Finanzen

SpaceX-Anleihe zeigt, wie teuer Musks KI-Traum wirklich ist

Elon Musk verkauft Anlegern eine Anleihe über 25 Milliarden Dollar und damit mehr als nur SpaceX. Hinter dem Deal steckt der Versuch, teure Schulden aus X und xAI unter das Dach von Starlink und Raketenverträgen zu schieben. Nun muss der Kapitalmarkt entscheiden, ob Musks KI-Wette ein Zukunftsgeschäft ist oder ein Risiko, das selbst SpaceX belasten kann.
25.06.2026 16:02
Lesezeit: 7 min
SpaceX-Anleihe zeigt, wie teuer Musks KI-Traum wirklich ist
Mit der SpaceX-Anleihe refinanziert Musk teure Schulden und stützt xAI. (Foto: dpa | Sebastian Gollnow) Foto: Sebastian Gollnow

SpaceX-Anleihe: Musk senkt teure Schulden aus X und xAI

Elon Musk nutzt die SpaceX-Anleihe, um sein verzweigtes Geschäftsimperium von teuren Bankverbindlichkeiten zu entlasten. Mit der Transaktion refinanziert der Konzern Schulden in Höhe von 20 Milliarden Dollar, die auch mit den Projekten X und xAI verbunden sind. Nach Berechnungen auf Basis der genannten Zahlen sollen dadurch jährlich 300 Millionen Dollar an Zinskosten entfallen. Das berichten unsere Kollegen von Finance.si.

SpaceX, das kapitalintensive Geschäftsimperium von Elon Musk, verkaufte am Dienstag Investment-Grade-Anleihen im Volumen von 25 Milliarden Dollar. Damit vollzog der Konzern den jüngsten Schritt beim Austausch teurer Schulden. Diese hatten zuvor unter anderem Musks Übernahme des sozialen Netzwerks X, früher Twitter, mitfinanziert. Hinzu kamen kostspielige Kredite und Anleihen, die das KI-Labor xAI im vergangenen Jahr aufgenommen hatte, um den hohen Mittelabfluss zu decken.

Nach Bloomberg-Angaben hätten diese Unternehmen im laufenden Jahr rund 1,8 Milliarden Dollar aufwenden müssen, um insgesamt 17,5 Milliarden Dollar Schulden zu bedienen, falls sie nicht in SpaceX aufgegangen wären. SpaceX wird nun für seine erste Anleiheemission im Volumen von 25 Milliarden Dollar jährlich 1,5 Milliarden Dollar an Zinsen zahlen.

Vor dem historischen Börsengang von SpaceX Anfang Juni, bei dem der Konzern 75 Milliarden Dollar einsammelte, bündelte Musk viele seiner verstreuten Unternehmen in einem Konglomerat. Investoren zeigten sich begeistert, obwohl die neue Struktur bislang noch keinen Gewinn erwirtschaftet.

Musk nutzt faktisch die Erlöse aus dem Satelliteninternetgeschäft von Starlink und aus den Raketenverträgen von SpaceX mit der US-Regierung, um die hohen Ausgaben von xAI zu stützen. xAI besitzt X, die umbenannte Social-Media-App, und verschlingt weiterhin erhebliche Mittel. "Wer dort investieren will, muss im Grunde ein Gläubiger sein", sagte Art Hogan, Chefmarktstratege bei B. Riley Wealth, zu Bloomberg. "Man muss daran glauben, dass die Erlöse in den kommenden Jahren deutlich steigen."

Die Nachfrage nach SpaceX-Schulden zeigt, dass viele Investoren genau diesen Glauben mitbringen. Das Angebot zog in der Spitze Aufträge über 89 Milliarden Dollar an. Dadurch konnte das Unternehmen während der Vermarktung der Emission niedrigere Finanzierungskosten sichern.

SpaceX-Anleihe und KI-Boom: Investoren setzen auf Musks Kreditgeschichte

Die Käufer der Anleihen wollten sich an der Transaktion beteiligen, obwohl die SpaceX-Aktie an der Börse schwankte. In drei Handelstagen verlor sie rund ein Viertel ihres Wertes, bevor sie sich am Dienstag leicht erholte.

