Politik

Europäische Milliarden für die energetische Sanierung von Häusern: viel Geld, zu wenig Wirkung

Die EU steckt Milliarden in die energetische Sanierung von Häusern und Wohnungen. Doch Prüfer sehen ein Problem: Viele Projekte sparen weniger Energie als erhofft, werden kaum nach Wirkung ausgewählt und oft nur administrativ abgehakt.
Autor
avtor
13.07.2026 13:51
Lesezeit: 8 min
Europäische Milliarden für die energetische Sanierung von Häusern: viel Geld, zu wenig Wirkung
Viel Geld, wenig Wirkung: EU-Prüfer kritisieren Gebäudesanierung. (Foto: dpa) Foto: Martin Schutt

Wie viel EU-Geld in die Sanierung von Häusern und Wohnblocks fließt

Die EU hat über den Fonds für Wiederaufbau und Resilienz nach der Pandemie, RRF, ganze 43 Milliarden Euro für die Verbesserung der Energieeffizienz privater Häuser und Wohnungen bereitgestellt. Doch die Prüfer des Europäischen Rechnungshofs, ERH, stellen fest: Die tatsächlichen Energieeinsparungen und die Kosteneffizienz sind begrenzt, da die Maßnahmen schlecht konzipiert wurden, berichtet das Wirtschaftsportal Casnik Finance. Das Geld zirkuliert zwar schnell, doch die endgültigen Ergebnisse der Projekte stehen infrage.

Die EU kofinanziert seit vielen Jahren die Sanierung von Gebäuden zur Verbesserung der Energieeffizienz. Der Prüfbericht widmete sich speziell dem Segment der Wohngebäude.

  • Zwischen 2014 und 2020 stellte die EU aus Kohäsionsfonds 18 Milliarden Euro für die Steigerung der Energieeffizienz von Wohngebäuden bereit.
  • Seit 2021 finanziert die EU energetische Sanierungen von Häusern und Wohnblocks auch aus dem Fonds für Wiederaufbau und Resilienz nach der Pandemie, RRF. In diesem Fall geht es um 43 Milliarden Euro.
  • Parallel dazu finanziert die EU im Zeitraum 2021 bis 2027 Sanierungen weiterhin auch aus Kohäsionsmitteln. Dabei geht es um 6,5 Milliarden Euro.

Die Zahlen zeigen, dass die EU diesem Bereich große Aufmerksamkeit schenkt. Das ist nachvollziehbar, da in der Union rund ein Viertel der verbrauchten Energie auf Wohngebäude entfällt. Ihre höhere Energieeffizienz kann daher erheblich dazu beitragen, die europäischen Klimaziele zu erfüllen.

Die Sanierungen waren meist nicht tiefgreifend

Vor Einrichtung des RRF-Fonds betonte die Europäische Kommission, dass vor allem tiefgreifende energetische Sanierungen die Erfüllung der europäischen Klimaziele ermöglichen würden. In der Praxis geschah das jedoch nicht.

Unterscheiden lassen sich nämlich drei Arten von Sanierungen.

  1. Eine kleinere Sanierung bringt weniger als 30 Prozent Energieeinsparung. In der Praxis geht es um Eingriffe, die die Struktur des Gebäudes nicht verändern, etwa wenn ein alter Heizkessel durch einen neuen ersetzt wird.
  2. Eine mittlere Sanierung bringt 30 bis 60 Prozent Energieeinsparung. Durch eine Kombination von Maßnahmen wird die Energieeffizienz des Gebäudes spürbar verbessert. Durchgeführt werden zum Beispiel eine Fassadendämmung und ein Fenstertausch oder eine Dachdämmung und der Einbau einer Wärmepumpe.
  3. Eine tiefgreifende Sanierung bringt mehr als 60 Prozent Energieeinsparung. Dabei erfolgt eine umfassende Sanierung, die ein Gebäude in ein hocheffizientes oder nahezu Nullenergie-Gebäude verwandelt. In der Praxis bedeutet das mehrere gleichzeitige Maßnahmen: Dämmung von Dach, Fassade und Böden, Austausch der Fenster, Einbau eines modernen Heizsystems und eines Lüftungssystems mit Wärmerückgewinnung.

Obwohl Brüssel die Bedeutung tiefgreifender Sanierungen betonte, sah die Wirklichkeit anders aus. In 83 Prozent der Fälle wurde mit europäischem Geld eine mittlere Sanierung kofinanziert.

Das sei ein Problem, betonen die Prüfer, und zwar wegen des sogenannten Lock-in-Effekts. Wenn ein Eigentümer eine kleinere Sanierung durchführt, wird er sich wegen der hohen Kosten lange nicht an eine tiefgreifende Sanierung machen. Damit ist langfristig eine Chance auf ernsthafte Energieeinsparungen vertan.

