Finanzen

Commerzbank-Aktie: Großteil des Stellenabbaus entfällt auf KI

Bei der Commerzbank sorgen KI, Stellenabbau und der Übernahmekampf mit der Unicredit für neue Spannungen. Während die Bank ihre Strategie verteidigt, wächst der Druck auf die Commerzbank-Aktie. Doch wie lange kann sich das Institut gegen die italienische Großbank stemmen?
15.05.2026 08:36
Aktualisiert: 15.05.2026 08:36
Lesezeit: 2 min
Commerzbank-Aktie: Großteil des Stellenabbaus entfällt auf KI
Commerzbank-Stellenabbau, KI und Übernahmepläne: Die Commerzbank-Aktie steht im Fokus von Anlegern und Politik. (Foto: dpa) Foto: Helmut Fricke

Commerzbank-Aktie: KI spielt zentrale Rolle beim Stellenabbau

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat genauer erläutert, an welchen Stellen sie im Übernahmekampf mit der Unicredit (ISIN: IT0005239360) rund 3.000 Jobs streichen will. Beim Commerzbank-Stellenabbau entfalle ein "sehr großer Teil" auf Künstliche Intelligenz (KI), sagte die Managerin der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. "KI ist sehr kraftvoll in verschiedenen Bereichen." Die Folgen seien deutlich größer als noch vor gut einem Jahr erwartet worden. Für die Commerzbank-Aktie bleibt der Umbau damit ein zentrales Thema.

Beim Commerzbank-Stellenabbau soll die eigene Belegschaft möglichst geschont werden. "Wir gehen zum Beispiel an die Kapazitäten bei externen Call-Centern ran", sagte Orlopp. "Das Gleiche gilt für das IT-Umfeld, wo wir noch viele Externe einsetzen." Mit dem Stellenabbau sowie ehrgeizigen Gewinn- und Renditezielen bis 2030 stemmt sich die Commerzbank (ISIN: DE000CBK1001) gegen eine Übernahme. Der DAX-Wert will damit seine Aktionäre überzeugen, ihre Beteiligungen nicht an die italienische Großbank zu verkaufen. Die Commerzbank-Aktie steht deshalb weiter stark im Fokus der Anleger.

Betriebsbedingte Kündigungen will die Commerzbank verhindern. "So, wie unsere Demografie in der Bank ist, werden wir diesen Prozess maximal sozialverträglich gestalten", bekräftigte Orlopp.

Übernahme-Kampf um die Commerzbank-Aktie verschärft sich

Die Unicredit, die bereits knapp 30 Prozent an der Commerzbank kontrolliert, hatte Anfang Mai ein Angebot für sämtliche Commerzbank-Anteile vorgelegt. Die Großbank aus Mailand bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue Unicredit-Aktien. So will die Unicredit bis zum 16. Juni weitere Aktien einsammeln, ohne ein Pflichtangebot vorlegen zu müssen, das deutlich teurer wäre. Die Offerte kann bis zum 3. Juli verlängert werden.

Die Unicredit ist in Deutschland bereits mit der Hypovereinsbank (HVB) vertreten und sieht Potenzial für Milliarden-Einsparungen. Bei der Commerzbank wird das Vorgehen der Unicredit als feindlich eingestuft. Unterstützung erhält das Institut dabei vom Bund, der gut zwölf Prozent der Commerzbank-Anteile hält. Für die Commerzbank-Aktie bleibt die politische Unterstützung ein wichtiger Faktor.

"Was wir nicht gebrauchen können, ist eine Destabilisierung unserer Organisation", betonte Orlopp. Die Unicredit war die Commerzbank unter anderem in einer Social-Media-Kampagne scharf angegangen und wurde dafür von der Finanzaufsicht Bafin gerügt. "Wir achten darauf, dass wir die Organisation stabil halten, trotz dieser unangemessenen Angriffe", sagte Orlopp.

EZB-Aussagen sorgen bei der Commerzbank für Kritik

Kritik übte Orlopp zudem an Äußerungen aus der Europäischen Zentralbank (EZB), die als Bankenaufsicht den Einstieg der Unicredit prüft. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hatte zuletzt die Bundesregierung wegen ihres Widerstands gegen eine Commerzbank-Übernahme kritisiert. Das widerspreche dem Geist des europäischen Binnenmarktes und gefährde die Bemühungen, vertiefte Kapitalmärkte in Europa zu schaffen, sagte de Guindos.

Diese Aussagen hätten die Commerzbank "schon überrascht", sagte Orlopp. Es wirke "seltsam, dass es von einzelnen Vertretern eine anscheinend offene Unterstützung für einen Angang gibt, der eine Destabilisierung zum Ziel hat". Die Bundesregierung habe deutlich gemacht, welche Punkte am Vorgehen der Unicredit problematisch seien. "Und als Aktionär hat sie dazu auch jedes Recht", betonte die Commerzbank-Chefin.

"Haben uns nie Gesprächen verweigert"

Eine begründete Stellungnahme zum Angebot der Unicredit, das einen Abschlag auf den jüngsten Aktienkurs der Commerzbank vorsieht, will die Commerzbank Anfang kommender Woche vorlegen. "Das Übernahmeangebot der Unicredit ist de facto eine Schrumpfungs-Strategie für unser Geschäftsmodell", kritisierte Orlopp. Die Commerzbank habe sich Gesprächen nie verweigert. Weitere Gespräche seien allerdings nur sinnvoll, "wenn die Unicredit ein Zeichen gibt, dass sie bereit sind, über die Höhe des Angebots an unsere Aktionäre nachzudenken und über das Geschäftsmodell", sagte Orlopp.

Commerzbank-Aktie bleibt im Spannungsfeld

Die Commerzbank steht vor entscheidenden Monaten. Einerseits will Vorstandschefin Bettina Orlopp mit Stellenabbau, KI-Einsatz und ehrgeizigen Renditezielen die Eigenständigkeit des Instituts sichern. Andererseits wächst durch die Unicredit der Druck auf die Commerzbank-Aktie kontinuierlich. Besonders brisant bleibt die Frage, ob die geplanten Einsparungen und die politische Unterstützung ausreichen, um eine Übernahme dauerhaft abzuwehren.

Für Anleger dürfte der DAX-Wert damit weiterhin von hoher Unsicherheit geprägt bleiben. Gleichzeitig zeigt der Konflikt, wie stark Digitalisierung und Künstliche Intelligenz inzwischen die strategische Ausrichtung großer Banken beeinflussen. Die kommenden Wochen könnten daher richtungsweisend für die Zukunft der Commerzbank werden.

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