Politik

Abgelehnte Asylbewerber: Fast zwei Drittel aller Abschiebeversuche 2025 gescheitert

Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich vorgenommen, die Zahl der Abschiebungen deutlich zu steigern. Es dürfte ihr nicht gefallen, dass 2025 weit mehr Abschiebeversuche scheiterten als gelangen.
11.03.2026 14:58
Lesezeit: 2 min

Fast zwei Drittel aller Abschiebeversuche 2025 gescheitert

In Deutschland gibt es derzeit mehr als 232.000 ausreisepflichtige Personen. Das Problem: hierzulande scheitern Abschiebungen häufiger, als sie gelingen.

Das Abschieben abgelehnter Asylbewerber gestaltet sich auch unter der schwarz-roten Bundesregierung schwierig. Im vergangenen Jahr scheiterten 60 Prozent aller Versuche, wie die Welt am Sonntag berichtet. 22.787 Abschiebungen gelangen demnach, 32.855 Versuche schlugen schon vor der Übergabe der betreffenden Personen an die für Rückführungen zuständigen Beamten an den Flughäfen fehl. Die Zahlen wurden der DPA von der Bundespolizei bestätigt.

Das Problem ist, dass die Polizei die Menschen, die abgeschoben werden sollen, nicht auffindet, wenn sie diese in ihrer Unterkunft abholen will. So war der häufigste Grund für das Scheitern, dass die Landespolizeien die Abzuschiebenden unangekündigt nicht übergeben konnten (21.341). In 11.184 Fällen wurde das Abschiebeersuchen storniert. Nach der Übergabe an die Beamten an den Flughäfen scheiterten 1.593 Versuche.

Vorstoß für Handy-Ortung von untergetauchten Ausreisepflichtigen

Damit weniger Rückführungen daran scheitern, dass ausreisepflichtige Migranten nicht auffindbar sind, schlug Hessens Innenminister Roman Poseck vor, sie per Handy-Ortung zu suchen. «Es geht nicht darum, jeden Ausreisepflichtigen unter Generalverdacht zu stellen und zu observieren», sagte der CDU-Politiker der «Welt am Sonntag». Die Maßnahmen würden erst bei Nichtantreffen der ausreisepflichtigen Person greifen, um diese möglichst schnell per Handy-Ortung zu finden und ihre Abschiebung doch noch durchführen zu können.

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) signalisierte Unterstützung für diesen Vorstoß. «Handy-Ortung kann eine wichtige Ergänzung der Instrumente zur Durchsetzung der Abschiebung sein», sagte er der Zeitung. Noch wichtiger wäre es aber, wenn Ausreisepflichtige gar nicht erst abtauchen könnten, weil viel häufiger Abschiebehaft möglich wäre. Deshalb sollte auf EU-Ebene der Weg frei gemacht werden, um für Abschiebehaft wieder reguläre Haftplätze nutzen zu können.

Angekündigte Rückführungsoffensive bleibt bisher aus

In ihrem Koalitionsvertrag hatten CDU/CSU und SPD eine «Rückführungsoffensive» vereinbart. «Die Bundesregierung wird umfassende gesetzliche Regelungen erarbeiten, um die Zahl der Rückführungen zu steigern», heißt es dort unter anderem. Diese Steigerung ist bislang aber nicht geglückt, wie die Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der AfD-Fraktion von Ende Februar zeigt.

So wurden im vergangenen Jahr in den letzten vier Monaten der alten, SPD-geführten Bundesregierung, also von Januar bis April, im Durchschnitt 2.035 Menschen im Monat abgeschoben. Von Mai bis Dezember 2025 waren es durchschnittlich 1.831. Dies zeige, «dass die ausgerufene Migrationswende auf dem Feld der Rückführungen vollständig ausgeblieben ist», sagte der AfD-Innenpolitiker Gottfried Curio der Welt am Sonntag.

Aus der Antwort des Innenministeriums geht auch hervor, dass die meisten Personen in die Türkei (2.798) abgeschoben wurden, gefolgt von Syrien (1.705) und Georgien (1.696).

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Technologie
Technologie Elektromobilität: Wo Elektroautos besonders boomen
19.10.2026

Förderung, breitere Auswahl und die hohen Spritpreise treiben die Elektroautoneuzulassungen in Deutschland. In zwei Bundesländern fährt...

DWN
Politik
Politik Midterms: Trump geht auf Putin zu - Verständigung trotz Ukraine-Krieg
19.10.2026

Trump ist Selenskyj schon oft in den Rücken gefallen, in seinem aktuellen Kurs sehen einige Experten eine neue Qualität. Gibt der...

DWN
Politik
Politik Experte: Trumps neue Grönland-Ankündigung dreht sich um etwas ganz anderes
19.10.2026

Donald Trump kündigt eine großangelegte Suche nach Öl, Gas und kritischen Mineralien in Grönland an. Doch zwei Experten bezweifeln,...

DWN
Politik
Politik Heil statt Klingbeil? Ex-Arbeitsminister schließt Kandidatur für SPD-Vorsitz nicht aus
18.10.2026

Bekommt Lars Klingbeil jetzt Konkurrenz? Ex-Arbeitsminister Hubertus Heil bekommt nach eigenen Worten aus der SPD viele Ermutigungen, für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche in der Dauerkrise: Immer mehr Ausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen
18.10.2026

Die Krisen der vergangenen Jahre hinterlassen Spuren in der Psyche vieler Menschen und am Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitnehmer fallen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Methanemissionen: Energiepreise – EU-Kommission will Klimaregeln verschieben
18.10.2026

In Brüssel werden Mittel gegen die ausufernden Energiepreise gesucht. Einen Weg sieht die Kommission darin, bestimmte Klimaregeln später...

DWN
Finanzen
Finanzen Kaffeepreis: Warum die billigste Bohne am Ende die teuerste ist
18.10.2026

Kaffee wird immer teurer. Doch wer jetzt zu günstigen Bohnen greift, könnte die nächste Preisexplosion selbst befeuern. Klimawandel,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bewerbungsverfahren: Künstliche Intelligenz verändert die Auswahlkriterien
18.10.2026

Bewerber verfassen Bewerbungsunterlagen mit KI, Betriebe lassen die Maschine zumindest einen Teil der Vorauswahl machen. Das ändert die...