Immobilien

Wohnungsmarktkrise: Warum Deutschland falsch baut

Eine neue Studie zeigt: In Städten sind Wohnungen knapp, doch gebaut wird oft auf dem Land – und meist zu groß. Wie sich das Wohnungsproblem weiter zuspitzt und warum Singles oft leer ausgehen.
21.06.2026 07:27
Lesezeit: 1 min

Krise am Neubau: Deutschland baut an der falschen Stelle

Der Wohnungsbau in Deutschland bleibt auch 2026 schwach - und zu viele Wohnungen entstehen dort, wo sie wenig gebraucht werden. Das geht aus einer Analyse des Immobilienspezialisten Jones Lang LaSalle (JLL) hervor. Demnach werden jährlich rund 50.000 neue Wohnungen in Regionen mit stagnierender oder sinkender Nachfrage errichtet. Diese stünden dem großen Bedarf in Ballungszentren nicht zur Verfügung.

"Es wird oft am falschen Ort gebaut. Während in ländlichen Regionen teilweise ein Überangebot entsteht, herrscht in den Metropolen und Wachstumszentren ein Mangel an neuem Wohnraum", sagt JLL-Experte Sören Gröbel.

Zu viele Häuser, zu wenige Single-Wohnungen

In den acht größten deutschen Städten hinke der Wohnungsbau dem Bedarf hinterher: Dort würden 42 neue Wohnungen je 10.000 Bestandswohnungen fertiggestellt, nötig seien 62. In ländlichen Räumen übersteige die Bauleistung mit 41 Wohnungen dagegen den Bedarf von 23 Einheiten deutlich. Vielerorts gebe es zudem einen hohen Bedarf an kleineren Wohnungen für Singles, dem ein Überangebot bei großen Objekten gegenüberstehe, oft Einfamilienhäuser.

Der Studie zufolge kommt der Wohnungsbau in Deutschland auch im laufenden Jahr nicht in Fahrt. 2026 würden vermutlich rund 211.000 Einheiten fertiggestellt – nur wenig mehr als im vergangenen Jahr und zu wenig, um den Bedarf zu decken. Das Neubaudefizit beziffert JLL auf rund 80.000 Einheiten pro Jahr, das sei mehr als bisher angenommen. 2025 waren in Deutschland 206.600 Wohnungen errichtet worden, der niedrigste Wert seit 2012.

Baukosten auf Höchststand

Trotz der angespannten Lage gebe es erste positive Signale am Neubau: So sei zuletzt die Zahl der Baugenehmigungen gestiegen, der Auftragsmangel im Baugewerbe gesunken und die Stornierungsquote bei genehmigten Projekten geschrumpft.

Ein großes Problem blieben aber die hohen Baukosten, so JLL. Der Iran-Krieg werde Bauen weiter verteuern, besonders bei ölbasiertem Bitumen und den Energiekosten zum Betrieb von Baumaschinen. Auch bei den Bauzinsen, die mit Inflationssorgen gestiegen sind, gebe es vorerst keine Aussicht auf Entspannung. "Bauen war noch nie so teuer wie heute", sagte Gröbel.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Umgang mit Cookies: BGH verhandelt zu Cookie-Speicherung – darum geht's
10.10.2026

Der Bundesgerichtshof prüft, ob Unternehmen für das Speichern von Cookies auf fremden Internetseiten ohne Einwilligung haften müssen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Uber-Robotaxis in Deutschland: Erst Stellen streichen, dann Jobs versprechen
10.10.2026

Uber streicht Tausende Stellen und verspricht gleichzeitig neue Arbeitsplätze in Deutschland. Was widersprüchlich klingt, folgt einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Revolut-Bank greift an: Dieser Fintech-Riese will Europas Banken überholen
10.10.2026

Die Revolut-Bank wächst in einem Tempo, von dem klassische Geldhäuser nur träumen können: fast 70 Millionen Kunden, Milliardenbewertung...

DWN
Technologie
Technologie KI-Prompts für Marketing und Vertrieb: 7 KI-Vorlagen für KMU und Selbstständige
10.10.2026

Fast jedes zweite kleine Unternehmen sieht noch keinen echten Nutzen in KI – dabei liegt der Unterschied oft nur im richtigen Prompt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dacia Sandero Stepway: Europas Bestseller hat ein Sicherheitsproblem
10.10.2026

Europas meistverkauftes Auto kommt nicht von Volkswagen, Toyota oder Peugeot, sondern von Dacia. Der Sandero Stepway punktet mit enormer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kingspan Group-Aktie unter Druck: EU greift nach geplatztem Deal durch
10.10.2026

Ein geplatzter Milliardendeal? Nein, ein gescheiterter Firmenkauf mit teuren Folgen. Weil der irische Baustoffkonzern Kingspan die...

DWN
Politik
Politik Marine Le Pen plant finanzpolitischen Kurs mit großen Einsparungen: Auf den Straßen wächst die Wut
10.10.2026

Frankreich steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Während Zehntausende junge Menschen gegen marode Schulen und fehlende Investitionen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Generation Z trifft auf Generation X: Wie ein Eiskaffee zum Karrierekiller werden kann
10.10.2026

Ein Eiskaffee beim Bewerbungsgespräch sollte eigentlich keine große Sache sein. Doch für manche Personalverantwortliche verrät der...