Panorama

El Niño kommt: Was das für die Welt bedeutet

El Niño könnte 2027 zum heißesten Jahr aller Zeiten machen. Was das für die Preise im Supermarkt und unser Wetter in Europa bedeuten kann – und worüber Experten noch rätseln.
03.06.2026 07:31
Lesezeit: 3 min
El Niño kommt: Was das für die Welt bedeutet
El Niño kehrt zurück und könnte 2027 neue Hitzerekorde bringen. Experten warnen vor Folgen für Klima, Ernten und Preise weltweit. (Foto: dpa) Foto: Rafael Loor

Hitze und Dürre: Die Wiederkunft von El Niño zu Weihnachten

Die Welt muss sich verstärkt auf Extremwetter einstellen. Das Klimaphänomen El Niño steht nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) vor der Tür. Frühere Episoden zeigen, was das je nach Weltregion bedeuten kann: verheerende Dürren und Überschwemmungen sowie eine globale Durchschnittstemperatur, die den Rekord von 2024 brechen könnte.

Während extreme Wetterlagen nach Beginn eines El Niño um den Jahreswechsel ihren Höhepunkt erreichen, zeigt sich der Einfluss auf die globale Durchschnittstemperatur, die jeweils Messungen eines ganzen Jahres umfasst, vor allem im Folgejahr, in diesem Fall also 2027.

Was kommt auf uns zu?

Dass El Niño kommt und das Wetter mindestens bis Ende des Jahres beeinflusst, gilt als sehr wahrscheinlich. Wie stark die Auswirkungen ausfallen werden, lässt sich jedoch schwer vorhersagen. In Medien und Teilen der Forschungsgemeinschaft wird über einen Super-El-Niño spekuliert, also ein besonders starkes Ereignis. Das letzte Ereignis 2023/24 gehörte zu den fünf stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen 1950. Wie stehen die Chancen? 50 zu 50, sagt Klimaforscher Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. "Es kann sein, kann aber auch nicht sein."

Was ist El Niño eigentlich?

El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen im tropischen Pazifik. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im östlichen und zentralen Pazifik ungewöhnlich stark. Der Name stammt aus dem Spanischen und bedeutet "das Christkind" oder "der Junge Jesus". Fischer vor der Küste Perus gaben dem Phänomen diesen Namen, weil die Erwärmung häufig um die Weihnachtszeit einsetzt.

Welche Auswirkungen gibt es für Mitteleuropa?

Eher wenige, sagt Daniela Domeisen von der ETH Zürich. "Das erklärt sich vor allem daraus, dass Europa nun mal sehr weit weg liegt vom tropischen Pazifik, und bis das Signal zu uns gelangt, wird es von vielen anderen atmosphärischen und ozeanischen Einflüssen gestört." Wenn überhaupt, sei eher mit kälterem und nasserem Wetter als üblich zu rechnen.

Armin Bunde, Emeritus von der Universität Gießen, der selbst El Niños berechnet hat, verweist auf indirekte Auswirkungen: "So können schlechte Ernten im Pazifikraum zu höheren Preisen für Zucker, Kaffee und Kakao führen", sagt er.

Wovon hängt die Entwicklung eines Super-El-Niños ab?

Entscheidend für die Entwicklung und die Stärke seien Windschwankungen, die sich nur schwer vorhersagen lassen, erklärt Latif. Grundsätzlich ziehen bei dem Klimaphänomen in Äquatornähe im Pazifik warmes Wasser und Wolken an die sonst trockene Küste Südamerikas. Dies kann – oft in Südamerika und in der Folge auch in einigen Staaten Ostafrikas – verheerende Überschwemmungen auslösen. In Südostasien, Ostaustralien und bis nach Südostafrika häufen sich dagegen Dürren und Waldbrände. Zwischen den El-Niño-Episoden tritt ein Wetterphänomen mit genau umgekehrten Vorzeichen auf. Es wird La Niña genannt.

Macht der Klimawandel El Niños stärker?

Dazu gibt es bislang keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, betont die WMO. El Niños dauern meist neun bis zwölf Monate, erreichen ihren Höhepunkt zwischen November und Februar und treten alle zwei bis sieben Jahre auf. Seit dem letzten Ereignis 2023/24 sind erst zwei Jahre vergangen. Der Abstand zum El Niño davor betrug sieben Jahre (2015/16).

Das Phänomen kann die Folgen des Klimawandels jedoch verstärken. Während eines El Niño sind der tropische Pazifische Ozean und die Atmosphäre wärmer. Dadurch stehen mehr Energie und Feuchtigkeit für extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen und Starkregen zur Verfügung, so die WMO.

Wird das bislang heißeste Jahr 2024 übertroffen?

Die Wahrscheinlichkeit, dass eines der Jahre 2026 bis 2030 eine höhere globale Durchschnittstemperatur aufweist als 2024, liegt laut einem aktuellen WMO-Bericht bei 86 Prozent. Wegen des El Niño könnte dies bereits 2027 der Fall sein. 2024 lag der Wert rund 1,55 Grad über dem vorindustriellen Niveau (1850–1900).

Im 2015 in Paris verabschiedeten Weltklimavertrag haben Länder zugesagt, den menschengemachten Temperaturanstieg durch eine Verringerung des Treibhausgasausstoßes begrenzen zu wollen. Damit sollen die schlimmsten Folgen des Klimawandels abgewendet werden. Die globale Durchschnittstemperatur soll möglichst nicht mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen. Das Klimaziel gilt nach bisher verbreiteter Definition als verfehlt, wenn die Durchschnittstemperatur im Mittel von 20 Jahren darüber liegt.

Wie können Länder sich auf El-Niño-Auswirkungen vorbereiten?

Die WMO empfiehlt Regierungen und humanitären Organisationen, sich auf Folgen für klimasensible Sektoren wie Landwirtschaft, Gesundheitswesen sowie Energie- und Wasserwirtschaft vorzubereiten. Sie sollten Pläne für die Nahrungsmittelsicherheit und die Belastung des Gesundheitswesens ausarbeiten.

"Frühzeitige saisonale Vorhersagen und Frühwarnungen sind entscheidend, um Leben zu retten und die Auswirkungen auf unsere Wirtschaft und unsere Gemeinden abzufedern", so WMO-Chefin Celeste Saulo.

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