Politik

Vertrauenskrise trotz Einigkeitswunsch: EU-Skepsis in Deutschland erreicht Höchststand

Das Vertrauen in die Schutzfunktion der Europäischen Union ist innerhalb der deutschen Bevölkerung massiv eingebrochen. Während eine breite Mehrheit die Notwendigkeit eines starken Europas betont, zweifeln immer mehr Bürger daran, ob die Institution in Krisenzeiten tatsächlich Stabilität und Sicherheit gewährleisten kann.
13.05.2026 13:07
Lesezeit: 1 min
Vertrauenskrise trotz Einigkeitswunsch: EU-Skepsis in Deutschland erreicht Höchststand
Nur noch 48 Prozent der Deutschen vertrauen der EU als Schutzfunktion. Was steckt hinter dem drastischen Vertrauenseinbruch seit 2024? Die Zahlen im Überblick (Foto: dpa). Foto: Virginia Mayo

Dramatischer Rückgang der Vertrauenswerte

Eine aktuelle Erhebung des Instituts Infratest Dimap im Auftrag der Aachener Karlspreisstiftung zeichnet ein besorgniserregendes Bild der Stimmungslage in Deutschland. Demnach sind aktuell nur noch 48 Prozent der Bundesbürger davon überzeugt, dass die Europäische Union in unsicheren Zeiten wirksamen Schutz und Stabilität bietet. Dieser Wert markiert einen drastischen Absturz im Vergleich zum Jahr 2024, als noch 72 Prozent der Befragten ihr Vertrauen in die stabilisierende Kraft der Union zum Ausdruck brachten.

Besonders deutlich tritt die Skepsis in den ostdeutschen Bundesländern hervor. Dort sieht lediglich eine Minderheit von 38 Prozent der Befragten eine schützende Funktion durch die EU. Die Datenbasis für diese Erkenntnisse lieferte eine Befragung von insgesamt 1.303 Wahlberechtigten, die im Zeitraum vom 4. bis zum 6. Mai sowohl telefonisch als auch online interviewt wurden.

Diskrepanz zwischen geopolitischem Wunsch und gelebtem Alltag

Trotz der schwindenden Zuversicht bleibt der grundsätzliche Wunsch nach einem handlungsfähigen Europa auf einem sehr hohen Niveau. Überwältigende 82 Prozent der Umfrageteilnehmer vertreten die Ansicht, dass Deutschland auf eine starke EU angewiesen ist, um sich gegenüber globalen Großmächten wie den USA, China oder Russland behaupten zu können. Dieser Wert ist über die letzten Jahre hinweg stabil geblieben und verzeichnete nur einen minimalen Rückgang.

Armin Laschet (CDU), Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums, sieht in diesen Zahlen eine gefährliche Entwicklung. Er konstatierte eine deutliche Lücke zwischen dem theoretischen Wunsch nach europäischer Stärke und der praktischen Wahrnehmung im täglichen Leben sowie in akuten Krisenmomenten. Für viele Menschen sei die Schlagkraft der Union im Alltag schlichtweg nicht hinreichend spürbar.

Karlspreisverleihung vor dem Hintergrund kritischer Umfrageergebnisse

Die Veröffentlichung dieser Daten fällt unmittelbar mit der Verleihung des diesjährigen Karlspreises zusammen. Am Donnerstag, dem 14. Mai, wird der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank und einstige italienische Regierungschef Mario Draghi in Aachen ausgezeichnet. Mit dem Preis werden seine besonderen Verdienste um die europäische Einigung gewürdigt – eine Aufgabe, die angesichts der aktuellen Umfrageergebnisse und der wachsenden Skepsis innerhalb der Bevölkerung an neuer Dringlichkeit gewinnt.

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