USA: Seeblockade begonnen – Iran spricht von "Piraterie"
Eskalation, Täuschungsmanöver oder Instrument diplomatischer Gespräche? Die von den USA angekündigte Blockade der Straße von Hormus sorgt international für erhebliche Unruhe.
Die Vereinigten Staaten haben nach eigenen Angaben mit der Abriegelung der Straße von Hormus gestartet. Das bestätigte ein Regierungsvertreter der Deutschen Presse-Agentur. US-Präsident Donald Trump erklärte später vor Journalisten in Washington, die Blockade sei planmäßig umgesetzt worden.
Das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (Centcom) hatte am Sonntag erklärt, ab diesem Montag 10.00 Uhr US-Ostküstenzeit (16.00 Uhr MESZ) bestimmte Schiffe an der Passage durch die Meerenge zu hindern. Demnach sollen Schiffe gestoppt werden, die einen iranischen Hafen als Ausgangspunkt oder Ziel haben. Dies umfasse iranische Häfen sowohl am Persischen Golf als auch am Golf von Oman, hieß es.
Gleichzeitig stellte das US-Militär klar, dass die Passage von Schiffen durch die Straße von Hormus ohne iranischen Start- oder Zielhafen nicht eingeschränkt werden solle. Die Ankündigungen nach dem vorläufigen Scheitern der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran führten zu Reaktionen an den Finanzmärkten - und lösten im Iran scharfe Kritik aus.
Bericht: Mehr als 15 US-Kriegsschiffe könnten Einsatz unterstützen
Das "Wall Street Journal" berichtet unter Berufung auf einen hochrangigen US-Beamten, dass über 15 US-Kriegsschiffe bereitstünden, den Einsatz zu begleiten. Nach Angaben von Militärvertretern hätten die USA einen Flugzeugträger, mehrere Lenkwaffenzerstörer, ein amphibisches Angriffsschiff sowie weitere Kriegsschiffe in der Region stationiert, so die Zeitung.
Ein Teil der Schiffe sei dazu in der Lage, Handelsschiffe in bestimmte Zonen zu eskortieren, um sie dort festzusetzen. Die Zeitung zitiert einen ehemaligen hochrangigen Offizier der US-Marine mit der Einschätzung, dass die Kriegsschiffe vermutlich außerhalb der Straße von Hormus positioniert würden, um Risiken durch den Iran zu minimieren.
Laut Informationen des "Wall Street Journal" prüfen Trump und seine Berater zudem, begrenzte Militärschläge im Iran erneut aufzunehmen, um die ins Stocken geratenen Gespräche wieder anzukurbeln.
Ölpreis aktuell deutlich im Plus
Nach dem zuletzt aufgekommenen Optimismus im Zuge der Waffenruhe im Nahost-Krieg sorgte nun der deutlich gestiegene Ölpreis für Ernüchterung. Auslöser des Preisschubs am Rohölmarkt war die von US-Präsident Donald Trump angekündigte Seeblockade der Straße von Hormus, nachdem am Wochenende die Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran vorläufig gescheitert waren.
Direkte Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad waren ohne greifbares Ergebnis geblieben. Trump will mit der Hormus-Blockade verhindern, dass der Iran Gebühren von Reedereien für eine Durchfahrt durch die Meerenge verlangt, und das Land gleichzeitig von Öleinnahmen abschneiden.
Zwar rechneten die Anleger fest damit, dass beide Parteien zähneknirschend an den Verhandlungstisch zurückkehren, doch die akute Gefahr bleibe extrem hoch, schrieb Analyst Frank Sohlleder vom Handelshaus Activtrades. Das absolute Nadelöhr, die blockierte Straße von Hormus, bleibe unter der Kontrolle Teherans weiterhin fest verschlossen. Und als Vergeltung blockiere die US-Administration nun aggressiv. Dieses explosive geopolitische Gemisch berge massive Risiken.
In der Nacht zum Montag zog der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni erneut über die Marke von 100 US-Dollar an. Dies hatte bereits die Börsen in Asien ins Minus gedrückt.
