Finanzen

Bayer-Aktie springt an: Quartalszahlen überraschen

Die Bayer-Aktie legt nach starken Quartalszahlen deutlich zu, denn der Konzern übertrifft mit seinem Agrargeschäft die Erwartungen der Analysten. Gleichzeitig bestätigt Bayer den Ausblick und senkt dank eines Beteiligungsverkaufs seine Schuldenprognose.
04.08.2026 10:18
Lesezeit: 3 min
Bayer-Aktie springt an: Quartalszahlen überraschen
Bayer-Aktie: Der Konzern übertrifft die Erwartungen und senkt seine Schuldenprognose. (Foto: dpa) Foto: Juan Vega

Bayer-Aktie steigt: Gute Quartalszahlen überzeugen Anleger

Die Bayer-Aktie hat dank eines starken Agrargeschäfts und Kostensenkungen die Erwartungen im zweiten Quartal übertroffen. Zudem steigerten in der Pharmasparte noch vergleichsweise junge Medikamente ihre Verkaufszahlen erneut deutlich. Der Aktienkurs legte im frühen Handel zu. JPMorgan-Analyst Richard Vosser sprach in einer ersten Reaktion von starken Geschäftszahlen, die zu steigenden Gewinnerwartungen am Markt führen dürften.

Kurz nach dem Börsenstart gewann die Bayer-Aktie 4,5 Prozent auf 49,28 Euro. Nach dem jüngsten Rücksetzer infolge des Kurssprungs Ende Juni setzte das Papier damit seinen Erholungskurs fort. Ende Juni hatte ein Erfolg vor dem obersten US-Gericht im Streit um angebliche Krebsrisiken glyphosatbasierter Unkrautvernichter eine Rally ausgelöst.

Glyphosat: Rückenwind durch Urteil des Supreme Court

Der US Supreme Court hatte entschieden, dass Bayer nicht wegen fehlender Krebswarnungen auf Verpackungen von Unkrautvernichtern verklagt werden kann. Das Oberste Gericht verwies darauf, dass in den USA von der Regierung einheitliche Kennzeichnungen durch die Umweltbehörde EPA vorgeschrieben seien. Deshalb könne es keine abweichenden Anforderungen einzelner Bundesstaaten geben. Tausenden Klagen auf Grundlage angeblicher Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup dürfte damit die Basis entzogen worden sein.

Bayer-Chef Bill Anderson trieb die angestrebte Lösung des Glyphosat-Themas auch auf anderem Weg voran. Am 19. August steht dazu eine Anhörung für eine mögliche endgültige Genehmigung eines Anfang des Jahres angekündigten Sammelvergleichs zur Beilegung der Rechtsstreitigkeiten um Roundup in den USA an. Die Entscheidung des Richters wird im weiteren Jahresverlauf erwartet. Im Rahmen dieses Vergleichs wird Bayer bis zu 21 Jahre lang abnehmende, gedeckelte jährliche Zahlungen in Höhe von insgesamt bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar leisten.

Bayer-Aktie profitiert von starkem Agrargeschäft

Auch im operativen Geschäft lief es zuletzt besser. In den drei Monaten bis Ende Juni erhöhte sich der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Jahresvergleich um 1,9 Prozent auf 2,14 Milliarden Euro, wie der Pharma- und Agrarchemiekonzern am Dienstag mitteilte. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Rückgang gerechnet.

Die Agrarsparte Crop Science steigerte bei moderatem Umsatzwachstum ihren operativen Gewinn um fast ein Drittel auf 902 Millionen Euro. Dazu trugen auch niedrigere Herstellungskosten infolge der Effizienzprogramme bei. Zudem profitierte der Dax-Konzern von Zuwächsen im Geschäft mit Soja- und Baumwollsaat infolge der Wiederzulassung Dicamba-basierter Produkte in den USA. So hatte die US-Umweltbehörde im Februar die Zulassung von Dicamba-Herbiziden in 34 US-Bundesstaaten wiederhergestellt. Das stärkt die Nachfrage nach Saatgut für Dicamba-tolerante Soja- und Baumwollpflanzen.

Pharmageschäft entwickelt sich besser als erwartet

Im Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten sank das operative Ergebnis wegen höherer Kosten für die Vermarktung neuer Arzneimittel zwar leicht auf 1,055 Milliarden Euro. Dennoch fiel das Ergebnis besser aus als von Analysten erwartet. Vor allem die noch jungen Medikamente wie das Krebsmittel Nubeqa sowie Kerendia zur Behandlung chronischer Nierenerkrankungen und Herzinsuffizienz verzeichneten weiterhin deutliche Zuwächse. Das hilft, die anhaltenden Umsatzeinbrüche beim Blutgerinnungshemmer Xarelto sowie dem Augenmedikament Eylea abzufedern. Beide Kassenschlager stehen nach Patentabläufen unter dem Druck der Generika-Konkurrenz.

Unter dem Strich erzielte Bayer einen Konzerngewinn von 219 Millionen Euro, nach einem Verlust von 199 Millionen Euro im Vorjahr. Den Umsatz steigerte der Konzern um 1,2 Prozent auf 10,87 Milliarden Euro. Währungs- und portfoliobereinigt ergab sich ein Plus von 2,2 Prozent.

Ausblick: Bayer bestätigt Prognose

Den währungsbereinigten Umsatzausblick für 2026 von 45 bis 47 Milliarden Euro bestätigte Bayer. Einschließlich Wechselkurseffekten erhöhte der Konzern den Ausblick leicht auf 44,7 bis 46,7 Milliarden Euro.

Die Prognosen für das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen blieben exklusive sowie inklusive Wechselkurseffekten unverändert bei 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro beziehungsweise bei 9,4 bis 9,9 Milliarden.Optimistischer blickt die Bayer-Führung derweil auf die Verschuldung. Die Nettofinanzverschuldung soll zum Jahresende nun bei 29 bis 30 Milliarden Euro liegen statt bei den bislang avisierten 32 bis 33 Milliarden. Grund ist ein vor wenigen Wochen bekannt gegebener Deal mit der Beteiligungsgesellschaft Apollo <US03769M1062>. Apollo erhält eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft, in die Bayer das Geschäft mit reversiblen Langzeitverhütungsmitteln einbringt. Dadurch sichert sich Bayer den Angaben zufolge drei Milliarden Euro Eigenkapital.

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