Panorama

Ehepaar gesteht Millionendiebstahl aus Münzautomaten

Ein Bauhofmitarbeiter und seine Frau sollen über Jahre Parkautomaten systematisch geplündert haben. Vor Gericht gestehen beide den Millionenbetrug – doch ein entscheidendes Detail bleibt völlig offen: der Schlüssel.
06.05.2026 07:24
Lesezeit: 3 min
Ehepaar gesteht Millionendiebstahl aus Münzautomaten
Tonnen von Münzgeld: Ein Ehepaar soll in Kempten fast 1,9 Millionen Euro aus Parkautomaten gestohlen haben. (Foto: dpa) Foto: Marijan Murat

Geständnis vor Gericht

Mit einem tränenreichen Geständnis hat der Prozess um einen Millionendiebstahl aus Parkautomaten in Kempten im Allgäu begonnen. "Ich habe viele Menschen enttäuscht. Ich bereue meine Taten zutiefst", sagte der vierzig-jährige Angeklagte vor dem Landgericht Kempten und räumte die Anklageschrift in allen Punkten ein. Demnach soll der ehemalige Mitarbeiter der Stadt binnen zehn Jahren gemeinsam mit seiner neununddreißig-jährigen Frau rund 1,9 Millionen Euro erbeutet haben. Auch seine Frau gestand.

Vorwürfe der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Paar, das seit November vergangenen Jahres in Untersuchungshaft sitzt, gewerbsmäßigen Diebstahl vor. Das Gesetz sieht dafür eine Höchststrafe von bis zu zehn Jahren Haft vor.

Ablauf der Taten und Rolle der Frau

Der Angeklagte war im Tatzeitraum als Bauhofmitarbeiter für das Leeren der Parkscheinautomaten zuständig. Er räumte ein, von 2020 bis 2025 in 335 einzelnen Fällen gemeinsam mit seiner Frau insgesamt 1,34 Millionen Euro gestohlen zu haben. Er habe die Münzen aus den Parkautomaten entnommen, in Plastiksäcke gefüllt und mit nach Hause gebracht. In anderen Fällen habe seine Frau das Geld direkt am Automaten abgeholt.

"Anfangs waren es Münzen, später ganze Geldkassetten. Die Summe hat sich rasch gesteigert", sagte der Angeklagte. Seine Frau habe von Anfang an Bescheid gewusst. Als er zuletzt Zweifel an seinen Diebstählen bekommen habe, habe sie ihn zum Weitermachen ermutigt.

Auch seine Frau legte ein Geständnis ab. Sie stritt jedoch ab, ihren Mann zum Diebstahl angestiftet zu haben. Sie sprach von psychischem Druck, der durch die Taten entstanden sei. Zudem will sie erst zwei Jahre nach der ersten Tat erfahren haben, woher die Münzen stammten.

Offene Fragen zum Schlüssel

Laut Anklage habe sie erheblichen Aufwand betrieben, um das Münzgeld einzuzahlen, und zur Verschleierung der Herkunft weitere Personen eingebunden. Außerdem soll sie sich bei ihrer Bank erkundigt haben, ob große Münzeinzahlungen am Automaten auffallen würden.

Die Münzen soll das Paar auf private Konten eingezahlt und sich dafür Supermarktgutscheine beschafft haben. Inzwischen sei von dem Geld nichts mehr übrig, sagte der Angeklagte vor Gericht. "Unser Lebensstandard hat sich gesteigert, wir haben es für Luxusgüter ausgegeben." Von Pferden, Autos und teurer Kleidung ist die Rede.

Völlig unklar blieb, wie der Angeklagte an den entscheidenden Schlüssel für die Geldkassette gelangte. Mehrere Bauhofmitarbeiter, die als Zeugen geladen waren, berichteten übereinstimmend: Ihre Aufgabe sei lediglich das Entnehmen der Geldkassette gewesen, mit dem Bargeld selbst kämen sie nicht in Kontakt.

In Ausnahmefällen müssten sie aus technischen Gründen eine leere Kassette öffnen. Den Schlüssel habe allein ein Vorgesetzter, der ihn gegen Unterschrift kurzfristig herausgebe. Der Angeklagte wiederum sprach von mangelhafter Dokumentation. "Alle konnten jederzeit an alle Schlüssel gelangen. Es ist eine unbekannte Anzahl im Umlauf", sagte er.

Ermittlungen und Folgen

Der Fall wurde im November bekannt, nachdem eine Bank wegen Geldwäscheverdachts die Ermittler eingeschaltet hatte. Warum das Fehlen des Geldes bis dahin niemandem aufgefallen war, wurde durch Nachfragen des Richters bei aktuellen und ehemaligen Bauhofmitarbeitern deutlich: Die fortlaufende Nummer der Parkautomaten-Quittung wurde früher nicht dokumentiert.

Mehr als 500 weitere Fälle seit dem Jahr 2015 sind mittlerweile verjährt, dafür können die Eheleute nicht mehr bestraft werden. Das dabei mutmaßlich erbeutete Geld in Höhe von insgesamt fast 584.000 Euro soll jedoch ebenfalls eingezogen werden. Die Staatsanwaltschaft hat die Einziehung des gesamten Schadens in Höhe von etwa 1,9 Millionen Euro beantragt.

Für den Prozess ist ein weiterer Verhandlungstag geplant, ein Urteil soll am Donnerstag, sieben. Mai, fallen. Die Stadt Kempten hat aufgrund der Ermittlungen ihre Parkraumbewirtschaftung geändert. Schlösser wurden ausgetauscht, zusätzliche Kontrollen eingeführt und ein externer Dienstleister beauftragt.

Im Zusammenhang mit der Parkmünzenaffäre läuft inzwischen ein weiteres Ermittlungsverfahren wegen Geldwäscheverdachts. Die Kriminalpolizei durchsuchte im April zwei Banken in Kempten und in Dietmannsried im Oberallgäu sowie ein Dienstleistungsunternehmen im hessischen Neu-Isenburg. Das Verfahren richtet sich nach Angaben der Ermittler gegen drei Verdächtige im Alter von 46 bis 60 Jahren.

Da es sich um mögliche Wirtschaftskriminalität handelt, führt die darauf spezialisierte Augsburger Staatsanwaltschaft das Verfahren. Details zu den konkreten Vorwürfen wurden nicht genannt. Die Sparkasse Allgäu teilte inzwischen mit, dass sie von dem neuen Verfahren betroffen sei. Die Unterlagen zu den Vorgängen seien der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt worden.

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