Investoren griffen dennoch zu, um sich ein Stück von Musks weit verzweigtem Unternehmen zu sichern. SpaceX muss nun aber beweisen, dass der Konzern sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle ausbalancieren kann. Zugleich muss das Unternehmen zeigen, dass sein KI-Geschäft im Laufe der Zeit zu einem Vorteil wird und nicht zu einer Belastung am Hals des Konzerns.

Der Zugang zum Investment-Grade-Anleihemarkt war entscheidend, um die Ambitionen von xAI im Wettbewerb mit Unternehmen wie Anthropic PBC und OpenAI zu stützen. Mit der SpaceX-Anleihe öffnete sich für Musk ein deutlich tieferer Kapitalmarkt. Der amerikanische Markt für Investment-Grade-Anleihen hat ein Volumen von etwa acht Billionen Dollar. Der Markt für Hochzinsanleihen und der Markt für fremdfinanzierte Kredite kommen zusammen auf rund drei Billionen Dollar. Für ein Unternehmen mit extrem hohem Kapitalbedarf macht dieser Unterschied eine erhebliche finanzielle Differenz.

Der Wettlauf um Rechenzentren und die dazugehörige Infrastruktur für den KI-Boom dürfte Billionen Dollar kosten. Hochprofitable Unternehmen wie Nvidia Corp. und Amazon.com Inc. finanzieren ihre KI-Ambitionen über ihre Bilanzen an genau diesem Markt. In den kommenden Jahren dürften weitere Emissionen folgen.

In den vergangenen Wochen schloss SpaceX über xAI mehrere milliardenschwere Geschäfte für Rechenkapazitäten mit Anthropic, Google und dem KI-Startup Reflection ab. Diese Vereinbarungen dürften die gesamten KI-bezogenen Erlöse des Konzerns erhöhen. Doch xAI erzielte im vergangenen Jahr nur 3,2 Milliarden Dollar Umsatz und wies zugleich einen operativen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar aus. Das geht aus öffentlichen Unterlagen hervor. Die jährlichen Verluste stiegen damit von rund 1,6 Milliarden Dollar im Jahr 2024 deutlich an.

SpaceX-Anleihe und Deutschlandbezug: Kapitalmarkt prüft die KI-Risiken

Die Anleiheemission vom Dienstag beruhte zu großen Teilen auf der Stärke der übrigen Geschäftsbereiche von SpaceX. Der Konzern verkauft dem Markt nicht allein eine KI-Story, sondern auch die Ertragskraft von Starlink und die strategische Bedeutung seiner Raumfahrtverträge. "Die Kreditgeschichte ist das Wachstum von Starlink und die Frage, ob der Bereich künstliche Intelligenz auf einen Weg der Selbstfinanzierung kommt, bevor das Eigenkapital aufgebraucht ist", sagte Ross Pamphilon, Chefanlagestratege für Anleihen bei Impax Asset Management, zu Bloomberg. Er hatte Interesse am Kauf von SpaceX-Anleihen signalisiert. xAI sei nach seinen Worten "ein Unternehmen mit deutlich negativem Cashflow". Entscheidend sei aber, woran es gekoppelt sei, nämlich "an ein erfolgreiches und starkes Konnektivitätsgeschäft von Starlink".

Für deutsche Leser liegt die Relevanz der SpaceX-Anleihe vor allem in drei Punkten. Erstens zeigt die Transaktion, wie stark sich der KI-Boom inzwischen auf den globalen Anleihemarkt verlagert. Zweitens verdeutlicht sie, dass Investoren bereit sind, hohe operative Verluste zu akzeptieren, wenn sie an spätere Skaleneffekte glauben. Drittens betrifft diese Entwicklung auch europäische Kapitalmärkte, da große Technologie- und Infrastrukturfinanzierungen zunehmend über globale Anleiheportfolios laufen.

Für den deutschen Kapitalmarkt ist der Fall SpaceX ein Warnsignal und ein Versprechen zugleich. Die SpaceX-Anleihe zeigt, wie schnell sich profitable Infrastrukturgeschäfte, staatliche Raumfahrtverträge, Satelliteninternet und riskante KI-Ausgaben in einer einzigen Kreditgeschichte vermischen können. Wer solche Papiere kauft, investiert nicht nur in Raumfahrt oder Internetkonnektivität. Er setzt auch darauf, dass Musks KI-Wette rechtzeitig tragfähig wird.

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