Politik

Digitalisierungs-Offensive fürs Bauen: Hubertz bläst zum Angriff auf die Baukosten

Mit einem 13-Punkte-Plan will Bauministerin Verena Hubertz dem akuten Wohnungsmangel und den explodierenden Kosten trotzen. Kern des Pakets: Ab 2028 sollen Bauanträge nur noch digital eingereicht werden. Zudem setzt die SPD-Politikerin auf schnelleres, serielles Bauen und gebündelte Förderungen. Ohne diese Bremse drohe das Niveau unsäglich zu werden und Bauprojekte komplett zu verhindern.
19.06.2026 13:56
Lesezeit: 2 min
Digitalisierungs-Offensive fürs Bauen: Hubertz bläst zum Angriff auf die Baukosten
Wie lassen sich Baukosten senken? Mit einer Digitaloffensive und seriellem Bauen will Ministerin Hubertz die Krise im Wohnungsbau endlich stoppen (Foto: dpa). Foto: Soeren Stache

Kahlschlag bei der Bürokratie: Mit Tempo und Standardisierung gegen den Wohnungsmangel

Hohe Kosten seien einer der Hauptgründe, warum in Deutschland zu wenig gebaut werde, heißt es in dem Aktionsplan, den Hubertz bei einer Konferenz der Bau- und Immobilienbranche in Frankfurt vorlegte. Es gehe bei der Reduzierung der Baukosten oft nicht mehr nur darum, Bauen attraktiver zu machen, heißt es darin. "Es geht darum, dafür zu sorgen, dass Bauprojekte überhaupt noch realisiert werden." Die Baukosten seien auf ein "unsägliches Niveau" gestiegen, sagte Hubertz.

"Papieranträge nur in Härtefällen"

In dem Aktionsplan kündigte sie an, dass Bauanträge ab 2028 nur noch digital möglich seien sollen, das werde zum verbindlichen Regelweg. "Papieranträge sollen dann nur noch in begründeten Härtefällen zulässig sein." Ziel sei eine durchgängige Digitalisierung vom Antrag bis zur Genehmigung.

Für Bauherren sollen zudem die verschiedenen Fördermöglichkeiten übersichtlicher werden, so Hubertz. Künftig werde die Neubauförderung in einem einzigen Förderprogramm Neubau gebündelt. Der Start des Programms sei für 2027 vorgesehen. "Die Möglichkeit des Aufbaus von Wohneigentum für Familien ist dabei ein zentrales Kriterium."

Darüber sollen Planungsprozesse mit standardisierten Datenmodellen beschleunigt werden. Ziel sei es, die Dauer von Bauleitplanverfahren auf maximal zwei Jahre zu begrenzen.

Neubau in der Krise: Tiefstand seit 2012

Der Neubau in Deutschland stockt seit Jahren wegen gestiegener Baukosten und Kreditzinsen. 2025 wurden dem Statistischen Bundesamt zufolge 206.600 Wohnungen fertiggestellt, gut 45.000 weniger als im Vorjahr und ein Tiefstand seit 2012. Der Mangel an Wohnraum treibt die Mieten, gerade in Städten. Experten erwarten im laufenden Jahr nur wenig Besserung. Zwar sind die Baugenehmigungen zuletzt stark gestiegen, aber der Einbruch in den Vorjahren wirkt nach. Zudem verteuert der Iran-Krieg das Bauen und gestiegene Zinsen erschweren Finanzierungen.

"Ganze Wohnviertel rollen vom Fließband"

Hubertz will auch mit mehr standardisierten Bauweisen Abhilfe schaffen. Sie kündigte ein Bonus-System für verkürzte Bauzeiten und reduzierte Kosten in der Neubauförderung an. Das schaffe Anreize für serielles und modulares Bauen mit vorgefertigten Bauteilen. In Deutschland werde oft teuer und konventionell Stein auf Stein gebaut, kritisierte sie. Serielles und modulares Bauen seien in der Baubranche im Aufwind. "Ganze Wohnviertel rollen vom Fließband in der Fabrik.

Der Aktionsplan umfasst aber auch bereits angekündigte Maßnahmen, wie den Gebäudetyp E, der es erleichtern soll, rechtssicher von Standards und technischen Normen abzuweichen, etwa bei Tiefgaragen. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll laut Hubertz noch dieses Jahr vom Bundesjustizministerium vorgelegt werden.

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