Wirtschaft

IEA-Bericht: Das Zeitalter der Elektrizität beginnt mit Rekordinvestitionen

Die zweite Energiekrise in fünf Jahren verändert den globalen Energiemarkt. Strom, Netze, Batterien und Solarenergie rücken ins Zentrum neuer Investitionen.
06.06.2026 17:43
Lesezeit: 4 min

Energieinvestitionen 2026 markieren den Beginn des Stromzeitalters

Die zweite Energiekrise in den vergangenen fünf Jahren verändert den Umgang mit Energiesicherheit. Es geht um mehr Elektrifizierung und um eine schrittweise Abkehr vom Öl.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse des Berichts World Energy Investment, den die Internationale Energieagentur IEA kürzlich veröffentlicht hat.

  • Der Umfang der weltweiten Investitionen in Energieprojekte wird in diesem Jahr rund 3,4 Billionen Dollar erreichen. Das entspricht etwa fünf Prozent mehr als 2025.
  • Davon entfallen rund 2,2 Billionen Dollar auf saubere Energie. Dazu gehören erneuerbare Energien, Stromnetze, Batterien, Kernenergie und Elektrifizierung.
  • Weitere 1,1 Billionen Dollar fließen in Öl, Erdgas und Kohle. Die Investitionen in fossile Energieträger liegen damit nur noch halb so hoch wie die Investitionen in saubere Energie.
  • Wichtige Projekte betreffen Investitionen in widerstandsfähigere Netze, Batteriespeicher, die Diversifizierung von Lieferketten, heimische Energieproduktion und Infrastruktur für Flüssigerdgas.

Die Welt tritt in ein sogenanntes Zeitalter der Elektrizität ein:

  • Der Stromverbrauch wächst schneller als der Verbrauch anderer Energieträger
  • Datenzentren und künstliche Intelligenz breiten sich aus
  • Elektrofahrzeuge werden stärker genutzt
  • Industrie und Gebäude werden elektrifiziert
  • Investitionen in Solaranlagen bleiben der größte Bereich neuer Energieinvestitionen und Batteriesysteme sind die am schnellsten wachsende Technologie.

Mehr Gas, weniger Öl

Die Investitionen in Erdgas steigen. Weltweit werden sie mehr als 330 Milliarden Dollar erreichen, so das slowenische Finanzportal Casnik Finance. Das ist der höchste Stand seit zehn Jahren. Der Markt für Flüssigerdgas wächst rasch, die USA festigen ihre Stellung als größter Exporteur von Flüssigerdgas.

Gleichzeitig sinken die Investitionen in Öl bereits das dritte Jahr in Folge. Gründe sind das langsamere Nachfragewachstum, die Ausbreitung von Elektrofahrzeugen und der Druck von Investoren zur Senkung von Emissionen.

Obwohl sich die Welt vom Öl entfernt, passen einige Ölgesellschaften ihre Pläne für die kommenden Jahre an die Annahme an, dass sich die Ölpreise auf höheren Niveaus stabilisieren werden als vor der Krise. Höhere Preise werden kurzfristige Investitionen beschleunigen, besonders bei US-Schieferöl.

Auch das Interesse an Offshore-Bohrprojekten vor Afrika, Asien und Lateinamerika sowie an Binnenprojekten in Venezuela kehrt zurück.

Solarenergie erhält eine Milliarde Dollar pro Tag

Auch die Investitionen in Kernenergie, Geothermie, Energiespeicher und emissionsarme Industrietechnologien nehmen zu.

Durch den veränderten Umgang mit Risiken und Versorgungssicherheit erwacht das Interesse an heimischen Energiequellen neu, besonders an erneuerbaren Energien, Kernenergie und möglicherweise auch an Kohle.

Der Import von Solarpaneelen in Asien und Afrika ist in den vergangenen Monaten rasch gestiegen. Die Philippinen riefen im März den Notstand aus und verdreifachten im ersten Quartal dieses Jahres zugleich ihre Importe von Solarpaneelen gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit wurden sie unter den Entwicklungsländern zum größten Importeur chinesischer Solarpaneele. Auch afrikanische Staaten beschleunigten ihre Importe.

In Solarprojekte fließen in diesem Jahr 365 Milliarden Dollar. Das entspricht einer Milliarde Dollar pro Tag. In Windprojekte werden 200 Milliarden Dollar investiert, in Wasserkraftwerke 75 Milliarden Dollar.

Weltweit werden derzeit rund 78 Gigawatt neue Kernkraftkapazitäten in 16 Ländern gebaut. In diesem Jahr fließen etwas mehr als 80 Milliarden Dollar in Kernenergieprojekte. Etwa ein Drittel dieser Investitionen entfällt auf China, gefolgt von Russland.

Rund 40 Staaten haben sich einer Initiative zum Bau kleiner modularer Reaktoren angeschlossen.

Auch die Investitionen in Kohlekraftwerke steigen. In diesem Jahr werden sie 180 Milliarden Dollar erreichen, den höchsten Wert seit 2012. China trägt dazu 70 Prozent bei, danach folgt Indien.

Die Investitionen in emissionsarme Brennstoffe wie Biokraftstoffe und Wasserstoff steigen auf 30 Milliarden Dollar.

Elektrifizierung verändert die Weltwirtschaft

Das globale Energiesystem bewegt sich schrittweise weg vom Öl, hin zu Elektrifizierung, erneuerbaren Energien und größerer Energieunabhängigkeit sowie widerstandsfähigeren Systemen. Rund 60 Prozent aller Energieinvestitionen hängen mit Elektrizität zusammen.

Der Stromverbrauch im Bereich Mobilität nimmt zu. Der Absatz von Elektroautos in Südostasien hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Der Absatz von Wärmepumpen in Europa stieg im ersten Quartal dieses Jahres trotz niedrigerer Subventionen um 17 Prozent.

Die Investitionen in Stromnetze werden in diesem Jahr 550 Milliarden Dollar erreichen. Das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Investitionen in Batterien steigen auf mehr als 100 Milliarden Dollar.

Die Bestellungen für Gaskraftwerke stiegen 2025 auf 130 Gigawatt. Das ist der höchste Wert seit 25 Jahren.

Rund 350 Milliarden Dollar werden jedes Jahr in höhere Energieeffizienz investiert. Doch es bleiben noch Herausforderungen: Etwa die Hälfte der Länder weltweit hat noch keine Energiestandards für neue Gebäude, trotz schneller Urbanisierung in Entwicklungsländern. In zwei Dritteln der Staaten gibt es keine verpflichtenden Energiestandards für Industriemotoren.

Und was konkret heißt das jetzt für uns? Speicher, Wärmepumpen, Rechenzentren und industrielle Elektrifizierung werden zur Grundlage künftiger Wettbewerbsfähigkeit. Wer Energieinvestitionen zu langsam genehmigt oder Netze nicht rechtzeitig ausbaut, riskiert schwächere Versorgungssicherheit und neue Abhängigkeiten in der Industrie.

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Nataša Koražija

Zum Autor:

Nataša Koražija ist leitende Journalistin und Redakteurin bei der slowenischen Wirtschaftszeitung Casnik Finance und hat sich auf die Bereiche Energie, Umwelt, Infrastruktur und Logistik spezialisiert. 

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