Finanzen

RWE-Aktie im Plus: Trump zahlt Milliarden für Windkraft-Aus

RWE zieht bei seinen Offshore-Windprojekten in den USA einen Schlussstrich – und erhält dafür eine Milliardensumme von der US-Regierung. An der Börse kommt die Einigung gut an, die RWE-Aktie klettert.
07.08.2026 12:17
Aktualisiert: 07.08.2026 12:17
Lesezeit: 3 min
RWE-Aktie im Plus: Trump zahlt Milliarden für Windkraft-Aus
Die RWE-Aktie reagiert positiv auf den Milliarden-Deal mit der US-Regierung. (Bild: dpa) Foto: Fabian Strauch

RWE-Aktie steigt: Energiekonzern beendet US-Windkraftprojekte gegen Milliardenzahlung

Die RWE-Aktie hat positiv auf eine milliardenschwere Einigung des Energiekonzerns mit der US-Regierung reagiert. RWE zieht sich aus allen geplanten Offshore-Windkraftprojekten vor den Küsten der Vereinigten Staaten zurück. Im Gegenzug erhält der DAX-Wert 1,22 Milliarden Dollar, rund 1,06 Milliarden Euro. Die Vereinbarung hat einen Umfang von mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar.

Der Vergleich zwischen der US-Offshore-Tochter und dem US-Innenministerium sieht vor, dass RWE auf Ansprüche gegen die Regierung verzichtet und Pachtrechte für Windkraftanlagen vor den Küsten von New York, Kalifornien und Louisiana zurückgibt. In die Planung hatte der Essener Konzern bereits mehr als eine Milliarde Dollar investiert.

"Nach sorgfältiger Abwägung wurde festgestellt, dass für diese Projekte in den USA auf absehbare Zeit keine Genehmigungsfähigkeit gegeben ist", erklärte RWE. Die Projekte befanden sich noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium und wären erst in den 2030er-Jahren in Betrieb gegangen.

Trump stellt sich gegen Ausbau der Windenergie

Die Offshore-Wind-Pachten hatte RWE 2022 erworben, als Joe Biden US-Präsident war und den Ausbau der Windenergie förderte. Sein Nachfolger Donald Trump lehnt Windkraft dagegen ab. Seine Regierung hat sich von der Förderung sauberer Energien abgewendet und will die heimische Produktion fossiler Brennstoffe steigern.

Die Vereinbarung mit RWE ist die fünfte und bislang größte, die die US-Regierung in diesem Jahr geschlossen hat, um die Entwicklung von Offshore-Windprojekten zu stoppen. Trump bezeichnete Windkraft unter anderem als "grünen Betrug" und "vielleicht größten Schwindel der Geschichte".

"Die Amerikaner verdienen ein Energiesystem, das auf gesundem Menschenverstand beruht – und nicht eines, das von kostspieligen Subventionen oder Technologien abhängt, die den gegenwärtigen Energiebedarf unseres Landes nicht decken können", erklärte US-Innenminister Doug Burgum. Ein Ministeriumssprecher verwies zudem auf die hohe Abhängigkeit der Offshore-Windenergie von ausländischen Lieferketten.

RWE investiert Milliarden in den USA

Für die RWE-Aktie ist auch entscheidend, wie der Konzern das frei werdende Kapital einsetzt. RWE beteiligt sich mit 900 Millionen Euro an einem Flüssiggasprojekt in Louisiana. Das Geld soll zur Finanzierung des Baus des LNG-Terminals verwendet werden. Zusätzlich will der Konzern sein Geschäft mit Gaskraftwerken in den USA für 300 Millionen Dollar ausbauen.

"Darüber hinaus plant RWE Americas in den nächsten sechs Jahren rund 17 Milliarden Euro in den USA zu investieren, um ihre Erzeugungskapazität von derzeit rund 13 Gigawatt in 27 Bundesstaaten auf 22 Gigawatt bis zum Jahr 2031 auszubauen", teilte der Konzern mit. Allein 2025 nahm RWE in den Vereinigten Staaten zwei Gigawatt neue Stromerzeugungskapazität in Betrieb.

Außerhalb der USA hält RWE zugleich am Geschäft mit Offshore-Windparks fest. Der Konzern betreibt derzeit 18 Offshore-Windparks, vier weitere befinden sich im Bau. Hinzu kommen Projekte in der Entwicklung sowie 6,9 Gigawatt gesicherte Kapazität aus der jüngsten Ausschreibungsrunde für Offshore-Wind in Großbritannien.

