Deutlicher Zuwachs bei Batteriespeichern im Jahr 2026
Der deutsche Markt für Batteriespeicher wächst so schnell wie nie zuvor. Wie aus einer Auswertung des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur hervorgeht, nahmen Betreiber zwischen Januar und Mai 2026 rund 225.000 neue Speicher mit einer Gesamtkapazität von etwa 3,4 Gigawattstunden in Betrieb. Das ist fast doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres und rund 70 Prozent mehr.
Der Gesamtbestand kletterte damit auf rund 30 Gigawattstunden, die sich auf etwa 2,5 Millionen Anlagen verteilen. Rechnerisch reicht diese Kapazität aus, um den Tagesstrombedarf von rund drei Millionen Haushalten zu decken. Diese Zahlen legte der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) zur Eröffnung der Münchner Fachmesse Intersolar Europe Ende Juni vor.
Großspeicher werden zum Motor der Energiewende
Maßgeblich für den Zuwachs sind industrielle Großanlagen. So legte beispielsweise das Segment der Großspeicher mit einer Einzelkapazität von mehr als einer Megawattstunde im ersten Quartal 2026 nach Angaben des BSW-Solar um rund 290 Prozent zu und vervierfachte sich damit nahezu.
Sinnbildlich für diesen tiefgreifenden Transformationsprozess der deutschen Energielandschaft steht ein Großprojekt im schwäbischen Gundremmingen bei Günzburg. An der Stelle, an der mit der Sprengung der markanten Kühltürme am 25. Oktober 2025 auch visuell eine Ära der konventionellen Großstromerzeugung endete, vollzieht sich nun der Übergang in die Epoche der dezentralen Flexibilitätsoptionen.
Der Essener Energiekonzern RWE nutzt die bestehende Netzinfrastruktur des stillgelegten Kernkraftwerks, um nach dem im Spätherbst 2025 erfolgten Spatenstich die bislang größte Batterieanlage Deutschlands zu errichten. Mit einer geplanten elektrischen Leistung von 400 Megawatt und einer energetischen Speicherkapazität von 700 Megawattstunden soll das Projekt Anfang 2028 ans Netz gehen.
Batteriespeicher verdrängen Gaskraftwerke
Großbatteriespeicher gleichen die wetterbedingten Schwankungen erneuerbarer Energien aus. Sie speichern den bei starkem Wind oder hoher Sonneneinstrahlung erzeugten Überschussstrom und speisen ihn ins Versorgungsnetz ein, sobald die Produktion der Wind- und Solaranlagen nachlässt.
„Batteriespeicher können den Bedarf an teuren Reserve-Gaskraftwerken deutlich reduzieren“, erklärte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar), Ende Juni in einer Mitteilung. Im Vergleich zu Gaskraftwerken sind Speicher schneller errichtet, verursachen keine direkten CO2-Emissionen und senken die Systemkosten, indem sie erneuerbare Energien effizienter einbinden.
Auch in der Bevölkerung genießt die Technik Rückhalt. In einer vom Verband beauftragten YouGov-Umfrage unter 2.190 Wahlberechtigten nannten 42 Prozent Batteriespeicher als bevorzugtes Mittel, um Schwankungen bei Wind und Sonne auszugleichen. Erdgaskraftwerke lagen mit 17 Prozent deutlich dahinter.
So wird der Überschuss zum Geschäft
Je mehr Solarleistung an sonnigen Mittagen gleichzeitig eingespeist wird, desto häufiger fällt der Börsenpreis auf null oder sogar darunter. Wer in diesen günstigen Stunden Strom einlagert und zur teuren Abendspitze wieder verkauft, kann an der Differenz verdienen.
Diese Preisdynamik hat Großspeicher binnen weniger Jahre zu einem tragfähigen Geschäftsmodell gemacht. Dieser Trend wird von einem verlässlichen gesetzlichen Rahmen flankiert. Laut Paragraf 118 des Energiewirtschaftsgesetzes sind Speicher, die bis August 2029 ans Netz gehen, für 20 Jahre von den Netzentgelten auf den Ladestrom befreit.
Was dem Speicherboom noch im Weg steht
Trotz des aktuellen Wachstums bleibt der Netzanschluss die größte Hürde für den Ausbau der Batteriespeicherkapazitäten hierzulande. Uneinheitliche Anforderungen der Netzbetreiber, eine fehlende Standardisierung und langwierige Genehmigungsverfahren verzögern die Umsetzung zahlreicher Vorhaben.
Wie viel dabei auf dem Spiel steht, zeigt eine Analyse der Unternehmensberatung Enervis im Auftrag des BSW-Solar. Demnach befinden sich derzeit deutschlandweit Projekte mit zusammen rund 58 Gigawattstunden in Planung. Unter ungünstigen Rahmenbedingungen könnten davon bis 2029 jedoch nur etwa 15 Gigawattstunden realisiert werden.
Das ändert jedoch wenig am grundsätzlichen Trend zu einem verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien, da Batteriespeicher längst als Schlüsseltechnologie der Energiewende gelten. Sie machen die Versorgung gleichmäßiger und senken die Kosten des Umbaus. Der Rekord der ersten Jahreshälfte deutet darauf hin, dass Kapital und Technik bereits vorhanden sind. Wenn die Politik die verbliebenen Hürden aus dem Weg räumt, dürfte der Boom noch am Anfang stehen.

