Wirtschaft

Fed-Zinsentscheid: Trumps Zinshoffnung zerbricht

Die Fed sollte eigentlich den Weg für sinkende Zinsen öffnen. Stattdessen verschärft sie den Ton, hebt ihre Inflationsprognose an und lässt sogar höhere Leitzinsen möglich erscheinen. Für Trump ist das ein Problem, für Warsh ein Macht-Test und für Anleger in Deutschland ein Warnsignal.
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avtor
19.06.2026 11:00
Lesezeit: 6 min
Fed-Zinsentscheid: Trumps Zinshoffnung zerbricht
Kevin Warsh muss die Fed zwischen Inflationsdruck, Markterwartungen und Trumps Zinssenkungsforderungen positionieren. (Foto: dpa/FR172078 AP | Rod Lamkey) Foto: Rod Lamkey

Fed-Zinsentscheid: US-Notenbank hält Leitzins unverändert

Die US-Notenbank Fed hat den zentralen Dollar-Leitzins auf ihrer Juni-Sitzung nicht verändert. Das entsprach den Erwartungen der Finanzmärkte. Auffällig ist jedoch, was im offiziellen Kommuniqué nicht mehr steht. Hinweise auf mögliche Zinssenkungen sind verschwunden. Stattdessen rechnet inzwischen die Hälfte der zuständigen Entscheidungsträger damit, dass die Fed die Leitzinsen in diesem Jahr erhöhen könnte. Das berichten unsere Kollegen von Finance.si.

Der wichtigste Dollar-Leitzins bleibt damit in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Fed begründet ihre Zurückhaltung damit, dass die allgemeine Inflation weiterhin erhöht ist und über dem Inflationsziel von zwei Prozent liegt. Zugleich wächst die Aktivität in der amerikanischen Wirtschaft nach Einschätzung der Notenbank weiter solide, obwohl die Unsicherheit zugenommen hat. Dazu trägt teilweise auch der Konflikt im Nahen Osten bei.

Der Fed-Zinsentscheid fällt damit in eine heikle Phase. Die amerikanische Konjunktur zeigt sich widerstandsfähiger als viele Beobachter erwartet hatten. Gleichzeitig entfernt sich die Inflation wieder deutlicher vom Ziel der Notenbank. Genau diese Mischung erschwert Zinssenkungen und erhöht den Druck auf die Fed, ihre geldpolitische Linie härter zu formulieren.

Besonders deutlich zeigt sich das in den neuen Prognosen. Die Fed hat ihre Inflationserwartung für 2026 kräftig verschlechtert. Sie rechnet nun mit einer Teuerung von 3,6 Prozent. Im März hatte die Prognose noch bei 2,7 Prozent gelegen. Grundlage dieser Projektionen sind die Erwartungen der Mitglieder des Offenmarktausschusses FOMC, der innerhalb der Fed über die Geldpolitik entscheidet.

Auch kommunikativ rückt die Fed von ihrer früheren Linie ab. Aus der Pressemitteilung, die als wichtiges geldpolitisches Signal an Märkte und Öffentlichkeit dient, wurde jener Abschnitt gestrichen, der zuvor noch auf die Möglichkeit niedrigerer Leitzinsen in diesem Jahr hingedeutet hatte. Damit verabschiedet sich die Notenbank zumindest vorerst von der Erwartung, dass eine baldige Lockerung der Geldpolitik wahrscheinlich ist.

Aus der aktuellen Veröffentlichung geht zudem hervor, dass die Hälfte der 18 Mitglieder des zuständigen Fed-Gremiums eine Möglichkeit für höhere Dollar-Leitzinsen in diesem Jahr sieht. Warsh sagte, er selbst habe keine eigenen Zinserwartungen abgegeben. Unter dem Strich deutet die veröffentlichte Median-Projektion auf eine Zinserhöhung hin. Die Märkte rechnen derzeit damit, dass ein solcher Schritt im Oktober erfolgen könnte.

Zugleich verschwindet aus dem Kommuniqué der sogenannte Text zur künftigen Ausrichtung der Geldpolitik. Diese Form der Forward Guidance hatte der neue Fed-Chef wiederholt kritisiert. Warsh erklärte, die Mitteilung sei etwas kürzer und einfacher formuliert worden. "Sie enthält auch keine Hinweise auf die künftige Ausrichtung der Geldpolitik mehr. Wir waren uns einig, dass dies für die aktuellen geldpolitischen Bedingungen nicht angemessen ist."

Fed-Zinsentscheid: Warsh will die Arbeitsweise der Notenbank umbauen

Die Sitzung des Offenmarktausschusses FOMC wurde erstmals vom neuen Präsidenten der US-Notenbank, Kevin Warsh, geleitet. Auf der Pressekonferenz nach der Sitzung kündigte Warsh die Einrichtung mehrerer Arbeitsgruppen an. Über diese Gremien will er die Aktivitäten der Fed überprüfen und mögliche Änderungen an ihrer Arbeitsweise vorbereiten.

