Politik

Rechtsruck in Australien: Partei One Nation führt erstmals in Umfrage

Früher gehörte ihr ein Fish-and-Chips-Shop, dann saß sie im Gefängnis. Heute treibt Pauline Hanson die Regierung vor sich her. Ihre Rechtspartei ist im Höhenflug – und inspiriert von Donald Trump.
01.06.2026 10:02
Lesezeit: 2 min
Rechtsruck in Australien: Partei One Nation führt erstmals in Umfrage
"One Nation": Parteichefin Pauline Hanson macht hohe Zuwanderung für Wohnraummangel, Arbeitslosigkeit und Engpässe im Gesundheitssystem verantwortlich. (Foto: dpa) Foto: Dan Peled

Rechtsruck in Australien: Partei One Nation führt erstmals in Umfrage

Der in vielen westlichen Industrienationen zu beobachtende Rechtsruck hat auch Australiens Parteienlandschaft erfasst. Die für radikale Anti-Einwanderungs-Politik, muslimfeindliche Parolen und wirtschaftlichen Protektionismus nach dem Motto "Australians First" bekannte Partei "One Nation" schob sich erstmals an die Spitze einer landesweiten Umfrage, die das Wirtschaftsblatt "Australian Financial Review" in Auftrag gegeben hatte.

Die Partei, zurzeit bloß mit zwei Mandaten im australischen Unterhaus vertreten, legte in der Umfrage um vier Prozentpunkte auf 31 Prozent der Wählerstimmen zu. Die regierenden Sozialdemokraten von Premierminister Anthony Albanese rutschten mit nur noch 28 Prozent (minus vier) auf Rang zwei ab. Die konservative Opposition ist intern zerstritten und weit abgeschlagen.

Parteichefin Pauline Hanson gab sich trotz des landesweiten Aufwinds der vergangenen Wochen überrascht vom Ergebnis – und ließ wissen, dass sie sich zur Ministerpräsidentin befähigt fühle. Die jüngste Parlamentswahl ist allerdings erst ein Jahr her, die nächste erst in zwei Jahren fällig.

Ob die Rechtspopulisten dann tatsächlich so stark abschneiden werden, ist fraglich – und dürfte auch davon abhängen, inwiefern US-Präsident Donald Trump und seine America First-Politik den nächsten Wahlkampf Down Under beeinflussen. Hansons Partei hat nicht nur ein ähnliches Motto, sondern auch sonst viele Gemeinsamkeiten mit der amerikanischen Rechten, die aus ihrer Unterstützung für ideologisch Gleichgesinnte in aller Welt keinen Hehl macht – und Australien gilt traditionell als enger Verbündeter der Vereinigten Staaten.

Zwei-Parteien-System im Umbruch

Das seit jeher von zwei Parteien dominierte politische System Australiens, das in den vergangenen Jahrzehnten stets zu einem verlässlichen Wechsel zwischen sozialdemokratischen und konservativen Regierungschefs führte, ist ins Taumeln geraten. Hauptgründe dafür sind die regelrecht explodierten Miet- und Immobilienpreise, rasant steigende Lebenshaltungskosten und fehlende Antworten der Politik auf die komplexen Probleme unserer Zeit, mit denen sich viele Menschen überfordert und alleingelassen fühlen.

"One Nation" punktet mit einfachen Antworten, macht vor allem Zuwanderer für Wohnraummangel, Arbeitslosigkeit und Engpässe im Gesundheitssystem verantwortlich und musste sich noch nie in Regierungsverantwortung bewähren.

Stimmungsmache gegen Einwanderer als Erfolgsmodell?

Mit ihren 72 Jahren und der markanten Kurzhaarfrisur in leuchtendem Rot ist Parteigründerin Hanson ein Urgestein der australischen Innenpolitik. Die frühere Besitzerin eines Fish-and-Chips-Shops wurde von den Liberalen einst wegen verbaler Dauerentgleisungen aus der konservativen Partei gedrängt, zog als Parteilose aber trotzdem ins Parlament ein und verbrachte 2003 mehrere Monate im Gefängnis wegen Wahlbetrugs – das Urteil wurde später annulliert.

Hanson nimmt selten ein Blatt vor den Mund und scheut auch nicht davor zurück, rassistische Klischees zu bedienen oder Randgruppen zu diskriminieren. Sie ließ sich mehrfach über asiatische Einwanderer aus, stellte Muslime im Zusammenhang mit islamistisch motiviertem Terrorismus praktisch unter Generalverdacht und machte Schlagzeilen mit einem vollverschleierten Burka-Auftritt im Parlament. Seit 2016 sitzt sie im Senat.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Chinas plötzliche Ölwende nach ungewöhnlichem Preisgefälle
09.09.2026

Der Ölpreis steigt nach neuen Spannungen am Persischen Golf. Gleichzeitig erhöht China wieder seine Rohölimporte und exportiert mehr...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzins-Prognose: Lagarde droht der Fehler von 2011
09.09.2026

Die nächste Zinserhöhung der EZB gilt beinahe als ausgemacht. Doch ausgerechnet die Erfahrung von 2011 zeigt, wie riskant ein solcher...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ist Axelera AI Europas Antwort auf Nvidia? Gründer Fabrizio Del Maffeo fürchtet, dass der Kontinent wieder denselben Fehler macht
09.09.2026

Europa mangelt es weder an Forschern, Ingenieuren noch an guten Ideen, meint Fabrizio Del Maffeo. Das Problem entsteht, wenn daraus große...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Carlsberg setzt auf Pepsi: Bier allein reicht nicht mehr
09.09.2026

Bei Carlsberg steht ausgerechnet eine amerikanische Limonade inzwischen vor der eigenen Kernmarke. Pepsi ist zum zweitgrößten Brand des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zollstreit zwischen USA und Kanada eröffnet deutschen Firmen neue Chancen
09.09.2026

Der Zollstreit zwischen den USA und Kanada spitzt sich zu und zwingt Ottawa zur wirtschaftlichen Neuorientierung. Deutsche Unternehmen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gefährliche Mängel: Rund 20 Prozent der Nutzfahrzeuge fallen beim TÜV durch
09.09.2026

Fast 3,9 Millionen Nutzfahrzeuge sind in Deutschland angemeldet. Das Durchschnittsalter ist in den vergangenen Jahren gestiegen – mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Salus-Aktie: Dieser Börsenstar muss sein Wachstum erst beweisen
09.09.2026

Mehr als 2.000 Prozent Rendite in zehn Jahren, stark steigende Gewinne und eine beeindruckende Übernahmebilanz: Die Salus-Aktie gehört zu...

DWN
Politik
Politik Brüssel hat ein neues Rezept, um öffentliche Aufträge noch komplizierter und teurer zu machen
09.09.2026

Je stärker die EU öffentliche Aufträge reformiert, desto weiter entfernen wir uns durch die Einhaltung der Regeln davon, das beste...