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Evonik-Aktie: Chemiekonzern streicht weitere 3.200 Jobs und schließt Werk

Evonik verschärft seinen Sparkurs und streicht bis Ende 2029 weitere 3.200 Stellen. Gleichzeitig zieht das Unternehmen die Reißleine bei einem seit Jahren defizitären Geschäft und schließt einen deutschen Standort.
18.06.2026 11:35
Lesezeit: 2 min
Evonik-Aktie: Chemiekonzern streicht weitere 3.200 Jobs und schließt Werk
Der Chemiekonzern verschärft seinen Sparkurs, baut Tausende Jobs ab und stellt ein defizitäres Geschäft ein. (Foto: dpa) Foto: Benjamin Westhoff

Evonik-Aktie: verschärfter Konzernumbau

Der Spezialchemiekonzern Evonik <DE000EVNK013> treibt den Konzernumbau mit einem weiteren Stellenabbau noch stärker voran. "Die weltpolitische Lage ist unsicher und das wirtschaftliche Wachstum ist anhaltend schwach", sagte Vorstandschef Christian Kullmann am Donnerstag laut Mitteilung. Zugleich werde der internationale Wettbewerb immer härter.

Die Aktie weitete ihre Kursverluste aus. Zuletzt verlor das Papier rund drei Prozent. Seit Jahresanfang steht zwar noch ein Kursplus von knapp 15 Prozent zu Buche, innerhalb eines Jahres hat der Anteilsschein jedoch fast 17 Prozent an Wert eingebüßt.

Stellenabbau: 3.200 Arbeitsplätze bis Ende 2029 betroffen

Vorstand und Sozialpartner hätten sich auf Maßnahmen verständigt, die sämtliche Geschäfts- und Verwaltungseinheiten weltweit einbeziehen würden, teilte der MDax <DE0008467416>-Konzern in Essen mit. Dazu gehört auch ein weiterer Stellenabbau. Von 2027 bis Ende 2029 sollen insgesamt 3.200 Stellen wegfallen, davon 2.150 in Deutschland.

Evonik sieht dafür erhebliches Potenzial durch höhere Effizienz, Digitalisierung und Outsourcing. Zudem sollen Optionen für eine Verlagerung von Verwaltungsteilen ins Ausland geprüft werden. Bis Ende 2026 sollen bereits im Rahmen laufender Spar- und Effizienzprogramme rund 2.800 Stellen entfallen.

"Der Stellenabbau wird auch künftig sozialverträglich gestaltet", sagte Personalvorstand Thomas Wessel. Die Details dazu sollen in den kommenden Wochen ausgearbeitet werden. Ende März 2026 beschäftigte Evonik mit 30.643 Mitarbeitern mehr als 900 weniger als ein Jahr zuvor.

Polyester-Geschäft: Werk in Witten schließt

Zudem kündigte der Chemiekonzern an, das Polyester-Geschäft mit einem Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro einzustellen. Das Geschäftsfeld sei seit Jahren nicht mehr profitabel, hieß es. Der Standort Witten mit 266 Beschäftigten werde 2027 geschlossen. Am Standort Marl sollen 45 Stellen wegfallen, in der Produktionsanlage im chinesischen Shanghai 35 Stellen.

Strategiewechsel: Fokus auf Spezialchemie

Evonik-Chef Kullmann baut den Konzern bereits seit Jahren um, um ihn robuster aufzustellen und in zukunftsträchtigere Geschäftsfelder zu expandieren. Von Massengeschäften verabschieden sich die Essener, weitere Verkäufe stehen noch an. So strebt Evonik die Trennung vom Geschäft mit Standardchemikalien der Sparte Performance Materials an, zu der neben dem bereits verkauften Superabsorber-Bereich auch der C4-Verbund rund um petrochemische Zusätze für Kautschuk, Kunststoffe und Spezialchemikalien zählt.

Konzernstruktur: Flachere Hierarchien und neue Sparten

Um die Komplexität zu verringern und die Hierarchien flacher zu gestalten, bündelte Evonik die Chemiegeschäfte in den zwei Sparten Custom Solutions und Advanced Technologies. Der Umbau wirkte sich auch auf den Vorstand und das Management aus. Die beiden tragenden Säulen von Evonik übernahmen im Vorstand vor gut einem Jahr die Amerikanerin Lauren Kjeldsen und die Französin Claudine Mollenkopf.

Das Segment Custom Solutions produziert unter anderem Produkte für die Kosmetik- und Pharmaindustrie. Der Bereich soll zudem in Nischenmärkten aktiv sein und dort Lösungen für Kunden entwickeln. Im Segment Advanced Technologies entstehen unter anderem Hochleistungskunststoffe und Wasserstoffperoxid sowie Ergänzungsmittel für die Tier-Nahrung.

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