Wirtschaft

Arbeitsmarkttrend „Boomerang Hiring“ – erst gekündigt, dann zurückgeholt

Die Wiedereinstellung ehemaliger Arbeitnehmer wird auch in Deutschland zum wachsenden Trend auf dem Arbeitsmarkt: Wie Arbeitgeber mit Boomerang Hiring oder Rehiring ehemalige Beschäftigte zurückholen und so Fachkräftemangel und Kostendruck bewältigen können.
27.09.2026 10:44
Aktualisiert: 27.09.2026 15:11
Lesezeit: 4 min
Arbeitsmarkttrend „Boomerang Hiring“ – erst gekündigt, dann zurückgeholt
Boomerang Hiring: Wiedereinstellung to go? Die „Liebe auf den zweiten Blick“ muss nicht einseitig sein. Warum der Recruting-Trend für Arbeitgeber immer wichtiger wird. (Foto: iStock/Credit:SmileStudioAP) Foto: SmileStudioAP

Arbeitsmarkttrend „Boomerang Hiring“ – erst gekündigt, dann zurückgeholt

Für immer mehr Ex-Angestellte ist es in Zeiten von Stellenabbau und Wirtschaftskrise schwierig, einen neuen Job zu finden. Warum nicht noch mal bei der alten Firma anklopfen? Wenn Mitarbeitende eine Firma im Guten verlassen, heißt das nicht, dass die Tür für immer zu ist. Denn die Rückkehr zum ehemaligen Arbeitgeber kann einige Vorteile bieten: Bewerber kennen das Unternehmen bereits und verfügen dort über Kontakte. Damit stehen Mitarbeiter, die ein Unternehmen verlassen und später an ihren vorherigen Arbeitsplatz zurückkehren, zunehmend im Fokus der Arbeitgeber. Warum mühsam extern suchen, wenn qualifizierte Ehemalige mit Unternehmenskenntnis bereitstehen?

Boomerang Recruiting: Der Gamechanger für Unternehmen?

Jahrelang galt: Wer geht, geht für immer. Doch diese Einstellung ist nicht mehr zeitgemäß. Unternehmen investieren hohe Summen in das Recruiting neuer Mitarbeitender, während ehemalige Talente – die bereits die Unternehmenskultur und Prozesse kennen – oft ungenutzt bleiben.

Der neue Recruiting-Trend lässt sich zuerst auf dem US-Arbeitsmarkt erkennen. In den USA waren Ende 2025 laut den jüngsten Zahlen des Arbeitsmarktdaten-Analyseunternehmens Revelio Labs 3,4 Prozent der neu eingestellten Mitarbeiter sogenannte Boomerangs. Bereits 2023 lag die Boomerang-Quote in gleicher Höhe, gegenüber dem Wert von 2018 (2,6 Prozent) liegt jedoch eine deutliche Steigerung vor.

Auch die Daten des Personaldienstleisters Deel belegen eine deutliche Zunahme dieses Phänomens. Demnach haben sich die Wiedereinstellungen im Zeitraum zwischen 2024 und 2026 verdoppelt. Der US-Anbieter von HR- und Gehaltsabrechnungslösungen beschäftigt weltweit mehr als 7000 Menschen und erhielt nach eigenen Angaben 2025 rund 1,3 Millionen Bewerbungen.

Warum Unternehmen ihre Ex-Mitarbeiter zurückhaben wollen

Dieser Trend spiegelt eine Verschiebung am Arbeitsmarkt wider, in der die Fluktuation nicht mehr als endgültiger Abschied, sondern als Teil einer längeren Karrierebeziehung betrachtet wird.

Der Kerngedanke besteht darin, die Fachkräfte zu einem späteren Zeitpunkt mit erweiterten Kompetenzen und neuen Perspektiven wieder in das Unternehmen zu integrieren. Diese Herangehensweise setzt natürlich voraus, dass Trennungen im gegenseitigen Einvernehmen erfolgen und der Kontakt zu den Ehemaligen aufrechterhalten wird.

Da eine Rückkehr bisher oft mit gemischten Gefühlen einhergeht, haben einige Großunternehmen schon in der Vergangenheit kreative Wege beschritten, um die Bindung zu früheren Angestellten zu stärken. So wurde bekannt, dass der Softwarekonzern Salesforce im Jahr 2023 gezielte Maßnahmen ergriff, um Rückkehrer zu umwerben. Dabei wurden unter anderem Stofftiere als symbolische Geste eingesetzt, um die emotionale Verbindung zum Unternehmen zu reaktivieren und die Hemmschwelle für eine erneute Bewerbung zu senken.