Das Geld bekamen die Schnellsten, Projekte wurden nicht geprüft

Die Projekte wurden nicht nach den größten energetischen Effekten ausgewählt, kritisieren die europäischen Prüfer in dem Bericht zusätzlich. Wie sie feststellten, verglichen die Mitgliedstaaten die Qualität der eingereichten Projekte meist nicht.

Stattdessen nutzten die Mitgliedstaaten ein einfaches System: Wenn ein Projekt die grundlegenden Bedingungen erfüllte und noch genügend europäische Mittel verfügbar waren, wurde es nach dem Prinzip finanziert: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Auch so wurde eine große Chance auf Verbesserungen verpasst. Es gab keine Möglichkeit, bei der Verteilung europäischer Gelder den energetisch am wenigsten effizienten Gebäuden oder Haushalten Vorrang zu geben, die solche Hilfe am dringendsten benötigt hätten.

Ebenso wurde keine Reihung der Projekte nach erwarteten Energieeinsparungen sichergestellt.

Gezählt wurden Verträge statt tatsächlicher Einsparungen

Brüssels Anspruch war, dass Mitgliedstaaten Geld aus dem RRF-Fonds nur dann abrufen können, wenn sie sich zu Investitionen und strukturellen Reformen verpflichten. Diese Zusagen mussten sie in nationale Aufbau- und Resilienzpläne schreiben.

In die Pläne mussten sie Meilensteine und Ziele als wichtigste Erfolgsindikatoren bei der Umsetzung des Plans aufnehmen. Am Ende scheint es aber vor allem um eine administrative Fortschrittskontrolle gegangen zu sein.

Wo ist es nach Einschätzung der Prüfer schiefgelaufen? Für die Ziele wurde nicht verlangt, dass sie ergebnisorientiert sein müssen. Außerdem empfahl die Kommission zur Erfolgsmessung Energieausweise als Instrument.

Wie die Prüfer warnen, zeigt ein Energieausweis jedoch den theoretisch berechneten Verbrauch eines Gebäudes auf Grundlage mathematischer Modelle. Nach einer Sanierung kann er daher enorme Einsparungen ausweisen, was nicht zwingend der Realität entspricht.

Nicht zuletzt können Menschen nach einer Sanierung ihre Gewohnheiten ändern. Auf Zypern begannen Haushalte nach der Installation kostenloser Solarpaneele sogar, mehr Strom zu verbrauchen als zuvor, da sie das Gefühl hatten, er sei kostenlos.

Italiens Superbonus als Beispiel mangelnder Kosteneffizienz

Besonders kritisch äußerten sich die Prüfer zur italienischen Förderregelung Superbonus, die sowohl aus italienischen Mitteln als auch mit Geld aus dem RRF finanziert wurde. Der Staat erstattete zunächst sogar 110 Prozent der förderfähigen Kosten einer energetischen Sanierung.

Die Prüfer bezeichneten dies als irrationalen Einsatz europäischer Gelder.

Generell warnen die Prüfer, dass die Kosteneffizienz zu wenig überwacht werde. Deshalb sei es schwierig festzustellen, welche Maßnahmen den größten Nutzen für das eingesetzte Geld bringen, oder Vergleiche zwischen Mitgliedstaaten anzustellen.

Prüfer geben der Europäischen Kommission mehrere Empfehlungen

Die erste Empfehlung lautet, dass die EU künftig nur umfassende Sanierungen fördern und dafür klare, überprüfbare Ziele für Energieeinsparungen festlegen sollte.

Zugleich empfehlen die Prüfer der Kommission, die tatsächlichen Ergebnisse und die Kosteneffizienz bisheriger Sanierungen von Wohngebäuden zu bewerten. Dadurch könnte die EU wertvolle Informationen für künftige Programme gewinnen und auch feststellen, welches Niveau finanzieller Unterstützung sinnvoll und angemessen ist.

In ihrer dritten Empfehlung fordern die Prüfer die Kommission auf, die Überwachung der Energieeinsparungen zu verbessern. Sie verlangen eine bessere Methodik für verlässliche Berichterstattung, die Unterschiede zwischen geschätzten und tatsächlichen Energieeinsparungen berücksichtigt. Außerdem solle die Kommission verlässliche Daten zu einzelnen Maßnahmen sammeln.

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Albina Kenda

Zum Autor:

Albina Kenda ist eine erfahrene Journalistin, die sich auf die Berichterstattung über Geldpolitik und EU-Themen für die slowenische Wirtschaftszeitung Casnik Finance spezialisiert hat. Sie arbeitet sich regelmäßig durch endlose Stapel von Berichten, Vorschlägen, Reden und Diskussionen, um so klar wie möglich darzustellen, wie internationale und insbesondere europäische Themen uns alle betreffen, auch wenn wir uns nicht dafür interessieren.

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