Eine Arbeitsgruppe soll sich mit dem Regelwerk der Notenbank zur Messung und Steuerung der Inflation beschäftigen. Warsh bekräftigte auf der Pressekonferenz jedoch ausdrücklich das Inflationsziel der Fed von zwei Prozent. Damit sendet er ein Signal an die Märkte, dass die Notenbank an ihrem zentralen Stabilitätsanker festhält, auch wenn die tatsächliche Preisentwicklung dieses Ziel seit Jahren verfehlt.

Weitere Kommissionen sollen untersuchen, auf welche Daten sich die Fed bei ihren geldpolitischen Entscheidungen stützt. Möglich sind Veränderungen beim Kreis der wirtschaftlichen Indikatoren, die in den Entscheidungsprozess einfließen. Warsh sagte, die Datenbasis der Fed beruhe teilweise auf "altmodischen Untersuchungsmethoden".

Darüber hinaus sollen sich die Arbeitsgruppen mit der öffentlichen Kommunikation der Fed befassen. Dazu zählen Pressemitteilungen, Pressekonferenzen und andere Kommunikationsformate. Weitere Themen sind die Steuerung der Zentralbankbilanz, Produktivität und Beschäftigung sowie der Einfluss von künstlicher Intelligenz und anderen transformativen Technologien.

Wie im Juni üblich, hat die Fed auch ihre wirtschaftlichen Projektionen aktualisiert. Diese fallen schwächer aus als im März. Für das amerikanische Bruttoinlandsprodukt erwartet die Notenbank 2026 nun ein Wachstum von 2,2 Prozent. Im März hatte sie noch mit 2,4 Prozent gerechnet. Für 2027 geht die Fed weiterhin von einem Wachstum von 2,3 Prozent aus. Der Ausgangstext nennt anschließend erneut 2027 und spricht dort von einem Wachstum von 2,2 Prozent sowie von einer Anhebung gegenüber der März-Prognose. Diese doppelte Jahresangabe bleibt als Unstimmigkeit des Ausgangstextes bestehen.

Bei der Inflation fallen die Änderungen noch deutlicher aus. Für 2026 erwartet die Fed beim PCE-Index nun eine Teuerung von 3,6 Prozent. Das ist eine klare Verschlechterung gegenüber der März-Prognose von 2,7 Prozent. Für 2027 rechnet die Fed mit einer PCE-Inflation von 2,3 Prozent. Im März hatte die Erwartung bei 2,2 Prozent gelegen. Für 2028 erwartet die Notenbank weiter eine PCE-Inflation von zwei Prozent. Diese Prognose entspricht der Einschätzung vom März.



Zur Erinnerung: Die Fed strebt eine amerikanische Inflation von zwei Prozent pro Jahr an. Gleichzeitig verfolgt sie wegen ihres doppelten Mandats auch das Ziel der Vollbeschäftigung. In den vergangenen Jahren hatte die Notenbank jedoch Schwierigkeiten, ihr Inflationsziel zu erreichen. Amerikanische Daten zeigen, dass die Inflation zuletzt im März 2021 bei zwei Prozent lag.

In akademischen Kreisen wird deshalb seit einiger Zeit darüber diskutiert, ob ein Inflationsziel von etwa drei Prozent angemessener wäre. Die Argumentation lautet, dass die tatsächliche allgemeine Inflation in den USA seit der Corona-Zeit offenkundig nicht dauerhaft auf das frühere Niveau zurückgeht. Für die Fed wäre ein solcher Kurswechsel allerdings hochsensibel. Er könnte Zweifel daran verstärken, ob die Notenbank Preisstabilität noch konsequent verteidigt.

Fed-Zinsentscheid: Trump erhöht den Druck auf die Notenbank

Die Juni-Sitzung war zugleich der erste große geldpolitische Test für Kevin Warsh an der Spitze der Fed. Schon vor dem Treffen gab es zynische Kommentare, US-Präsident Donald Trump habe Warsh mit dem ausgerufenen Waffenstillstand im Krieg mit Iran praktisch ein "Antrittsgeschenk" gemacht. In der Folge gaben die Ölpreise zunächst nach. Das verschafft der Fed zusätzlichen Spielraum bei ihren geldpolitischen Entscheidungen.

Würden Energiepreise weiter steigen, könnte die Inflation noch höher ausfallen. Bei hoher Inflation und zugleich robuster amerikanischer Wirtschaft würde der Druck auf die Fed wachsen, die wichtigsten Dollar-Leitzinsen erneut anzuheben. Genau dieses Risiko prägt den aktuellen Fed-Zinsentscheid und erklärt, warum die Notenbank Zinssenkungen nicht mehr signalisiert.

Beobachter der Fed betonen, dass sich nun zeigen muss, wie Warsh auf mögliche politische Eingriffe durch Trump reagiert. Der amerikanische Präsident interpretiert die Unabhängigkeit der Fed auf eigene Weise. Er wiederholt regelmäßig, dass er von der US-Notenbank niedrigere Zinsen erwartet. Diese sollen das Wirtschaftswachstum und die Finanzmärkte stützen.

