Wirtschaft

Iran-Krieg verändert Anlagestrategien: Investoren trennen sich von Tech-Aktien

Der Iran-Krieg und der Ölpreisschock bringen die bisherige Dominanz von KI-Investments ins Wanken und verschieben die Kapitalströme in Richtung Infrastruktur, Energie und geopolitisch stabiler Märkte. Entsteht daraus eine neue Anlagestrategie, die Tech-Bewertungen relativiert und China sowie reale Vermögenswerte wieder stärker in den Fokus rückt?
22.03.2026 13:53
Lesezeit: 3 min
Iran-Krieg verändert Anlagestrategien: Investoren trennen sich von Tech-Aktien
Der Iran-Krieg zwingt Fondsmanager zur Abkehr vom Technologiesektor und lenkt Investitionen verstärkt in reale Vermögenswerte sowie geopolitisch widerstandsfähige Märkte (Foto: dpa) Foto: insta_photos

Strategiewechsel an den Märkten

Der Konflikt mit dem Iran und der damit verbundene Ölpreisschock zwingen Portfoliomanager großer Banken zu einer Neubewertung ihrer Strategien. Kapital wird zunehmend aus dem lange dominierenden Technologiesektor abgezogen und in Infrastruktur sowie in Schwellenmärkte umgelenkt. Vor allem reale Vermögenswerte rücken wieder stärker in den Fokus. Die bisherige Fokussierung auf KI-getriebene Geschäftsmodelle verliert an Gewicht. Stattdessen suchen Investoren gezielt nach Anlagen, die unabhängig von technologischen Zyklen stabile Erträge liefern können. Diese Verschiebung markiert eine spürbare Abkehr von der bisherigen Marktlogik.

LHV-Portfoliomanager Kaius Kiivramees erklärte in der Sendung „Investor Toomase tund“, dass die Portfolios bewusst weiter weg vom Einfluss der Künstlichen Intelligenz ausgerichtet wurden. Man habe die Gewichtung von digitalen Geschäftsmodellen reduziert und den Anteil physischer Vermögenswerte erhöht. Er beschrieb diesen Ansatz als Verschiebung von Bits und Bytes hin zu Atomen und Molekülen. Gemeint ist damit eine klare Priorisierung von Infrastruktur und realwirtschaftlichen Anlagen, die sich nicht ohne Weiteres durch technologische Entwicklungen ersetzen lassen.

Energie und China rücken in den Fokus

Als konkretes Beispiel nannte Kiivramees ein Investment in den finnischen Energiekonzern Fortum. Physische Vermögenswerte gelten in diesem Umfeld als robuster, da sie weniger anfällig für technologische Disruptionen sind und in Krisenzeiten eine stabilere Grundlage bieten. Gerade im Energiesektor zeigt sich diese Entwicklung besonders deutlich. Versorgungssicherheit und Infrastruktur gewinnen angesichts geopolitischer Spannungen an Bedeutung und rücken stärker in den Fokus institutioneller Investoren.

Zudem sehen Fondsmanager wachsendes Potenzial in China. Nach Einschätzung von Kiivramees hat sich das Land über Jahre hinweg gezielt auf geopolitische Schocks und mögliche Energiekrisen vorbereitet. Diese strategische Ausrichtung könnte sich nun auszahlen. China profitiert zudem von seiner besonderen Beziehung zum Iran und kann weiterhin Lieferketten aufrechterhalten. Während andere Volkswirtschaften unter Unterbrechungen leiden, bleibt die Versorgung dort vergleichsweise stabil.

Kapital wandert aus den USA ab

Auch SEB-Pensionsfondschef Endriko Võrklaev bestätigte eine ähnliche Entwicklung. Kapital werde zunehmend aus den USA und aus dem Technologiesektor heraus verlagert. Stattdessen rücken kleinere börsennotierte Unternehmen und Schwellenmärkte stärker in den Fokus. Diese Umschichtung folgt der Erwartung, dass sich die globalen Wachstumsimpulse breiter verteilen. Anleger suchen gezielt nach Märkten, die weniger stark von den bisherigen Bewertungsniveaus im Technologiesektor geprägt sind.

Võrklaev sieht China im aktuellen Umfeld vergleichsweise stabil positioniert. Das Land sei von den jüngsten Verwerfungen weniger stark betroffen und könne weiterhin auf bestehende Handelsbeziehungen zurückgreifen. Gleichzeitig erkennt er auch in Europa Chancen. Insbesondere Investitionen in die Verteidigungsindustrie und die Materialproduktion könnten der Wirtschaft neuen Auftrieb verleihen und zusätzliche Kapitalströme anziehen.

Lokale Emissionen und Anlegerverhalten

Sowohl die Pensionsfonds von SEB als auch jene von LHV verzichteten darauf, die Anleihen der Apollo-Gruppe mit sieben Prozent Verzinsung hervorzuheben. Aus ihrer Sicht bot die Rendite im Vergleich zu Aktienpositionen keine ausreichende Attraktivität. Dennoch gehen beide davon aus, dass die Emission vollständig platziert wird. Der Markt für solche Angebote bleibt stabil, auch wenn institutionelle Investoren zurückhaltender agieren. Experten betonen, dass bei Privatanlegern häufig nicht eine tiefgehende Analyse im Vordergrund steht. Stattdessen spielen Markenbekanntheit und emotionale Bindung eine entscheidende Rolle bei Anlageentscheidungen.

Diese Faktoren tragen dazu bei, dass auch Emissionen von Unternehmen wie Apollo oder der Coop Pank erfolgreich gezeichnet werden. Das Anlegerverhalten folgt damit nicht immer rein rationalen Kriterien.

Risiken im globalen Kreditmarkt

Gleichzeitig mehren sich Warnsignale aus den internationalen Kreditmärkten. Besonders im US-Segment für risikoreiche Private-Credit-Anlagen zeigen sich erste Anzeichen einer Abschwächung. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass sich die Risikobewertung an den Märkten verändert. Investoren werden vorsichtiger und hinterfragen bestehende Strategien zunehmend kritischer. Die bislang verbreitete Praxis, jeden Marktrückgang konsequent zu kaufen, könnte sich unter diesen Bedingungen als problematisch erweisen. Was lange als bewährte Strategie galt, entwickelt sich zunehmend zu einer riskanten Routine.

Für Deutschland bedeutet dieser Strategiewechsel eine doppelte Herausforderung. Einerseits könnten Infrastruktur, Industrie und Energiesektor von neuen Kapitalströmen profitieren. Andererseits zeigt sich, dass die bisherige Dominanz von KI-Themen an den Märkten nicht ausreicht, um langfristig Vertrauen zu sichern. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, reale Investitionen mit technologischer Innovationskraft zu verbinden.

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