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Toyota RAV4 im Test: Weniger PS, mehr Argumente

Der Toyota RAV4 bleibt ein äußerst vernünftiger Familien-SUV mit sparsamem Hybridantrieb, viel Platz und guter Alltagstauglichkeit. Die GR-Sport-Ausstattung bringt mehr Optik und ein strafferes Fahrwerk, macht den Wagen aber nicht zum Sportmodell. Überraschend ist vor allem, dass die neue Hybridgeneration weniger Leistung bietet als der Vorgänger.
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21.08.2026 16:00
Lesezeit: 7 min
Toyota RAV4 im Test: Weniger PS, mehr Argumente
Toyota RAV4 GR Sport im Test: Sparsamer Hybrid mit Komfort-Kompromiss. (Foto: Marko Čopi)

RAV4 bleibt Familien-SUV, doch Toyota nimmt Leistung heraus

Der Toyota RAV4 bleibt einer der meistverkauften SUVs der Welt und ändert auch nach der jüngsten Überarbeitung nicht das Rezept, das ihn an die Spitze gebracht hat. Er setzt weiterhin auf einen bewährten atmosphärischen Hybridantrieb, eine geräumige Kabine, gute Nutzbarkeit und vorbildliche Zuverlässigkeit.

Die Version GR Sport ergänzt einen etwas sportlicheren Auftritt und ein strafferes Fahrwerk. Unter der Oberfläche bleibt der RAV4 aber vor allem ein rationaler Familien-SUV. Die größte Überraschung der neuen Generation ist nicht das Design, sondern die Tatsache, dass der Hybridantrieb fast 30 PS weniger leistet als beim Vorgänger.

Auf den ersten Blick ist der RAV4 seiner bekannten kantigen Silhouette treu geblieben. Die Designer suchten keine Revolution, sondern verbesserten Details. Die Front wirkt entschlossener, die Kotflügel sind stärker ausgeprägt, das Heck breiter und selbstbewusster. Die Version GR Sport rückt das Auto mit einigen sportlichen Akzenten optisch näher an die leistungsstärkeren Modelle von Gazoo Racing heran, bleibt aber zurückhaltend genug, um nicht übertrieben zu wirken.

Die großen 20-Zoll-Räder füllen die Radhäuser schön aus, bringen jedoch auch einen Kompromiss mit sich. Auf glattem Asphalt verbessern sie die Reaktionsfreude, bei kurzen Querfugen verliert das Fahrwerk aber einen Teil seiner Geschmeidigkeit. Deshalb scheint es, dass eine normale Version mit kleineren Rädern auf slowenischen Straßen eine etwas ausgewogenere Kombination aus Komfort und Lenkpräzision bieten würde.

Hybrid setzt auf Effizienz

Eine der überraschenderen Entscheidungen Toyotas betrifft den neuen Hybridantrieb. Der allradgetriebene RAV4 Hybrid entwickelte in der vorherigen Generation eine Systemleistung von 163 Kilowatt beziehungsweise 222 PS. Der neue kommt auf 143 Kilowatt beziehungsweise 194 PS. Das bedeutet fast 30 PS weniger, was in einer Zeit, in der Hersteller bei Überarbeitungen normalerweise mehr Leistung anbieten, eine recht ungewöhnliche Entscheidung ist.

Toyota erklärt, der neue Antriebsstrang sei vor allem auf höhere Effizienz, geringere Emissionen und kultivierteres Arbeiten ausgelegt. Der Antrieb kombiniert weiterhin einen 2,5-Liter-Saugbenziner, zwei Elektromotoren und eine Lithium-Ionen-Batterie. Die Hinterachse kann von einem separaten Elektromotor angetrieben werden, daher gibt es zwischen den Achsen keine mechanische Verbindung.

Ein anderer Allradantrieb

Toyota verwendet für diese Lösung die Bezeichnung AWD-i. Der hintere Elektromotor schaltet sich vor allem beim Anfahren, bei stärkerer Beschleunigung, auf nassem oder verschneitem Untergrund sowie dann automatisch zu, wenn die Vorderräder Haftung verlieren. Da die Hinterachse keine Kardanwelle hat, ist das System leichter und effizienter als ein klassischer Allradantrieb. Für anspruchsvolle Geländefahrten ist es jedoch nicht gedacht. Seine Aufgabe besteht vor allem darin, Traktion und Stabilität im Alltag zu verbessern.

Auf der Straße fällt der Leistungsrückgang weniger stark auf, als es die Zahlen vermuten lassen. Die Reaktion beim Anfahren bleibt sehr gut, die Elektromotoren unterstützen den Benziner wirksam, und die Übergänge zwischen elektrischem und benzinbetriebenem Fahren sind nahezu unmerklich. Bei entschlossener Beschleunigung und vor allem bei höheren Geschwindigkeiten wird jedoch klar, dass dem neuen RAV4 etwas von jener Reserve fehlt, die der Vorgänger bot. Dann muss der Benzinmotor häufiger mit höheren Drehzahlen arbeiten, was die Geräuschentwicklung deutlich erhöht und ein recht unangenehmes Motorgeräusch erzeugt.

Die größte Stärke des neuen Antriebs ist deshalb nicht die Leistung, sondern die Effizienz. In der Stadt fährt der RAV4 über weite Strecken elektrisch. Bei ruhiger Fahrweise lässt sich der Verbrauch nahe sechs Litern halten, im normalen Mischverkehr bewegt er sich zwischen 6,0 und 6,7 Litern auf 100 Kilometer. Für einen rund 1,7 Tonnen schweren allradgetriebenen SUV ist das ein sehr gutes Ergebnis.