Iran spricht von "Piraterie"
Die iranischen Streitkräfte bezeichneten die Seeblockade als "Akt der Piraterie". Einschränkungen für den Schiffsverkehr in internationalen Gewässern seien eine rechtswidrige Maßnahme, erklärte ein Sprecher der Militärführung laut der Nachrichtenagentur Tasnim. "Die Sicherheit der Häfen im Persischen Golf und im Golf von Oman ist entweder für alle oder für niemanden."
Trumps Ankündigung sei nichts weiter als ein Bluff, schrieb der Sprecher des Sicherheitsausschusses im iranischen Parlament, Ebrahim Rezaei, in der Nacht auf X. Dies werde als Militäreinsatz gewertet, "und wir würden darauf reagieren". Die Revolutionsgarden warnten davor, dass sich Militärschiffe der Straße von Hormus nähern. Dies stelle einen "klaren Verstoß gegen die (seit Mittwoch) bestehende Waffenruhe dar", hieß es am Sonntagabend in einer Erklärung.
Gibt es weitere Verhandlungen?
Die direkten Gespräche zwischen den USA und dem Iran waren am frühen Sonntagmorgen ohne Ergebnis beendet worden. Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich über den Abbruch nicht überrascht. "Ich hatte von Anfang an nicht den Eindruck, dass sie wirklich gut vorbereitet waren", sagte der CDU-Vorsitzende ergänzend. Wen er konkret kritisierte, ließ er offen.
In Pakistan, dem Ort der Gespräche am Wochenende, nahmen zuletzt wieder Spekulationen über neue Verhandlungen zu. "Die Diplomatie ist noch nicht tot," erklärte ein pakistanischer Regierungsvertreter gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Wo und wann die Gespräche fortgesetzt werden könnten, blieb jedoch unklar.
Trump sagte in Washington, der Iran habe Kontakt aufgenommen. "Sie wollen einen Deal machen" und zwar unbedingt, erklärte er erneut, wie schon in früheren Aussagen. Eine entsprechende offizielle Stellungnahme aus Teheran blieb zunächst aus.
Was Trump erreichen will
Trump verfolgt mit der Blockade das Ziel, zu verhindern, dass der Iran Gebühren von Reedereien für die Durchfahrt durch die Meerenge verlangt, und zugleich die Einnahmen aus dem Ölgeschäft zu reduzieren. Am Montag bestätigte Trump auf Nachfrage außerdem, dass er den Iran dazu bewegen wolle, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Die Straße von Hormus zwischen dem Iran und dem Oman zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten für den globalen Ölhandel. Nach Beginn des Iran-Kriegs hatte Teheran die Meerenge durch Drohungen sowie Beschuss von Tankern und Frachtschiffen faktisch blockiert, was die Energiepreise stark ansteigen ließ. Der Schiffsverkehr kam weitgehend zum Stillstand.
Bundesregierung setzt weiter auf Diplomatie
Die Bundesregierung betonte, auch nach den vorerst gescheiterten Gesprächen im Iran-Krieg und der angedrohten Teilblockade der Straße von Hormus durch die USA weiterhin auf eine diplomatische Lösung zu setzen. "Diese diplomatische Lösung ist der einzige Weg, diesen Konflikt jetzt zu beruhigen und zu einem Ende zu führen", erklärte Regierungssprecher Stefan Kornelius.
Die Blockade der Straße von Hormus beziehungsweise iranischer Häfen durch die USA bedeute kein Ende des diplomatischen Prozesses, so Kornelius weiter. Vielmehr werde dies als "Bewegung, den Druck zu erhöhen" interpretiert. Die Meerenge diene offenbar nun als "eine Art Faustpfand" für beide Seiten - den Iran und die USA.
Weiter Kämpfe im Libanon und Angriffe auf Israel
Unterdessen dauern die Gefechte im Libanon an. Israels Armee geht dort weiterhin gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz vor. Außenminister Gideon Saar bekräftigte, dass Israel eine Waffenruhe ablehne und die Einsätze fortsetzen werde. Seit Anfang März seien mehr als 7.000 Raketen, Geschosse und Drohnen aus dem Libanon auf Israel abgefeuert worden. Der Beginn von Gesprächen zwischen beiden Staaten ist weiterhin für diesen Dienstag vorgesehen.

