Enorme Gewinne durch den Transport russischer Rohstoffe
Das Verbot des Transports von russischem LNG könnte für den griechischen Schifffahrtsriesen Dynagas, der sich im Besitz von George Prokopiou befindet, schwerwiegende Folgen haben. Die griechische Regierung hat das 21. EU-Sanktionspaket gegen Russland faktisch als Druckmittel eingesetzt und angekündigt, ihr Veto einzulegen, solange das Unternehmen keine Ausnahmegenehmigung erhält.
Dynagas, ein auf den Transport von russischem Gas aus der Arktis in die EU und andere Teile der Welt spezialisiertes Unternehmen, hat seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine Milliarden Dollar verdient.
Profit aus der Krise schlagen
George Prokopiou, dessen Vermögen vom Magazin „Forbes“ auf 4,7 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, zählt zu den reichsten Griechen. Der Geschäftsmann erkannte früh, dass der Krieg eine lukrative Gelegenheit bot. „Es ist eine Tragödie für die Menschheit, aber gleichzeitig schafft es neue Chancen“, sagte Prokopiou in einem Interview im Jahr 2024.
Seit Kriegsbeginn im Februar 2022 hat Dynagas nach Schätzungen des Analyseunternehmens Kpler mehr als 30 Millionen Tonnen Gas aus dem russischen Jamal-Feld in der Arktis transportiert. Die „Financial Times“ schätzt den Wert der transportierten Ladungen auf bis zu 24 Milliarden US-Dollar.
Zudem erreichten die EU-Gasimporte aus Jamal im ersten Halbjahr 2026 einen Rekordwert: Insgesamt wurden fast 10 Millionen Tonnen Gas im Wert von 6 Milliarden US-Dollar bezogen. Die britische Tageszeitung merkt an, dass George Prokopiou auch Eigentümer von Dynacom ist, einem Unternehmen, dessen Tanker in den vergangenen drei Jahren durch den Handel mit russischem Rohöl mindestens 915 Millionen US-Dollar erwirtschaftet haben.
Griechische Regierung verteidigt Ausnahme für Dynagas
Ein neues Sanktionspaket könnte die Unternehmen des griechischen Milliardärs hart treffen. Die griechische Regierung strebt deshalb eine Ausnahmeregelung an, die es dem Unternehmen Dynagas ermöglichen würde, russisches Flüssigerdgas in Drittstaaten zu transportieren.
Aus dem jüngsten Quartalsbericht des Unternehmens geht hervor, dass der Gastransport von den Anlagen auf der Jamal-Halbinsel im Jahr 2026 36 Prozent des Gesamtumsatzes von Dynagas ausmachen wird.
„Der Verlust eines oder beider Jamal-Charterverträge hätte erhebliche negative Auswirkungen auf unser Geschäft“
- erklärte Dynagas.
Gegenüber Euronews bezeichnete das Unternehmen das bevorstehende EU-Verbot zudem als „Schlag für Europa hinsichtlich seines maritimen Potenzials, seiner Expertise in der Arktis-Schifffahrt, der Beschäftigung und des strategischen Einflusses“.
Darüber hinaus glaubt der Schifffahrtsriese nicht, dass das Verbot die russische Wirtschaft negativ beeinflussen wird, da andere Unternehmen den Transport der Rohstoffe übernehmen würden.
Brüssel bleibt hart
Nach mehreren gescheiterten Versuchen der EU-Mitgliedstaaten, sich auf das 21. Sanktionspaket zu einigen, kommen die EU-Botschafter am Mittwoch in Brüssel zusammen, um das Paket zu verabschieden.
Das Treffen wird zeigen, ob es Griechenland gelingt, eine Ausnahmeregelung vom Transportverbot zu erwirken, oder ob die griechische Regierung ihren Widerstand gegen das Sanktionspaket aufgibt. Für die Verabschiedung ist Einstimmigkeit unter den 27 EU-Staaten erforderlich.
Die Europäische Kommission hält daran fest, dass das Verbot, auf das man sich im Oktober im Rahmen des 19. EU-Sanktionspakets gegen Russland geeinigt hatte, nicht geändert wird.
„Das Verbot ist in Kraft und wird auch in Kraft bleiben“, sagte Kommissionssprecherin Paula Pinho am Montag in Brüssel.

