Der BMW iX3 überzeugt im Alltagstest
Autonamen werden nicht zufällig gewählt, denn sie haben oft eine starke Botschaft. Manche wecken Bilder, noch bevor man sie ausspricht. Zwei Beispiele: Mustang riecht nach Prärie und erinnert sofort an ein wildes Pferd. Beim Defender denkt man an Schlamm und abgelegene Wege. Vielleicht hat der Testkandidat diesmal nicht eine solche Aussagekraft, und auch sein Name ist etwas schwerer auszusprechen. Trotzdem würde ihn wohl fast jeder Mensch gern in seinen Stall fahren.
iX3 klingt vielleicht eher wie ein Geheimcode oder die Bezeichnung eines Prototyps aus der Zukunft als wie der Name eines Autos. Doch hinter der kühlen Kombination aus zwei Buchstaben und einer Zahl steckt großer Charakter, vor allem aber eine Geschichte der Verwandlung. Es ist der Moment, in dem einer der bekanntesten SUVs von BMW in das elektrische Zeitalter eingetreten ist und dabei für ordentlich Wirbel gesorgt hat. Die Begeisterung aller Vertreter der siebten Gewalt, die ihn gesehen und auch gefahren haben, war so groß, dass er sogar zum Weltauto des Jahres 2026 wurde. Aus gutem Grund.
Zwei Elektromotoren, die ihren Namen verdienen
Hören wir der Stille zu. Wenn ich ein Elektroauto fahre, ist es gerade die Stille, auf die man sich einstellen muss. Doch störend ist das keineswegs, auch wenn das Röhren eines Benzin-Achtzylinders natürlich schwer zu ersetzen ist. Das bedeutet aber nicht, dass die Leistung nicht stimmt. Allerdings braucht es hinter dem Lenkrad einen Menschen, der sie zu nutzen weiß.
Und einen, der keine Angst bekommt, wenn er das Gaspedal ganz durchdrückt und wegen der großen Portion Adrenalin im Blut geradezu in den ansonsten bequemen Sitz gepresst wird, der an einen Sessel aus dem Wohnzimmer erinnert. Für den Sprint auf Tempo 100 braucht der iX3 nämlich nur sehr sportliche 4,9 Sekunden. Mit der Anmerkung, dass der iX3 natürlich kein Sportwagen ist, sondern ein gut zwei Tonnen schwerer SUV.
Die zwei Elektromotoren verdienen ihren Namen. Ihre Systemleistung beträgt satte 469 PS, also 345 Kilowatt. Man ist schnell, sehr schnell. Wegen des Stromverbrauchs ist die Höchstgeschwindigkeit allerdings auf 210 Kilometer pro Stunde begrenzt. Diese Geschwindigkeit empfehle ich jedoch nicht. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass anschließend ein Bußgeldbescheid wegen zu schnellen Fahrens ins Haus kommt. Außerdem ist die Batterie mit Raserei nicht befreundet. Je schneller die Fahrt, desto geringer die Reichweite.
Der Durchschnittsverbrauch begeistert
Gerade in diesem Punkt muss man die Entwickler aus München loben. Was heißt loben, man muss ihnen gratulieren. Das Auto gehört nämlich zu den wenigen Elektroautos, die ich gefahren bin und bei denen die Reichweite wirklich groß ist. Zunächst allerdings eine Anmerkung: Ein Elektroauto fahre ich immer so wie ein benzin- oder dieselgetriebenes Auto. Das bedeutet: Hinter einem Lastwagen herzuschleichen, nur um mehr Reichweite herauszuholen, kommt nicht infrage. Deshalb ist die im Test erreichte Zahl realistisch.
4,78 Meter misst der iX3 in der Länge
4,9 Sekunden braucht er für den Sprint auf Tempo 100
599 Kilometer beträgt die Reichweite mit einer Ladung
Als Referenz nehme ich immer die Hin- und Rückfahrt auf der Strecke Ljubljana-Novigrad, die die meisten Kandidaten ohne Laden nicht schaffen. Der iX3 bewältigt sie mühelos. Zwar liegt die Nettokapazität seiner Batterie bei satten 108,7 Kilowattstunden, doch begeistert hat mich der Durchschnittsverbrauch: 19,2 Kilowattstunden sind ein bemerkenswerter Wert. Folglich liegt die Reichweite sehr nah an 600 Kilometern. Ein weiterer Mehrwert ist die maximale Ladeleistung von 400 Kilowatt. Übersetzt heißt das: In zehn Minuten gewinnt das Auto genug Energie für bis zu 370 Kilometer.
Der aktive Tempomat liest Verkehrszeichen selbst
Der Innenraum ist anders, als man ihn bisher von BMW-Modellen gewohnt war. Sofort fällt der große farbige Touchscreen ins Auge, mit einem Durchmesser von 45,5 Zentimetern beziehungsweise 17,9 Zoll. Aus Sicherheitsgründen lobe ich die Übertragung von Informationen auf die Windschutzscheibe, sichtbar nur für den Fahrer. Etwas Besonderes ist außerdem der riesige Bildschirm über den gesamten unteren Bereich der Frontscheibe, auf dem alle notwendigen Fahrdaten verfügbar sind.
Auch die Ausstattung überzeugt. Dazu gehören Ledersitze, die beiden vorderen sind beheizt und verfügen über Massagefunktion, Navigation und ein aktiver Tempomat, der Verkehrszeichen liest und die Geschwindigkeit automatisch anpasst.
Enttäuscht hat mich nur der Schlüssel. Vor dem iX3 fuhren wir nämlich einen Mini, also ein Auto aus demselben Konzern, das die Türen automatisch entriegelte und verriegelte. Beim BMW musste man dagegen immer den Türgriff berühren. Es handelt sich um versenkte Türgriffe, die mancherorts aus Sicherheitsgründen bereits eingeschränkt werden.
Geräumig, aber in Parkhäusern spürbar groß
Der iX3 ist stattlich. Das merkt man besonders, wenn ein Parkplatz gesucht oder das Auto in ein Parkhaus gefahren werden muss. Mit dem Maßband haben wir 4,78 Meter gemessen. Sehr gut ist natürlich, dass sich das beim Platzangebot auf der Rückbank zeigt. Dort sitzen auch große Menschen bequem.
Erfreulich ist auch der 520 Liter große Kofferraum, der mit Koffern, Reisetaschen und anderem Gepäck keine Probleme hat. Die großen Kofferraumklappen sind für leichteren Zugang elektrisch beweglich. Schade ist nur, dass der Boden bei umgeklappter Rückbank nicht eben ist.
Und schließlich der Preis. Für die Version iX3 50 xDrive liegt er bei 69.900 Euro, kann mit Zusatzausstattung aber schnell auf mehr als 80.000 Euro steigen. Diesmal werde ich nicht schreiben, dass das teuer ist, sondern dass es angesichts einer Premiummarke völlig logisch ist.
Statt eines Schlussworts nach dem Muster haben oder nicht haben drehe ich den Daumen nach oben.
