Wirtschaft

Firmensterben so ausgeprägt wie seit fast 20 Jahren nicht

Deutschlands Wirtschaft verliert immer mehr Unternehmen: 187.744 Firmen gaben im vergangenen Jahr auf, so viele wie seit fast 20 Jahren nicht. Die Krise erfasst längst nicht mehr nur schwache Betriebe – selbst gesunde Unternehmen ziehen die Reißleine.
18.08.2026 10:41
Lesezeit: 2 min
Firmensterben so ausgeprägt wie seit fast 20 Jahren nicht
Firmensterben: Hohe Kosten, Fachkräftemangel und fehlende Nachfolger setzen immer mehr Betriebe unter Druck. (Foto: dpa) Foto: Fernando Gutierrez-Juarez

Immer mehr Unternehmen geben auf

Teure Energie, Fachkräftemangel, fehlende Nachfolge: 187.744 Unternehmen in Deutschland haben im vergangenen Jahr aufgegeben – so viele wie seit fast 20 Jahren nicht. Verglichen mit dem Vorjahr stieg die Zahl um knapp zehn Prozent, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform und das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim in ihrer jährlichen gemeinsamen Analyse feststellen.

Die Zahlen der Vorjahre wurden auf erweiterter Basis neu berechnet. Mehr Unternehmensschließungen bundesweit weist die Zeitreihe zuletzt für das Jahr 2007 mit fast 208.000 Fällen aus. 2025 gab es den zweiten Anstieg in Folge.

"Die Krisendynamik frisst sich mittlerweile durch die gesamte Breite der Wirtschaft", sagt der Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. "Anders als in früheren Jahren beenden nun auch eigentlich gesunde Firmen ihre Geschäftstätigkeit."

Viele Gastwirte geben auf

In fast allen Branchen stiegen der Analyse zufolge binnen Jahresfrist die Schließungszahlen – besonders stark im Gastgewerbe: 2025 machten etwa 15.000 Gaststätten und Beherbergungsunternehmen dicht, 15 Prozent mehr als 2024.

"Der im Vergleich zu anderen Branchen niedrigere Mehrwertsteuersatz, den die Bundesregierung zur Unterstützung des Gastgewerbes eingeführt hat, konnte offenbar die prekäre Situation in dieser Branche nicht abmildern", heißt es in der Analyse. Seit dem 1. Januar 2026 gilt in der Gastronomie in Deutschland ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen.

Arztpraxen machen nicht nur auf dem Land dicht

Im Gesundheitswesen setzte sich die seit etwa zehn Jahren zu beobachtende Negativentwicklung fort: Die Zahl der Schließungen in diesem Bereich liegt mit knapp 11.000 mittlerweile etwa doppelt so hoch wie im Jahr 2008. Allein knapp 5.500 Arztpraxen und damit fast ein Viertel (23 Prozent) mehr als 2024 schlossen im vergangenen Jahr – häufig, weil Ärztinnen und Ärzte in den Ruhestand gehen und niemanden finden, der ihre Praxis fortführt.

Deutsche Wirtschaft in der "Krisenzange"

In der Industrie traf es etwa 11.000 Betriebe und damit zehn Prozent mehr als vor Jahresfrist. Creditreform-Experte Hantzsch hatte jüngst mit Blick auf steigende Insolvenzzahlen von einer "Krisenzange" gesprochen, die die deutsche Wirtschaft "von zwei Seiten packt und schädigt": einerseits geopolitische Verwerfungen wie der Iran-Krieg oder die US-Zölle, andererseits hohe Energiepreise und viel Bürokratie im Inland.

ZEW-Forscherin Sandra Gottschalk weist allerdings darauf hin, dass gerade einmal 13 Prozent der fast 190.000 erfassten Schließungen im vergangenen Jahr auf ein Insolvenzverfahren zurückgingen. Die Mehrzahl der Geschäftsaufgaben erfolge nahezu geräuschlos.

"Immer mehr Betriebe schließen, weil Firmeninhaber in den Ruhestand gehen und keinen Nachfolger finden. Fast ein Drittel aller freiwilligen Schließungen erfolgt mittlerweile aus Altersgründen – deutlich mehr als noch vor zehn oder 15 Jahren", erläutert Gottschalk.

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