RWE-Aktie gewinnt 2,2 Prozent

An der Börse wurde die Einigung positiv aufgenommen. Die RWE-Aktie beendete den Xetra-Handel mit einem Plus von 2,2 Prozent. Damit bestätigt der RWE-Aktienkurs seine starke Entwicklung: Seit Ende 2025 legten die Papiere um rund ein Viertel zu und gehören im bisherigen Jahresverlauf zu den stärksten deutschen Standardwerten.

Für Anleger bedeutet die Vereinbarung vor allem mehr Klarheit über die US-Projekte. RWE erhält einen milliardenschweren Ausgleich und kann Kapital auf Vorhaben mit Umsetzungsperspektive konzentrieren. Gleichzeitig beendet der DAX-Wert Projekte, für die nach eigener Einschätzung keine Genehmigungsfähigkeit absehbar ist. Die positive Reaktion beim RWE-Aktienkurs zeigt, wie die Börse diesen Schritt zunächst bewertet. Damit bleibt die RWE-Aktie nach ihrer starken Entwicklung seit Ende 2025 im Fokus der Anleger.

RWE: Trump-Milliarden schaffen Klarheit – und die RWE-Aktie steigt

Mit dem Ausstieg aus den geplanten Offshore-Windprojekten zieht RWE Konsequenzen aus den politischen Rahmenbedingungen in den USA. Der Konzern erhält 1,22 Milliarden Dollar und kann Kapital auf Projekte mit verlässlicherer Umsetzungsperspektive konzentrieren. Gleichzeitig bleibt RWE außerhalb der USA im Offshore-Windgeschäft aktiv und plant umfangreiche Investitionen in den Vereinigten Staaten. Für Anleger steht zunächst die positive Börsenreaktion im Vordergrund: Die RWE-Aktie gewann 2,2 Prozent und setzt damit ihre starke Entwicklung fort. Seit Ende 2025 haben die Papiere rund ein Viertel zugelegt. Entscheidend bleibt, wie erfolgreich RWE seine geplanten Milliardeninvestitionen umsetzt und die Erzeugungskapazitäten in den USA ausbaut.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

DWN
Technologie
Technologie LLMjacking wird zur Kostenfalle für Unternehmen und zum Werkzeug für Hacker
10.09.2026

Ein gestohlener API-Schlüssel kann ausreichen, damit Kriminelle auf Kosten eines Unternehmens teure KI-Modelle nutzen. LLMjacking...

DWN
Finanzen
Finanzen Restaurant-Aktien: Zwei Wachstumswetten für die nächsten 20 Jahre
10.09.2026

Tech-Aktien gelten als erste Adresse für spektakuläres Wachstum. Doch zwei Restaurantketten aus den USA könnten Anlegern langfristig...

DWN
Politik
Politik Trump verspricht US-Wählern 5.000 Dollar pro Nase für Republikaner-Sieg
10.09.2026

Mit scharfen Worten schießen sich die Republikaner auf ihrem Parteitag auf die Demokraten ein. Akzente in der Innenpolitik sollen zum...

DWN
Politik
Politik Politisches Erdbeben in Deutschland als Warnsignal für den Rest Europas
10.09.2026

"Schock", "soziales und politisches Erdbeben", "entscheidender Moment für Deutschland": So beschrieben politische Analysten und ein Teil...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Teure Energie treibt Inflation auf fast drei Prozent
10.09.2026

Der Iran-Krieg hat Tanken und Heizen erheblich verteuert. Mit der vom Staat verordneten Entlastung an Deutschlands Tankstellen ist es...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien 2026: Nvidia, SAP und Co. sind laut Experten noch zu günstig
10.09.2026

Der KI-Boom hat viele Technologieaktien teuer gemacht. Doch ausgerechnet jetzt sieht Morningstar bei zwölf bekannten Unternehmen noch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Elon Musk: Was ist Mythos, was ist wahr?
10.09.2026

Eric Jorgenson, Autor von „Der Almanach von Elon Musk“, über den Mann hinter dem Mythos: Wie denkt Musk wirklich? Was treibt ihn an...

DWN
Technologie
Technologie KI-Arbeitsmarkt: Warum die große Jobangst falsch sein könnte
10.09.2026

Künstliche Intelligenz bedroht Millionen Jobs, so lautet die große Sorge. Googles Chefökonom Fabien Curto Millet hält dagegen und...