Wirtschaft

BDI warnt vor Eingriffen bei Spritpreisen: Streit um Kartellrecht eskaliert

Steigende Spritpreise setzen Politik und Wirtschaft unter Druck. Während die Bundesregierung das Kartellrecht verschärfen will, wächst in der Industrie der Widerstand. Unternehmen warnen vor tiefgreifenden Folgen für Wettbewerb und Investitionen – droht ein gefährlicher Eingriff in die Marktwirtschaft?
19.03.2026 09:39
Lesezeit: 1 min
BDI warnt vor Eingriffen bei Spritpreisen: Streit um Kartellrecht eskaliert
Neue Kartellregeln sorgen für Kritik: Der BDI sieht Gefahren für Unternehmen und Investitionen. (Foto: ChatGPT)

Spritpaket: BDI kritisiert strengere Kartellregeln deutlich

Der Bundesverband der Deutschen Industrie übt deutliche Kritik an der geplanten Verschärfung des Kartellrechts im Rahmen des Spritpreis-Pakets der Bundesregierung. "Die Bundesregierung ist dabei, in einem überstürzten Eilverfahren tiefgreifende und riskante Eingriffe in das Wettbewerbsrecht auf den Weg zu bringen", erklärte Holger Lösch, stellvertretender BDI-Hauptgeschäftsführer. Dies sorge in den Unternehmen für erhebliche Unsicherheit und gefährde Investitionen in zahlreichen Branchen.

"Ohne Einbindung der Industrie und ohne eine breite öffentliche Debatte werden unter dem Druck hoher Spritpreise Regeln verändert, die weit über den aktuellen Anlass hinausreichen und die Spielregeln für alle Unternehmen dauerhaft verschieben würden", so Lösch. "Der Eingriff ins Wettbewerbsrecht droht zu einem ordnungspolitischen Bärendienst für die gesamte Wirtschaft zu werden."

Regierung plant strengere Regeln: Beweislast soll Unternehmen treffen

Die Koalition plant, das Kartellrecht zu verschärfen und die Beweislast umzudrehen: Unternehmen sollen künftig nachweisen müssen, dass Preissteigerungen sachlich gerechtfertigt sind. Damit soll es für das Kartellamt deutlich einfacher werden, gegen überhöhte Spritpreise vorzugehen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sprach am Mittwoch im Bundestag von transparenteren Preisstrukturen und einem "scharfen Schwert", das der Branche weh tue.

Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie, hatte von einem grundlegenden Paradigmenwechsel gesprochen. Dieser bringe erhebliche Risiken für den Unternehmenserfolg mit sich, wenn nachträglich Preiserhöhungen als nicht rechtmäßig bewertet würden. Dies könne dazu führen, dass Unternehmen den Markt verlassen und die Versorgung gefährdet werde.

BDI warnt vor Machtverschiebung: Kartellamt erhält mehr Einfluss

Lösch sprach von einem erheblichen Eingriff in unternehmerische Freiheit und Investitionstätigkeit. Dies werfe zudem verfassungsrechtliche Fragen auf. "Das Bundeskartellamt bekäme damit faktisch weitreichende Befugnisse zur Marktgestaltung." Lösch kritisierte außerdem das hohe Tempo bei dem Vorhaben. Die schwarz-rote Koalition strebt an, dass die Änderungen vor Ostern in Kraft treten.

"Ein so weitreichender Umbau des Wettbewerbsrechts darf kein Schnellschuss sein", sagte Lösch. "Anstelle von Eilverfahren braucht es Transparenz, Abwägung und eine offene Diskussion mit den Betroffenen. Genau das findet hier nicht statt."

Konflikt zwischen Politik und Wirtschaft spitzt sich zu

Die geplante Verschärfung des Kartellrechts zeigt deutlich, wie groß der Handlungsdruck angesichts steigender Spritpreise ist. Gleichzeitig macht die Kritik der Industrie klar, dass tiefgreifende Eingriffe in den Wettbewerb erhebliche Nebenwirkungen haben können. Besonders die Umkehr der Beweislast könnte Unternehmen vor neue Herausforderungen stellen und Investitionen bremsen. Auch die Geschwindigkeit der Umsetzung sorgt für Unruhe. Während die Politik auf schnelle Lösungen setzt, fordert die Wirtschaft mehr Dialog und Abwägung. Letztlich wird entscheidend sein, ob es gelingt, wirksame Maßnahmen gegen hohe Preise zu schaffen, ohne den Wettbewerb langfristig zu schwächen.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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