Wirtschaft

Unternehmer Dräger fordert klare Kante statt Kurswechsel

Ständige Richtungswechsel schaden nach Ansicht von Unternehmer Stefan Dräger dem Standort Deutschland und untergraben Vertrauen bei Investoren. Gleichzeitig stellt der Firmenchef der Bundesregierung ein überraschend positives Zeugnis aus und sieht in der Rentenpolitik eine wichtige Bewährungsprobe.
24.06.2026 07:21
Lesezeit: 2 min
Unternehmer Dräger fordert klare Kante statt Kurswechsel
Der Drägerwerk-Chef Stefan Dräger posiert vor der Kamera. Der Lübecker Unternehmer Stefan Dräger wünscht sich von der Politik klare Ansagen zu notwendigen Reformen in Deutschland. "Wir Unternehmer können uns ja anpassen und verändern." (Foto: dpa) Foto: --

Dräger: "Plötzliche Kurswechsel sind halt schlecht"

Warum der Lübecker Unternehmer Dräger trotz Kritik an plötzlichen Kurswechseln der Regierung auch Lob parat hat – und was er von der Rentenreform als Nagelprobe hält.

Reformen: Klare Signale statt Richtungswechsel

Der Unternehmer Stefan Dräger wünscht sich von der Politik klare Ansagen zu notwendigen Reformen in Deutschland. "Wir Unternehmer können uns ja anpassen und verändern", sagte Dräger der Deutschen Presse-Agentur. "Nur plötzliche Veränderungen sind halt schlecht." Von der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wisse er, dass Kontinuität für sie stets einen hohen Stellenwert gehabt habe und sie sich an die Aussagen ihrer Vorgänger gebunden fühlte, auch wenn sie anders dachte.

"Es ist deshalb schon ein bisschen problematisch, wenn die Bundesregierung Sachen ihrer Vorgänger einfach wieder zurückdrehen will", sagte Dräger. Schon die Idee sei aus psychologischer Sicht ungünstig. "Rein in die Kartoffeln und raus aus den Kartoffeln, das ist ganz schlecht." Ähnlich habe er das Hin und Her beim Verbrenner-Aus empfunden. "Es war unglaublich, wie die deutsche Glaubwürdigkeit in Brüssel dadurch minimiert wurde. Und nebenbei auch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autoindustrie."

Bundesregierung: Besser als ihr Ruf

Generell bricht der Lübecker Unternehmer aber eine Lanze für die Arbeit der Bundesregierung. "Ich würde der Regierung nicht so ein allgemein schlechtes Zeugnis ausstellen, wie das vielfach passiert. Das liegt höchstens am etwas ungünstigen Erwartungsmanagement der Regierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU). Denn es passiert tatsächlich bereits eine Menge Gutes, zum Beispiel bei der Migration und auch bei anderen Themen."

Auch der deutschen Bürokratie kann Dräger gute Seiten abgewinnen: "Die handelnden Menschen in den Behörden sind wirklich meistens gutwillig, sehr engagiert und um Verbesserungen bemüht."

Als Positivbeispiel für Regierungshandeln nennt der Firmenchef die von der Regierung geschaffene Möglichkeit für Rentnerinnen und Rentner, sich bis zu 2.000 Euro zusätzlich zu verdienen. "Das ist eine Verbesserung, die wir gerne nutzen. Der Bedarf nimmt zu." In seinem Unternehmen verdienen sich mittlerweile immer mehr Ruheständler etwas hinzu.

Die aktuelle Debatte über Arbeitszeit und Rente hält Dräger für berechtigt. "Ich selber propagiere, sich ruhig mit Mitte 50 eine Auszeit zu nehmen oder die Stundenzahl zu reduzieren und im Gegenzug nach Eintritt des gesetzlichen Rentenalters noch weiterzuarbeiten bis 70", sagt Dräger. "Das ist für alle von Vorteil: Die Rentner müssen keine Sozialabgaben mehr zahlen, sie haben dadurch mehr Geld in der Tasche und auch der Arbeitgeber spart. Da geht noch mehr."

Bürokratie: Kritik an Berlin statt Brüssel

Der 63 Jahre alte Dräger leitet in sechster Generation das von der Familie gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Lübeck. Dort arbeiten mehr als 5.000 der weltweit rund 17.000 Beschäftigten.

"Wenn ich in Berlin bin, wird dort oft über Brüssel geklagt", sagte Dräger mit Blick auf EU-Richtlinien. "Vor kurzem habe ich mir aber in Brüssel ein eigenes Bild verschafft und auch mit handelnden Akteuren gesprochen. Die klagen über Berlin und sagen: Wir wollen hier die Bürokratie abbauen. Wir haben erkannt, dass wir da ein bisschen zu weit gegangen sind. Aber da werden Leute aus einigen Ministerien von Berlin nach Brüssel geschickt, um hier Sand ins Getriebe zu streuen und Entbürokratisierungsbemühungen zu hintertreiben."

Dräger bezeichnet das als eine mit deutschem Steuerzahlergeld bezahlte Schikane.

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