Trotzdem bleibt die Frage, ob Käufer eines Autos, das mehr als 54.000 Euro kostet, nicht zu Recht erwarten würden, dass eine neue Generation neben geringerem Verbrauch auch mindestens die gleiche Leistung bietet wie die vorherige. Gerade die Verringerung der Systemleistung ist eine der wenigen Entscheidungen beim neuen RAV4, die schwer als Fortschritt zu bezeichnen ist.

Mehr Selbstbewusstsein, aber nicht mehr Sportlichkeit

Die Version GR Sport bringt ein etwas anders abgestimmtes Fahrwerk und eine geänderte Lenkung. Der RAV4 neigt sich in Kurven weniger als die normalen Versionen, Richtungswechsel gelingen etwas präziser, und das Lenkradgefühl ist direkter. Den Grundcharakter des Autos ändert das jedoch nicht.

Die Lenkung bleibt leichtgängig und angenehm im Alltag, vermittelt dem Fahrer aber nicht viele Informationen darüber, was unter den Vorderrädern geschieht. Auch die Masse des Autos ist in schnelleren Kurven deutlich spürbar. Der RAV4 ist deshalb kein Auto, das den Fahrer zu sportlichem Fahren animiert. Er vermittelt vor allem Sicherheit und Berechenbarkeit.

514 Liter

fasst der Kofferraum des RAV4 bereits in der Grundkonfiguration

5,7 Liter

betrug der durchschnittliche Benzinverbrauch im Test

54.100 Euro

kostet der hybride RAV4 mit GR-Sport-Ausstattung

Der elektrische Allradantrieb verbessert die Traktion vor allem auf rutschigem Untergrund und beim Anfahren, erzeugt aber nicht das Gefühl eines permanenten Allradantriebs. Das System arbeitet die meiste Zeit völlig unauffällig und schaltet sich nur dann zu, wenn es nötig ist. Gerade in dieser Unauffälligkeit liegt seine größte Stärke.

Geräumige und durchdachte Kabine

Der Innenraum ist typisch Toyota. Die Ergonomie ist sehr gut, die Sitzposition am Steuer natürlich, die digitalen Instrumente sind übersichtlich, und der zentrale 12,9-Zoll-Bildschirm reagiert ausreichend schnell und lässt sich einfach bedienen. Positiv ist, dass Toyota physische Schalter für die Klimaanlage beibehalten hat. Die wichtigsten Funktionen müssen daher nicht in Menüs gesucht werden.

Die Verarbeitungsqualität ist sehr gut, die Materialien überzeugen jedoch nicht überall gleichermaßen. Der obere Teil des Armaturenbretts wirkt hochwertig, weiter unten in der Kabine findet sich aber noch recht viel Hartplastik. Bei einem Auto dieser Preisklasse dürfte man ein etwas edleres Gefühl erwarten.

Der RAV4 bleibt einer der praktischsten SUVs seiner Klasse. Auf der Rückbank gibt es viel Kopf- und Kniefreiheit, weit öffnende Türen erleichtern das Einbauen von Kindersitzen, und der Kofferraum mit 514 Litern Volumen reicht für die Bedürfnisse der meisten Familien. Besonders hervorzuheben ist auch die zulässige Anhängelast von bis zu zwei Tonnen für gebremste Anhänger, die bei Hybriden weiterhin selten ist.

Was bedeutet GR Sport?

GR Sport ist bei Toyota nicht gleichbedeutend mit den GR-Modellen von Gazoo Racing, sondern steht für ein sportlich gestaltetes Ausstattungspaket. Motor, Hybridsystem und Allradantrieb bleiben gleich wie bei anderen Versionen. Toyota verändert vor allem die Optik und die Fahrwerksabstimmung.

Außen erkennt man die Version an anders gestalteten Stoßfängern, einem speziellen Kühlergrill, schwarzen Karosserieanbauteilen, breiteren Radlaufverkleidungen, dunklen Emblemen und 20-Zoll-Aluminiumrädern. Im Innenraum gibt es Sportsitze mit besonderer Polsterung, rote Kontrastnähte, ein Sportlenkrad mit GR-Zeichen und Aluminiumpedale.

Wichtiger als die Optik sind die Änderungen am Fahrwerk. Toyota hat Federn, Dämpfer und die elektrische Servolenkung angepasst. Dadurch neigt sich die Karosserie etwas weniger, die Reaktionen fallen direkter aus. Die Unterschiede sind spürbar, machen das Auto aber nicht zu einem sportlichen SUV. Der größte Kompromiss sind die großen 20-Zoll-Räder, die auf schlechterem Asphalt den Komfort deutlicher verringern. GR Sport ist deshalb vor allem der attraktivste und am besten ausgestattete RAV4, nicht aber der leistungsstärkste.

Weiterhin ein sehr guter Familien-SUV

Der Toyota RAV4 bleibt einer der rundesten Familien-SUVs auf dem Markt. Zu seinen Stärken zählen ein sehr effizienter Hybridantrieb, eine geräumige Kabine, ausgezeichnete Ergonomie, hohe Alltagstauglichkeit und traditionell gute Zuverlässigkeit. Auch das AWD-i-System erweist sich in der Praxis als sinnvolle Lösung für Fahrer, die häufig auf nassen, verschneiten oder unbefestigten Straßen unterwegs sind.

Auf der anderen Seite ist der neue RAV4 nicht frei von Schwächen. Bei starkem Beschleunigen wird der Motor laut, die großen Räder mindern den Komfort etwas, und der Innenraum rechtfertigt an manchen Stellen den gehobenen Preis nicht ganz.

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