Politik

90-Milliarden-EU-Kredit: Selenskyj verkündet Reparatur der „Druschba“-Pipeline

Fast drei Monate floss nach einem russischen Drohnenangriff kein Erdöl von Russland über die Ukraine in die EU-Staaten Slowakei und Ungarn. Nun schließt Kiew vor EU-Beratungen die Reparaturen ab. Steht jetzt der blockierte Milliarden-Kredit für die Ukraine vor dem Durchbruch?
22.04.2026 08:43
Lesezeit: 2 min

90-Milliarden-EU-Kredit für die Ukraine: Selenskyj verkündet Reparatur der „Druschba“-Pipeline

Kurz vor Beratungen über ein weiteres Darlehen für die Ukraine hat Kiew die Reparatur der Erdölleitung «Druschba» (Freundschaft) aus Russland in die Europäische Union verkündet. «Die Ölpipeline kann ihren Betrieb wieder aufnehmen», schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Telegram. Kiew erwarte nun die Freigabe von blockierten EU-Mitteln von 90 Milliarden Euro als Unterstützungspaket.

Selenskyj telefonierte nach eigenen Angaben mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa und betonte, dass die Ukraine alle Forderungen erfüllt habe und nun dringend das Geld brauche. «Diese Mittel werden nicht nur die Ukraine, sondern ganz Europa stärken», sagte er. Das Land will den Großteil des Geldes für den Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg nutzen.

Costa dankte Selenskyj auf der Plattform X für die Reparatur der Leitung. Selenskyj erklärte in seiner Mitteilung an die EU auch, niemand könne garantieren, «dass sich russische Angriffe auf die Infrastruktur der Ölpipeline nicht wiederholen werden». Trotzdem hätten die Fachleute nun die Voraussetzungen für die Wiederinbetriebnahme des Pipelinesystems und der Anlagen geschaffen.

Selenskyj fordert neue Sanktionen gegen Russland

Ende Januar hatte eine russische Drohne im westukrainischen Brody nach ukrainischen Angaben Anlagen der Pipeline beschädigt. Infolgedessen wurde der Transit russischen Erdöls über die Ukraine in die Slowakei und Ungarn unterbrochen. Die beiden Nachbarstaaten der Ukraine bezweifelten die Darstellung von Kiew zu den Schäden an der Erdölleitung und forderten eine unabhängige Inspektion. Beide Länder stellten ihre Diesellieferungen an die Ukraine ein.

Budapest blockierte außerdem die Zahlung der ersten Tranche des im Dezember zugesagten EU-Kredits von insgesamt 90 Milliarden Euro. Ungarn hatte allerdings angekündigt, sein Veto zurückzuziehen, wenn es wieder russisches Öl über die in der Ukraine beschädigte «Druschba»-Pipeline bekomme. Am Mittwoch könnte die EU eine Entscheidung über ein weiteres Unterstützungsdarlehen für die Ukraine treffen.

Selenskyj hatte erklärt, dass russisches Öl, mit dem Moskau seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine finanziert, gar nichts mehr auf dem europäischen Markt zu suchen habe. Er forderte nun erneut eine Verschärfung der Sanktionen, um den Druck auf das Land zu erhöhen und die das fünfte Jahr andauernde Invasion zu beenden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Aktien schließen wegen steigender Ölpreise und kletternder Anleiherenditentitle
10.09.2026

Erfahren Sie, welche Dynamiken die US-Märkte derzeit beherrschen und welche Einzelwerte sich gegen den Trend stemmen.

DWN
Technologie
Technologie Daimler Truck investiert groß in Wasserstoff-Lkw
10.09.2026

Während viele Hersteller beim Wasserstoff zurückstecken, investiert Daimler Truck weiter kräftig in die Technologie. Der Konzern setzt...

DWN
Politik
Politik Öl gibt es genug. Warum ist Diesel dann rekordteuer?
10.09.2026

Der Ölpreis ist hoch, aber nicht auf Rekordniveau. Trotzdem ist Diesel so teuer wie nie. Der Grund liegt nicht allein beim Rohöl, sondern...

DWN
Politik
Politik Neuer Umfragedämpfer bringt Bundeskanzler Merz weiter unter Druck: CDU stürzt in Mecklenburg-Vorpommern ab
10.09.2026

Nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt wächst der Druck auf Friedrich Merz. Schwache Umfragewerte in Mecklenburg-Vorpommern und ein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Aktie im Fokus: Volkswagen drohen bis zu 16 Milliarden Euro Umbaukosten
10.09.2026

Der geplante Sparkurs bei Volkswagen hat einen hohen Preis: Bis zu 16 Milliarden Euro könnten Stellenabbau und mögliche...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Zinsentscheid: EZB erhöht Zinsen auf 2,5 Prozent
10.09.2026

EZB-Zinsentscheid: Die EZB erhöht den Einlagenzins auf 2,5 Prozent – und rechnet trotzdem noch Jahre mit erhöhter Inflation. Während...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzins-Prognose: Lagarde droht der Fehler von 2011
10.09.2026

Die nächste Zinserhöhung der EZB gilt beinahe als ausgemacht. Doch ausgerechnet die Erfahrung von 2011 zeigt, wie riskant ein solcher...

DWN
Technologie
Technologie Warum jeder vierte Deutsche aufs E-Auto umsteigen will
10.09.2026

Deutschland zeigt überraschend viel Interesse am Elektroauto: 27 Prozent der Besitzer von Benzin- oder Dieselautos planen den direkten...