LPKF-Aktie bricht ein: Umsatz- und Margenziele deutlich reduziert
LPKF erwartet für das laufende Geschäftsjahr nur noch einen Konzernumsatz zwischen 93 und 100 Millionen Euro. Bislang hatte der Vorstand 105 bis 120 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Auch die Ergebnisprognose wurde zurückgenommen: Die bereinigte EBIT-Marge soll nun zwischen minus 7,0 und minus 2,5 Prozent liegen. Zuvor reichte der Zielkorridor von minus 3,0 bis plus 4,5 Prozent.
Als wesentlichen Grund nennt LPKF einen größeren Solarauftrag, der voraussichtlich nicht mehr rechtzeitig eingehen wird, um noch 2026 umsatzwirksam zu werden. Zusätzlich sollen Bestellungen im Zusammenhang mit dem Einstieg in den Advanced-Packaging-Markt später als geplant eintreffen und deshalb erst im kommenden Geschäftsjahr zum Umsatz beitragen. Andere Geschäftsbereiche können diese Verschiebungen nach Angaben des Vorstands nicht kompensieren.
Das laufende Effizienzprogramm übertreffe bei den Kostensenkungen zwar die bisherigen Zielwerte. Die operative Schwäche lasse sich dadurch aber nicht vollständig auffangen. Im Rahmen des Transformationsprogramms „North Star“ rechnet LPKF 2026 außerdem mit außergewöhnlich hohen Restrukturierungskosten von rund drei bis vier Prozent des Umsatzes.
LPKF-Aktie gibt einen Teil der jüngsten Gewinne ab
Die Reaktion an der Börse fiel deutlich aus. Im XETRA-Handel verlor die LPKF-Aktie über zehn Prozent und rutschte zeitweise ab auf 13,40 Euro. Der LPKF-Aktienkurs hatte den vorherigen Handelstag bei 15,75 Euro beendet. An anderen Handelsplätzen fielen die Abschläge zeitweise noch größer aus, wobei die Kurse während des laufenden Handels erheblich schwankten.
Damit wird die jüngste Erholung teilweise wieder zurückgenommen. Erst am 23. September hatte die LPKF-Aktie nach einer positiven Nachricht aus dem Halbleitergeschäft zweistellig zugelegt. Ein führender asiatischer Hersteller von Advanced-Semiconductor-Packaging hatte eine Absichtserklärung über den Kauf von NEXAR-LIDE-Systemen abgegeben. Das potenzielle Volumen liegt im mittleren einstelligen Millionen-Euro-Bereich.
Der Kunde nutzt bereits eine LPKF-Anlage und hat die LIDE-Technologie nach Unternehmensangaben vollständig qualifiziert. Die geplanten Systeme sollen beim Aufbau einer Produktionsstätte für Glassubstrate eingesetzt werden. Die heutige Prognosesenkung zeigt jedoch, dass technologische Qualifikation, Bestelleingang und Umsatzrealisierung zeitlich deutlich auseinanderliegen können.
Schwaches erstes Halbjahr erhöht den Druck auf die LPKF-Aktie
Die gesenkte Prognose trifft auf eine bereits angespannte operative Ausgangslage. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Konzernumsatz um 38,3 Prozent auf 36,5 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT verschlechterte sich von minus 0,7 Millionen auf minus 10,4 Millionen Euro. Besonders das Solargeschäft litt unter der Investitionszurückhaltung der Kunden und dem noch ausstehenden Technologiewechsel zu Perowskit-Solarzellen.
Zum 30. Juni verfügte LPKF über einen Auftragsbestand von 34,7 Millionen Euro. Der Auftragseingang lag mit 44,0 Millionen Euro leicht über dem Vorjahreswert. Diese Zahlen hatten den Vorstand im Juli noch zur Bestätigung der bisherigen Jahresprognose veranlasst.
Was die Entwicklung für Anleger bedeutet
Für Anleger verschiebt sich der Fokus erneut von der technologischen Perspektive auf die Frage der Umsetzung. LIDE bleibt die zentrale Wachstumsstory von LPKF. Das Unternehmen schätzt den bis 2030 adressierbaren Markt für seine Glasbearbeitungslösungen auf rund 1,7 Milliarden Euro. Die Verzögerungen machen jedoch deutlich, dass der Hochlauf des Geschäfts schwer planbar bleibt.
Auch mögliche Finanzierungsmaßnahmen verdienen Aufmerksamkeit. LPKF hatte zuletzt erklärt, zur Stärkung seiner internationalen Präsenz verschiedene Optionen einschließlich einer möglichen Kapitalerhöhung zu prüfen. Das könnte zusätzliche Wachstumskapazitäten schaffen, zugleich aber bestehende Aktionäre verwässern.
Das Kursziel von 23,50 Euro und die Kaufempfehlung von Warburg Research stammen vom 27. Juli und damit aus der Zeit vor der aktuellen Prognosesenkung. Eine neue Analystenbewertung liegt zunächst nicht vor.
LPKF-Aktie: Wie Anleger nun reagieren sollten
Die LPKF-Aktie bleibt von der Hoffnung auf glasbasiertes Advanced Packaging und Anwendungen für Hochleistungsrechner und künstliche Intelligenz geprägt. Kurzfristig überwiegt jedoch die operative Belastung: niedrigere Erlöse, eine klar negative Margenprognose und verschobene Aufträge erhöhen das Ausführungsrisiko. Entscheidend wird sein, ob die angekündigten Bestellungen tatsächlich eingehen und 2027 wie erwartet in Umsatz umgewandelt werden können.


