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Sinkende Geburtenrate: Wie Smartphones die Menschheit schrumpfen lassen

Je stärker sich Smartphones verbreiten, desto weniger Kinder werden geboren. Eine neue Untersuchung zeigt, wie digitale Kontakte persönliche Begegnungen verdrängen und damit sogar die Geburtenrate beeinflussen könnten. Doch Mobiltelefone sind nur ein Teil einer globalen Entwicklung, die China, Europa und auch Deutschland vor gewaltige wirtschaftliche Probleme stellt.
Autor
avtor
25.07.2026 07:18
Lesezeit: 9 min
Sinkende Geburtenrate: Wie Smartphones die Menschheit schrumpfen lassen
Smartphones verändern Nähe und Partnersuche. (Bild: ChatGPT)

Smartphones verändern Kontakte und senken die Geburtenrate

Je mehr Smartphones es gibt, desto stärker sinkt die Geburtenrate. Afrika ist inzwischen der einzige Kontinent, auf dem keine starken Einbrüche der Fertilitätsraten zu beobachten sind. Chinas Bevölkerung könnte sich bis zum Jahr 2100 halbieren. Das berichten unsere Kollegen von Børsen.

Wer über sein Mobiltelefon plötzlich schnell und unbegrenzt mit der Außenwelt kommunizieren kann, verliert zugleich den Kontakt zu den Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung. Oder genauer gesagt: zu jenen Menschen, die einem künftig besonders nahestehen könnten. In der Folge werden weniger Kinder geboren.

Zumindest scheint es einen direkten Zusammenhang zwischen einer sinkenden Geburtenrate und der Verbreitung von Mobiltelefonen zu geben. Dies zeigt eine neue Untersuchung von Nathan Hudson und Hernan Moscoso-Boedo von der University of Cincinnati. Die Forscher kommen unter anderem zu dem Ergebnis, dass „Smartphones veränderten, wie Jugendliche ihre gemeinsame Zeit verbringen, und dass diese Veränderung wiederum den Zusammenbruch der Geburtenrate unter Teenagern auslöste“.

Der Grund ist einfach. Wenn genügend Jugendliche ausreichend viel Zeit an ihren Mobiltelefonen verbringen, bleibt weniger Zeit für die ersten Schritte hin zu körperlichem Kontakt. Wissenschaftlich ausgedrückt bedeutet das: Es werden weniger Kinder geboren. Denn es fehlt die Zeit für „jene unstrukturierten Kontakte, bei denen die meisten unbeabsichtigten Schwangerschaften im Teenageralter entstehen“. Manche werden vermutlich argumentieren, dass ein deutlicher Rückgang der Schwangerschaften unter Jugendlichen nicht das Schlimmste ist, was der Menschheit passieren kann. Weniger minderjährige Mütter dürften für mehr Kinder ein sicheres Aufwachsen ermöglichen.

Der globale Geburtenrückgang verändert die Welt

Das Phänomen des Zusammenhangs zwischen Mobiltelefonen und Schwangerschaften ist jedoch wesentlich breiter. Es betrifft eine größere Altersgruppe als lediglich Jugendliche. Zudem sind Mobiltelefone nur ein Teil einer weitaus umfassenderen Entwicklung. Die Zahl der Geburten ist inzwischen so niedrig, dass sich die Bevölkerung in zwei Dritteln der weltweit 195 Staaten nicht mehr selbst reproduzieren kann.

Anders ausgedrückt: Jede Frau eines Landes müsste durchschnittlich 2,1 Kinder zur Welt bringen, damit die Bevölkerung ohne Zuwanderung stabil bleibt. Das ist inzwischen nicht mehr der Fall. Unter allen Kontinenten bildet Afrika die einzige Ausnahme. Dort dürfte die Bevölkerung noch einige Jahre weiter wachsen.