Warsh muss daher beweisen, dass er Inflationsrisiken ernst nimmt und die Unabhängigkeit der Zentralbank trotz politischem Druck von Donald Trump bewahren kann. Derzeit beginnt er seine Amtszeit mit dem Vertrauen Trumps. Sein Vorgänger Jerome Powell, der weiterhin bei der Fed bleibt und weiterhin über die Zinspolitik mitentscheiden wird, war dagegen immer wieder Ziel von Trumps Angriffen.

Trump sagte in den vergangenen Tagen, Warsh solle "tun, was er will" und "vollständig unabhängig" sein. Zugleich verlangt er weiter niedrigere Zinsen. Diese Doppelbotschaft erhöht die politische Spannung rund um die Fed. Für die Finanzmärkte ist entscheidend, ob Warsh die Geldpolitik stärker an den Daten oder stärker an den Erwartungen des Weißen Hauses ausrichtet.

Zum Schluss bleibt der Blick auf den aktuellen Zustand der amerikanischen Wirtschaft. Die Inflation, gemessen am Verbraucherpreisindex CPI, sprang im Mai auf 4,2 Prozent. Im Februar, vor dem amerikanisch-israelischen Angriff auf Iran, hatte sie noch bei 2,4 Prozent gelegen. Die Fed beobachtet auch die Inflation nach dem PCE-Index sehr genau. Der Mai-Wert wird allerdings erst am kommenden Freitag veröffentlicht. Im April lag der PCE-Index bei 3,8 Prozent, im Februar bei 2,9 Prozent.

Der Arbeitsmarkt bleibt robust. Im Mai entstanden in den USA 172.000 neue Stellen. Das lag über den Erwartungen. In der Gastronomie wurden 70.000 neue Stellen geschaffen, in der lokalen öffentlichen Verwaltung 55.000 und im Gesundheitswesen 35.000. Die Arbeitslosenquote blieb stabil bei 4,3 Prozent. Allerdings stiegen die Löhne mit 3,4 Prozent im Jahresvergleich langsamer als die Lebenshaltungskosten. Damit sinkt die reale Kaufkraft vieler amerikanischer Haushalte.

Auch der Einzelhandel sendet gemischte Signale. Die Umsätze im US-Einzelhandel stiegen im Mai gegenüber April nominal um 0,9 Prozent. Das lag über den Erwartungen. Für Analysten bestätigt dies, dass amerikanische Verbraucher ihre Ausgaben trotz Druck auf die Kaufkraft nicht abrupt zurückgefahren haben.

Zur nominalen Monatssteigerung trugen höhere Kraftstoffpreise erheblich bei. Die Umsätze aus Kraftstoffverkäufen legten monatlich um 3,4 Prozent zu. Zugleich stieg aber auch der Verkauf verschiedener Waren um 2,3 Prozent, nachdem dieser Bereich zuvor zwei Monate lang geschrumpft war. Der Onlinehandel wuchs um 1,5 Prozent und legte damit den fünften Monat in Folge zu. Die Autoverkäufe stiegen um 1,2 Prozent. Das war der stärkste Zuwachs seit einem Jahr.

Zwei Einschränkungen sind wichtig. Erstens trugen temporäre Faktoren zur überraschend starken Mai-Entwicklung bei, darunter höhere Steuererstattungen. Zweitens warnen Ökonomen, dass das reale Wachstum der Einzelhandelsumsätze nicht gleichmäßig getragen wird. Wohlhabendere Haushalte geben wegen steigender Vermögenswerte mehr aus. Der Mittelstand und Haushalte mit niedrigeren Einkommen haben dagegen größere Schwierigkeiten, mit den Kosten Schritt zu halten. Wenn sie mehr konsumieren, finanzieren sie dies oft durch geringere Ersparnisse und höhere Verschuldung.

Für Deutschland ist dieser Fed-Zinsentscheid besonders wichtig. Die US-Zinsen beeinflussen den Dollar, internationale Kapitalströme, Anleiherenditen und die Bewertung globaler Aktienmärkte. Damit wirken sie indirekt auch auf deutsche Unternehmen, Banken, Exporteure und Anleger. Eine härtere Fed kann Finanzierungskosten weltweit erhöhen, den Euro-Dollar-Kurs bewegen und den Spielraum der Europäischen Zentralbank politisch wie wirtschaftlich enger machen.

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Albina Kenda

Zum Autor:

Albina Kenda ist eine erfahrene Journalistin, die sich auf die Berichterstattung über Geldpolitik und EU-Themen für die slowenische Wirtschaftszeitung Casnik Finance spezialisiert hat. Sie arbeitet sich regelmäßig durch endlose Stapel von Berichten, Vorschlägen, Reden und Diskussionen, um so klar wie möglich darzustellen, wie internationale und insbesondere europäische Themen uns alle betreffen, auch wenn wir uns nicht dafür interessieren.

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