Finanzen

Lagarde bremst Stablecoins: Warum die EZB den digitalen Euro schützen will

EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellt sich skeptisch gegen Stablecoins in Euro. Sie sieht Risiken für Finanzstabilität, Banken und geldpolitische Steuerung. Stattdessen setzt sie auf tokenisierte Bankeinlagen und ein digitales Euro-Projekt unter Kontrolle Europas.
11.05.2026 16:08
Lesezeit: 7 min

Lagarde warnt vor Risiken für Finanzstabilität

Lagarde räumte in einer Rede am Freitag ein, dass Stablecoins in Euro Vorteile bringen könnten, etwa durch niedrigere Finanzierungskosten oder eine größere Popularität der gemeinsamen Währung in der Welt. Sie betonte jedoch, dass es auch negative Folgen gebe, berichtet das polnische Portal Puls Biznesu unter Berufung auf Bloomberg.

„Diese überwiegen die kurzfristigen Vorteile“, sagte sie. „Wenn wir die internationale Attraktivität des Euro stärken wollen, sind Stablecoins kein wirksamer Weg, um dieses Ziel zu erreichen“, betonte sie.

Stablecoins sind privat geschaffene Kryptowährungen, die auf traditionellem Geld beruhen und dessen Wert stabil halten sollen. Zu ihren Vorteilen zählt, dass sie die Kosten für Geldtransfers senken können, da bisherige Zahlungswege umgangen werden.

Der Aufstieg von Stablecoins in den USA, besonders nach der Amtsübernahme von Präsident Donald Trump, der bedeutende rechtliche Änderungen zugunsten von Kryptowährungen einführte, hat laut Bloomberg die Frage aufgeworfen, ob Europa eine eigene Version dieser Instrumente benötigt.

EZB sieht Gefahr für Banken und monetäre Souveränität

In einem im März veröffentlichten Arbeitspapier warnte die EZB, dass eine breite Einführung von Stablecoins eine ernste Bedrohung für Banken der Eurozone und die monetäre Souveränität der Institution darstellen würde. Dies gelte besonders dann, wenn Stablecoins mit Fremdwährungen wie dem Dollar verbunden wären.

Lagarde, die die Einführung eines digitalen Euro unterstützt, erklärte, Europas Aufgabe bestehe nicht lediglich darin, „anderswo entwickelte Instrumente zu kopieren“.

Die EZB-Chefin hält die Tokenisierung von Einlagen der Geschäftsbanken für eine bessere Lösung als Stablecoins. Diese seien ihrer Ansicht nach sicherer und könnten ebenfalls auf Blockchain-Basis zirkulieren.

„Die beste Lösung bleibt unverändert“, sagte sie. „Stärker integrierte Kapitalmärkte durch die Spar- und Investitionsunion und mit der Zeit eine sichere Vermögensbasis, die dem Umfang unserer Ambitionen für die internationale Rolle des Euro entspricht“, fügte sie hinzu.

Bundesbank und EU-Kommission zeigen mehr Offenheit

Lagardes Rede signalisiert eine abweichende Position. Im Februar äußerte sich Bundesbankpräsident Joachim Nagel positiv über Stablecoins in Euro.

Auch die Europäische Kommission und die Regierungen einiger Staaten, darunter Frankreich, stehen ihnen positiv gegenüber.

Anfang dieser Woche erklärte Michael Theurer aus dem Vorstand der Bundesbank in einem Interview mit Reuters, sowohl tokenisierte Einlagen als auch Stablecoins seien „entscheidend“. Er räumte jedoch ein, dass mit Stablecoins Risiken verbunden seien.

Für die EZB überwiegen die Risiken

Die Debatte über Stablecoins in Euro ist Teil eines größeren Wettbewerbs um digitale Währungsmacht. Während die USA unter Präsident Donald Trump kryptofreundlichere Regeln schaffen und dollarbasierte Stablecoins international an Bedeutung gewinnen, sucht Europa nach einem eigenen Weg. Für die EZB steht dabei nicht nur technologische Innovation im Vordergrund, sondern die Kontrolle über Geldpolitik, Bankenstabilität und die internationale Rolle des Euro.

Christine Lagarde stellt sich klar gegen eine breite politische Hoffnung auf Stablecoins in Euro. Statt privat emittierter Stablecoins setzt Lagarde auf tokenisierte Einlagen, integrierte Kapitalmärkte und langfristig den digitalen Euro. Die Debatte zeigt, dass Europas digitale Finanzordnung noch offen ist und zwischen Innovationsdruck und Regulierung austariert werden muss.

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