Auch der bekannte Zusammenhang zwischen dem wirtschaftlichen Wohlstand eines Landes und der Zahl der dort geborenen Kinder gilt häufig nicht mehr. Es ist nicht mehr zwangsläufig so, dass ärmere Menschen mehr Kinder bekommen als wohlhabende. In Ländern wie Chile und Albanien liegt die Geburtenrate mittlerweile deutlich niedriger als in den USA, Großbritannien und Wales. Dort befinden sich die Werte mit 1,6 beziehungsweise 1,4 Kindern pro Frau bereits auf einem Rekordtief.

Sinkende Geburtenraten werden zur wirtschaftlichen Belastung

Es kann positive Gründe für sinkende Geburtenraten geben. Verbessert sich die allgemeine Gesundheitsversorgung und geht die Kindersterblichkeit zurück, ist dies ein nachvollziehbarer Grund, weniger Kinder zur Welt zu bringen. Das Gleiche gilt, wenn Frauen mehr Einfluss und Kontrolle über ihr eigenes Leben und ihr Schicksal erhalten. Der Rückgang der Geburtenraten weltweit ist seit mehreren Jahrzehnten bekannt. In zahlreichen Ländern hat sich die Entwicklung im vergangenen Jahrzehnt jedoch beschleunigt. Aus Sicht des Klimaschutzes ist dies unter sonst gleichen Bedingungen eine positive Entwicklung. Weniger Menschen beanspruchen die verschiedenen Ressourcen der Erde weniger stark.

Aus wirtschaftlicher Perspektive stellt die Entwicklung viele Staaten kurzfristig jedoch vor große Herausforderungen. Die Erwerbsbevölkerung schrumpft, während die Ausgaben für Renten, Gesundheitsleistungen und Altenpflege steigen. Zugleich wächst jener Teil der Bevölkerung, der nicht mehr unmittelbar zur Wirtschaftsleistung beiträgt.

Global bedeutet dies nicht, dass die Gesamtbevölkerung sofort zu schrumpfen beginnt. Sie dürfte irgendwann in den 2080er-Jahren mit rund 10,3 Milliarden Menschen ihren Höchststand erreichen. Das wären rund zwei Milliarden Menschen mehr als heute. Erst danach dürfte die Weltbevölkerung zurückgehen.

Smartphones, Wohnungsnot, Klimasorgen: Die vielen Ursachen des Geburtenrückgangs

Viele Faktoren tragen dazu bei, dass weltweit weniger Kinder geboren werden. Menschen heiraten später. Mehr Partnerschaften zerbrechen, bevor Kinder geboren werden. Zudem fehlt vielen jungen Erwachsenen das Geld, aus dem Elternhaus auszuziehen und eine eigene Wohnung zu beziehen.

Hinzu kommt eine offensichtlich geringere Bereitschaft, Kinder zu bekommen. Als Gründe werden etwa die Angst vor dem Klimawandel oder die Schwierigkeit genannt, zwei berufliche Karrieren mit der Verantwortung für Kinder zu vereinbaren. Diese Entwicklung wurde im Mai ausführlich in einer langen Analyse der „Financial Times“ erläutert. Besonders auffällig ist darin der nachgewiesene Zusammenhang zwischen der Verbreitung von Mobiltelefonen, dem Wechsel vom Mobilfunkstandard 3G zum schnelleren 4G und den sinkenden Geburtenraten.

Die ersten Beobachtungen dieses Phänomens gab es unter jungen Menschen in Großbritannien, den USA und Australien. Die Entwicklung begann dort vor rund 25 Jahren und beschleunigte sich ab 2007 deutlich. Später zeigte sich der gleiche Effekt ab 2009 in Frankreich und Polen. Ab 2012 war er auch in Ländern wie Marokko, Indonesien und Mexiko zu beobachten.

Zuletzt zeigte sich die Entwicklung ab 2015 in westafrikanischen Staaten wie Nigeria, Senegal und Ghana. Hudson und Moscoso-Boedo erklären das Phänomen anhand amerikanischer Erfahrungen. Demnach „halbiert sich die persönliche soziale Interaktion unter Jugendlichen ungefähr, wenn der Preis von Smartphones sinkt“. Vergleichbare Erfahrungen seien unter anderem aus Großbritannien bekannt.