Früher galt eine Kündigung oft als endgültiger Bruch. Diese negative Behaftung ändert sich jetzt – eine positive Entwicklung, die auch nach Deutschland kommt. Hierzulande spricht man dann von einer "Wiedereinstellung".

Fachkräftemangel und demografischer Wandel bringen Boomerang Hiring nach Deutschland

Die Wiedereinstellung ehemaliger Arbeitnehmer wird auch in Deutschland zum wachsenden Trend, denn der demografische Wandel und der "War for Talent" treiben Unternehmen in die Enge. Immer mehr erfahrene Babyboomer gehen in Rente, während zu wenige junge Fachkräfte nachrücken. Entsprechend schauen sich HR-Abteilungen auch hierzulande nach neuen Lösungen um – und stoßen dabei auf ehemalige Mitarbeiter als wertvolle Ressource. Tatsächlich signalisieren Umfragen auch in Deutschland eine steigende Offenheit ehemaliger Mitarbeiter für Rückkehr:

Laut einer Studie der Königsteiner Gruppe können sich 43 Prozent der befragten Angestellten (über alle Altersgruppen) vorstellen, zum früheren Arbeitgeber zurückzukehren. Gleichzeitig haben bislang nur rund 5  Prozent diesen Schritt auch tatsächlich gemacht.

Die Diskrepanz zeigt: Es gibt ein großes Potenzial an wechselwilligen Ehemaligen, das viele Firmen noch nicht ausschöpfen. Aber die Bereitschaft ist da – und wächst vor allem bei jüngeren Generationen:

In einer internationalen Umfrage gaben 46  Prozent der Millennials an, dass sie eine Rückkehr in Betracht ziehen würden. Zum Vergleich: 33  Prozent sind es bei Gen X und immerhin 29  Prozent bei den Babyboomer. Junge Talente sind also besonders offen für einen solchen Schritt, was Boomerang Hiring in Zukunft weiter begünstigen dürfte.

Boomerang Hiring: Vor- und Nachteile auf einen Blick

Jahrelang fühlte sich ein Jobwechsel oft an wie ein Abschied von einem früheren Arbeitgeber. Die Rückkehr galt mitunter als Zeichen dafür, dass die neue Chance gescheitert war – oder dass es dem Mitarbeiter an Loyalität oder Zielstrebigkeit mangelte. Doch dieses Stigma verschwindet, da immer mehr Arbeitnehmer zu ihren ehemaligen Arbeitgebern zurückkehren. Im Gegenzug reduziert die Praxis des Boomerang Hirings für Unternehmen das Risiko von Fehlbesetzungen, da die Arbeitsweise und die soziale Integration der betreffenden Personen bereits bekannt sind. Doch eine Wiedereinstellung ist nicht in jedem Fall ein Gewinn.

Fazit: Wiedereinstellung – eine Win-win-Strategie

Immer mehr ehemalige Angestellte kehren zu ihren früheren Arbeitgebern zurück und legen damit alte Vorurteile ab. Diese Entwicklung spiegelt ein vorsichtiges Einstellungsklima wider, in dem Arbeitnehmer Stabilität und bessere Karrierechancen priorisieren. Unternehmen profitieren von vertrauten Talenten, einem schnelleren Onboarding und den neuen Kompetenzen zurückkehrender Mitarbeiter. Entscheidend ist jedoch, den neuen alten Mitarbeitern nicht das Gefühl zu geben, weniger wertgeschätzt zu werden, wenn sie zurückkehren, und ein positives Arbeitsumfeld für die Rückkehrer zu schaffen – dabei dürfen sich die langjährigen und loyalen Mitarbeiter ebenfalls nicht zurückgesetzt fühlen.

Zukünftig könnte Boomerang Hiring mehr und mehr als normaler Bestandteil moderner Karrierewege angesehen werden. Denn nicht jeder Abschied muss für immer sein, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer entdecken, dass eine erneute Zusammenarbeit durchaus sinnvoll sein kann. In dem Sinne: Sag’ niemals nie!

Wie ein kluges Offboarding einer erfolgreichen "Wiedereinstellung to go" unterstützen kann, erfahren Sie auch auf den Seiten der Bundesagentur für Arbeit.

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Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

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