Wirtschaft

Infrastruktur-Finanzierung: Bauindustrie fordert neue Debatte über Pkw-Maut

Die deutsche Bauindustrie schlägt zur dauerhaften Sanierung des Verkehrsnetzes die Einführung einer Pkw-Maut vor. Durch den Wechsel von der Steuerfinanzierung zu einer reinen Nutzerfinanzierung sollen zusätzliche Milliarden für Straßen und Brücken generiert werden. Als Ausgleich fordert der Verband Entlastungen an anderer Stelle.
22.06.2026 16:41
Lesezeit: 1 min
Infrastruktur-Finanzierung: Bauindustrie fordert neue Debatte über Pkw-Maut
Milliarden für die Infrastruktur: Die Bauindustrie fordert eine Maut für PKW. Warum das Modell von 2019 scheiterte und wie Fahrer profitieren sollen (Foto: dpa). Foto: Hendrik Schmidt

Abkehr vom Bundeshaushalt: Nutzer sollen Straßennetz finanzieren

Der Bauleitverband plädiert in einem aktuellen Positionspapier dafür, die Finanzierung der Verkehrswege vom staatlichen Haushalt abzukoppeln und stattdessen auf ein reines Nutzungsmodell umzustellen, um so frisches Kapital zu generieren. Nach Ansicht der Branchenvertreter darf dabei auch die Debatte um eine streckenbezogene Gebühr für Autofahrer kein Tabu darstellen. Im Gegenzug für die Mautgebühren verlangt das Papier jedoch steuerliche Entlastungen für die Halter von Kraftfahrzeugen. Eine spürbare Qualitätsverbesserung von Fahrbahnen und Rastanlagen durch die Maut-Einnahmen könnte laut dem Verband zudem zu einer höheren Akzeptanz in der Bevölkerung beitragen.

Ein früherer Anlauf zur Umsetzung einer Infrastrukturabgabe in Deutschland scheiterte im Jahr 2019 vor dem Europäischen Gerichtshof, der das Vorhaben als rechtswidrig einstufte. Der entscheidende juristische Fehler lag damals darin begründet, dass ausschließlich inländische Autobesitzer den Mautbetrag komplett über eine Absenkung der Kfz-Steuer zurückerhalten sollten, was als Diskriminierung ausländischer Fahrer gewertet wurde.

Sondervermögen keine Dauerlösung

Die Politik hatte im vergangenen Jahr ein schuldenfinanziertes Milliarden-Sondervermögen beschlossen, das auf eine Dauer von 12 Jahren angelegt ist. Ein wesentlicher Teil der Mittel fließt in die Sanierung von Brücken und Bahnstrecken.

Das Sondervermögen könne einen wichtigen Modernisierungsschub leisten, sagte Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie. "Es ist aber keine Dauerlösung. Wir brauchen jetzt die politische Entscheidung für eine dauerhaft abgesicherte, überjährige Finanzierung aller Verkehrsträger des Bundes - damit nach dem Auslaufen des Sondervermögens kein neuer Investitionsabfall droht."

Konkret schlägt der Verband "verkehrsträgerbezogene Finanzierungskreisläufe" vor: Einnahmen aus einem Verkehrsträger sollen grundsätzlich in dessen Infrastruktur reinvestiert und durch Haushaltsmittel ergänzt werden. Straße, Schiene und Wasserstraße seien bislang strukturell unterfinanziert. Notwendig seien verlässliche Finanzierungsinstrumente für jeden Verkehrsträger.

Für die Straße ist bereits geplant, die Finanzierung der bundeseigenen Autobahn GmbH zu stärken. Nach Plänen der Koalition soll die Autobahn GmbH künftig Kredite aufnehmen und dadurch ihre finanziellen Spielräume erweitern können. Zudem soll künftig ein wesentlicher Teil der Milliarden-Einnahmen der Lkw-Maut an die Autobahn GmbH gehen. Für die Schiene ist im Koalitionsvertrag von einem Infrastrukturfonds die Rede.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die Krise der deutschen Automobilindustrie: Wo geht die Reise hin?
11.10.2026

Die deutsche Automobilindustrie, das historische Rückgrat des nationalen Wohlstands, steckt in ihrer schwersten Krise seit Jahrzehnten....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Umgang mit Cookies: BGH verhandelt zu Cookie-Speicherung – darum geht's
10.10.2026

Der Bundesgerichtshof prüft, ob Unternehmen für das Speichern von Cookies auf fremden Internetseiten ohne Einwilligung haften müssen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Uber-Robotaxis in Deutschland: Erst Stellen streichen, dann Jobs versprechen
10.10.2026

Uber streicht Tausende Stellen und verspricht gleichzeitig neue Arbeitsplätze in Deutschland. Was widersprüchlich klingt, folgt einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Revolut-Bank greift an: Dieser Fintech-Riese will Europas Banken überholen
10.10.2026

Die Revolut-Bank wächst in einem Tempo, von dem klassische Geldhäuser nur träumen können: fast 70 Millionen Kunden, Milliardenbewertung...

DWN
Technologie
Technologie KI-Prompts für Marketing und Vertrieb: 7 KI-Vorlagen für KMU und Selbstständige
10.10.2026

Fast jedes zweite kleine Unternehmen sieht noch keinen echten Nutzen in KI – dabei liegt der Unterschied oft nur im richtigen Prompt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dacia Sandero Stepway: Europas Bestseller hat ein Sicherheitsproblem
10.10.2026

Europas meistverkauftes Auto kommt nicht von Volkswagen, Toyota oder Peugeot, sondern von Dacia. Der Sandero Stepway punktet mit enormer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kingspan Group-Aktie unter Druck: EU greift nach geplatztem Deal durch
10.10.2026

Ein geplatzter Milliardendeal? Nein, ein gescheiterter Firmenkauf mit teuren Folgen. Weil der irische Baustoffkonzern Kingspan die...

DWN
Politik
Politik Marine Le Pen plant finanzpolitischen Kurs mit großen Einsparungen: Auf den Straßen wächst die Wut
10.10.2026

Frankreich steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Während Zehntausende junge Menschen gegen marode Schulen und fehlende Investitionen...