Im Gesamtbild ist Afrika inzwischen die einzige Region der Welt, deren Bevölkerung weiter wächst. Der Durchschnitt der 50 Staaten des afrikanischen Kontinents zeigt eine Geburtenrate von 3,9 Kindern pro Frau. Dabei bestehen erhebliche Unterschiede. Im Tschad liegt sie bei 5,8 Geburten pro Frau, im nordafrikanischen Tunesien dagegen bei lediglich 1,8.

Doch auch in Afrika dürfte die Gesamtbevölkerung langfristig zurückgehen. Nach Angaben der Vereinten Nationen wird die Zahl der Geburten pro Frau in Afrika bis 2050 auf 2,8 sinken. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts dürfte sie bei 2,0 liegen und damit knapp unterhalb des Bestandserhaltungsniveaus.

Selbst staatliche Förderprogramme stoppen den Bevölkerungsrückgang nicht

Trotz zahlreicher Versuche, die Entwicklung umzukehren, verändert sich in vielen Staaten vor allem Europas und Asiens wenig. In Ländern wie Ungarn und der Türkei sowie in Russland gilt die sinkende Bevölkerungszahl als nationale Katastrophe. Sie soll gestoppt und möglichst umgekehrt werden.

Doch weder höhere staatliche Familienleistungen noch bessere Betreuungsangebote zeigen die erhoffte Wirkung. Auch Steuern auf Verhütungsmittel, die finanzielle Förderung von Datingapps, die Verfolgung von LGBTQ+-Gruppen oder direkte Unterstützungszahlungen für Familien mit Kindern verändern die Entwicklung offenbar nicht.

Auch in den beiden bevölkerungsreichsten Staaten der Welt, Indien und China, beginnt die Bevölkerung zu schrumpfen. In China wurden im vergangenen Jahr „nur“ acht Millionen Kinder geboren. Das waren weniger als halb so viele, wie erwartet worden war, als das Land vor zehn Jahren seine Ein-Kind-Politik aufgab. Die Geburtenrate ist inzwischen auf rund ein Kind pro Frau gefallen.

In Indien ist die Geburtenrate inzwischen auf 1,9 gesunken. Deshalb dürfte auch dort die Bevölkerungszahl langsam zu schrumpfen beginnen. Keines der beiden Länder verfügt über eine ausgeprägte Tradition der Einwanderung. Am dramatischsten könnte die Entwicklung in China verlaufen. Dort leben derzeit rund 1,4 Milliarden Menschen. In knapp 25 Jahren könnten es 100 Millionen Menschen weniger sein. Sollte sich die Entwicklung unverändert fortsetzen, könnte sich die Bevölkerung bis zum Jahr 2100 halbieren.

Die Frage lautet, ob die chinesische Führung eine derartige Schwächung eines geopolitischen Machtfaktors akzeptieren wird. Ebenso offen ist, welche Maßnahmen sie ergreifen kann und will, um die Entwicklung zu verändern.

Bedeutung für Deutschland

Auch Deutschland ist von der sinkenden Geburtenrate unmittelbar betroffen. Eine alternde Bevölkerung verschärft den Fachkräftemangel, belastet die gesetzlichen Renten und erhöht die Ausgaben für Pflege und Gesundheitsversorgung. Zuwanderung kann den Rückgang der Erwerbsbevölkerung teilweise ausgleichen, ersetzt langfristig jedoch keine nachhaltige Familien-, Wohnungs- und Arbeitsmarktpolitik. Besonders entscheidend wird sein, ob Deutschland jungen Menschen verlässliche wirtschaftliche Perspektiven, ausreichend Wohnraum und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie bieten kann.

Die sinkende Geburtenrate lässt sich nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. Smartphones und soziale Medien verändern persönliche Kontakte und können bestehende Entwicklungen verstärken. Entscheidend sind jedoch auch wirtschaftliche Unsicherheit, veränderte Lebensentwürfe und eine zunehmende Distanz zu traditionellen Familienmodellen. Für Staaten wie Deutschland wird die demografische Entwicklung damit zu einer der zentralen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte.

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