. Dennoch kann sich Micron trotz dieser Verwundbarkeit bislang mit Energiewerten messen.

Auch Gold, der klassische sichere Hafen, ist seit Jahresbeginn in Dollar um fast 17 Prozent gestiegen und liegt damit immer noch hinter Micron. Natürlich gibt es jedoch einen Unterschied zwischen Krieg und Krieg. Würden Granaten statt im Nahen Osten auf Taiwan einschlagen, wäre die Micron-Aktie vermutlich eine der ersten, die stark einbrechen würde.

Am Ende zählen die Ergebnisse

Ein anderes Beispiel ist der dänische Pharmariese Novo Nordisk, der eigentlich relativ unempfindlich gegenüber militärischen Konflikten sein sollte. Die Probleme liegen hier jedoch nicht in der Geopolitik, sondern in internen Schwierigkeiten und stärkerem Wettbewerb. Die Aktie hat deshalb im vergangenen Jahr rund 55 Prozent verloren. Der Kursverfall wirkt fast so dramatisch, als hätte bereits ein schwerer globaler Konflikt begonnen, obwohl dieser Rückgang mit Krieg nichts zu tun hat.

Das ist eine wichtige Erinnerung für Anleger: Krieg oder nicht – am Ende zählen die Fundamentaldaten. Gewinne, Margen, Renditen und Wachstum. Die zentrale Lehre aus solchen Beispielen lautet, dass das spezifische Geschäftsrisiko eines Unternehmens häufig größer ist als das allgemeine Marktrisiko.

Die Geschichte zeigt außerdem, dass die größten Bewegungen an den Aktienmärkten meist nicht mit Kriegen zusammenhängen. Viel häufiger werden sie von der Geldpolitik ausgelöst – also von Zinssätzen und der Geldmenge im Umlauf.

Geopolitik kann die Märkte kurzfristig erschüttern. Für langfristige Anleger bleiben jedoch wirtschaftliches Wachstum, Unternehmensgewinne und technologische Entwicklung entscheidend. Selbst in Zeiten von Frieden und Bullenmärkten kann eine falsche Aktienauswahl die Rendite eines Portfolios erheblich beschädigen.

Lieber spazieren gehen

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass es keine externen Risiken gibt. Sollte der Konflikt so weit eskalieren, dass die gesamte globale Wirtschaftsordnung ernsthaft erschüttert wird, würden weder Gold noch Aktien noch Immobilien Anleger schützen. In einem solchen Szenario wäre Investieren ohnehin zweitrangig. Die Geschichte zeigt jedoch, dass sich sowohl Märkte als auch Wirtschaft überraschend schnell an Krisen anpassen. Deshalb gilt weiterhin ein einfaches Prinzip: Das Portfolio sollte breit diversifiziert bleiben, auch wenn es nie eine wirklich komfortable Menge an Liquidität gibt. Eine bewährte Strategie in turbulenten Zeiten besteht darin, Ruhe zu bewahren, kurzfristige Schwankungen auszuhalten und nicht überstürzt zu handeln.

Bei stärkeren Marktrückgängen kann es allerdings sinnvoll sein, vorhandene Liquiditätsreserven zu nutzen und günstige Einstiegsmöglichkeiten zu suchen. Den exakten Tiefpunkt zu treffen bleibt jedoch eine andere Herausforderung.

Krieg und Börse: Am Ende zählen Gewinne

Militärische Konflikte können die Märkte kurzfristig erschüttern, doch langfristig entscheiden Fundamentaldaten über den Erfolg von Aktieninvestitionen. Gewinne, Cashflows und Wachstum bleiben die wichtigsten Faktoren für Anleger. Wer sein Portfolio breit diversifiziert und in Krisenzeiten nicht in Panik reagiert, hat historisch gesehen die besseren Chancen, langfristig erfolgreich zu investieren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: SanDisk und Micron führen Erholung der Chipaktien an, während Großbanken nachgeben
19.10.2026

Verfolgen Sie die entscheidenden Entwicklungen an der Wall Street und entdecken Sie, welche Sektoren die Märkte am Montag bewegten.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Traditionsunternehmen Miele: Mittelständler mit Milliarden-Umsatz - Chef stirbt im Alter von 98 Jahren
19.10.2026

Als Hersteller für Haus- und Gewerbegeräte ist Miele weltweit bekannt. In Westfalen wurde das Traditionsunternehmen 1899 gegründet. Als...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bald treffen die Giganten aufeinander: Die Wette auf Indien könnte lukrativer sein als die auf China
19.10.2026

Wenn nur zehn Prozent der Inder, die heute kein Auto besitzen, in den kommenden Jahrzehnten Eigentümer eines Neuwagens würden, sprächen...

DWN
Politik
Politik Steuerzinsen 2027: Nachzahlungen sollen doppelt verzinst werden
19.10.2026

100.000 Euro Steuernachzahlung, zwei volle Zinsjahre: Heute können daraus 3.600 Euro Zinsen werden. Unter dem geplanten neuen Satz wären...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VW ID. Buzz im Test: Übernachten im Elektroauto wird zum Geduldsspiel
19.10.2026

Im Elektroauto schlafen, morgens Kaffee kochen und dabei unabhängig vom Campingplatz bleiben. Der neue Campingmodus des VW ID. Buzz soll...

DWN
Finanzen
Finanzen Was wäre, wenn ich statt des S&P 500 einfach seine Mutter kaufen würde?
19.10.2026

Ohne das Unternehmen S&P Global könnten die Finanzmärkte nur schwer funktionieren. Der Aktienkurs ist in diesem Jahr jedoch auf ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin und Co.: Sparkassen starten schrittweise Kryptohandel
19.10.2026

Der Wettbewerb im Kryptohandel nimmt zu: Nun wollen auch die Sparkassen mit einem eigenen Angebot Privatkunden ansprechen. Sie rollen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Anthropic: Milliardenverluste, Millionengehälter und ein gigantischer Börsenplan
19.10.2026

18 Millionen Dollar Vergütung für den Chef, fast 42 Milliarden Dollar Verlust für das Unternehmen: Beim KI-Entwickler Anthropic liegen...