Technologie

Spotify gegen Apple: Machtkampf um die Zukunft der App-Ökosysteme

Der Konflikt zwischen Spotify und Apple spitzt sich zu. Im Zentrum steht nicht nur Musik-Streaming, sondern die grundlegende Frage der App-Store-Regulierung und damit die Kontrolle über die digitale Wirtschaft der Zukunft.
10.06.2026 11:03
Lesezeit: 6 min

Streit um App-Store-Regulierung: EU greift gegen Apple durch

Der Konflikt zwischen Spotify und Apple ist seit Jahren bekannt, hat aber durch eine Entscheidung der EU-Kommission im März 2024 neue Brisanz erhalten. Brüssel verhängte eine Strafe von 1,84 Milliarden Euro gegen Apple wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung gegenüber Musik-Streaming-Anbietern.

Die Kommission kam zu dem Schluss, dass Apple Entwickler daran hinderte, Nutzer über alternative Zahlungswege außerhalb des App Stores zu informieren, so das Wirtschaftsprotal Puls Biznesu. Dadurch könnten höhere Abo-Preise entstanden sein und der Wettbewerb sei eingeschränkt worden.

Im Zentrum der politischen Debatte steht die Organisation Coalition for App Fairness, die unter anderem von Spotify unterstützt wird. Auch Unternehmen wie Epic Games gehören zu den Mitgliedern. Ziel der Initiative ist es, die Marktmacht großer Plattformbetreiber zu begrenzen.

Apple unter Druck: Digital Markets Act als Wendepunkt

Gene Burrus, Geschäftsführer der Coalition for App Fairness, kritisiert, dass Apple zentrale Vorgaben des Digital Markets Act (DMA) nur oberflächlich umsetze. Der DMA könnte laut ihm eine Innovationswelle auslösen, vergleichbar mit dem Internetboom um die Jahrtausendwende.

Die bisherigen Anpassungen von Apple seien kosmetischer Natur geblieben. Die Gebührenstruktur verhindere weiterhin echten Wettbewerb.

„Apple hat sich geweigert, die Regeln substanziell umzusetzen. Es gab Anpassungen, aber die Struktur der Gebühren blockiert weiterhin neue Konkurrenz“, so Burrus.

Auch die Haltung des Konzerns gegenüber Brüssel sorgt für Spannungen. Apple habe signalisiert, die EU nicht als endgültige Instanz bei der Auslegung des DMA zu akzeptieren und wolle grundlegende Änderungen erst nach höchstrichterlichen Entscheidungen vornehmen.

Plattformmacht im Fokus: Ungleichbehandlung und Konkurrenzvorwürfe

Kritiker werfen Apple vor, unterschiedliche Regeln für verschiedene Anbieter anzuwenden. Während digitale Güter im App Store belastet werden, seien Unternehmen wie Amazon, Uber oder American Airlines davon weitgehend ausgenommen, obwohl sie Milliardenumsätze über iPhone-Apps generieren.

Burrus argumentiert, dass Apple vor allem dort Gebühren erhebe, wo das Unternehmen selbst in Konkurrenz steht. Besonders deutlich werde dies im Verhältnis zwischen Spotify und Apple Music.

Auch die Rivalität reicht weit über Streaming hinaus. Apple betreibe mit Apple Podcasts und Apple Music eigene konkurrierende Dienste.

Ein oft genanntes Beispiel ist das Unternehmen Tile. Es entwickelte Tracking-Geräte, bevor Apple mit AirTags in denselben Markt einstieg. Kritiker werfen Apple vor, zunächst Kooperation gefördert und später den Zugang zu Systemfunktionen eingeschränkt zu haben.

Historischer Vergleich: Apple auf dem Weg zum neuen Microsoft?

Burrus zieht Parallelen zu Microsoft in den späten 1990er-Jahren. Damals hatten Kartellverfahren die Marktmacht des Windows-Systems eingeschränkt und so neuen Wettbewerbern Raum geschaffen – darunter auch Google.

Ohne diese Entwicklung hätte sich laut Burrus auch Apple damals nicht so stark entwickeln können, da das Unternehmen auf Windows als Vertriebskanal angewiesen war.

Heute sieht er eine ähnliche Situation: Die digitale Wirtschaft sei jedoch deutlich größer und wirtschaftlich relevanter als vor 25 Jahren. Gleichzeitig steige die Abhängigkeit von mobilen Plattformen massiv.

Spotify, App-Store-Regeln und Nutzererlebnis

Der Streit hat auch konkrete Auswirkungen auf Nutzer. Spotify hatte bereits 2015 versucht, Kunden auf direkte Zahlungswege umzuleiten, um App-Store-Gebühren zu umgehen. Apple blockierte daraufhin Updates der App und verschärfte die Auseinandersetzung.

Besonders problematisch sei laut Kritikern die Nutzerführung im App Store. Wer etwa einzelne Inhalte wie Hörbücher kaufen wolle, müsse häufig externe Websites nutzen und den Kaufprozess mehrfach durchlaufen.

Das verschlechtere das Nutzererlebnis und schwäche kleinere Anbieter im Wettbewerb.

Deutschland und die Frage der Plattformkontrolle

Auch für Deutschland hat die Entwicklung direkte Bedeutung. Viele mittelständische App-Entwickler und digitale Dienstleister sind auf den Zugang zu App Stores angewiesen. Strenge oder intransparente Gebührenmodelle können ihre Wettbewerbsfähigkeit unmittelbar beeinflussen.

Mit der Umsetzung des Digital Markets Act in der EU entsteht zudem ein neuer regulatorischer Rahmen, der auch für deutsche Unternehmen Chancen eröffnen könnte. Sollte der Wettbewerb tatsächlich stärker geöffnet werden, könnten neue Geschäftsmodelle entstehen – insbesondere im Bereich digitaler Inhalte, Plattformdienste und Abonnementmodelle.

Die entscheidende Frage bleibt, ob die Regulierung in der Praxis konsequent durchgesetzt wird oder ob große Plattformbetreiber weiterhin Gestaltungsspielräume nutzen können.

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Oskar Nawalny verfasste unter anderem Beiträge für Business Insider, Money.pl, Onet und Komputer Świat. Seine journalistischen Schwerpunkte liegen auf modernen Technologien und der Psychologie des Investierens. Abseits der Redaktion interessiert er sich für Avantgarde-Kino, Literatur und Strategiespiele. Zudem läuft er regelmäßig und intensiv, was seine Laufschuhe sichtbar an ihre Grenzen bringt.

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