Goldpreis stabilisiert sich vor US-Inflationsdaten: Seitwärtsstart nach kräftiger Gegenbewegung
Der Goldpreis lag am Mittwoch eine halbe Stunde vor dem Handelsstart an den europäischen Aktienmärkten bei annähernd 4.180 US-Dollar beziehungsweise 3.683 Euro je Feinunze. Das entsprach einem kleinen Minus von annähernd 0,05 Prozent in Dollar und 0,10 Prozent in Euro.
Die Gegenbewegung folgt auf den Einbruch vom Montag, als das gelbe Edelmetall zeitweise mehr als vier Prozent verlor. Eine nachhaltige Trendwende lässt sich für den Goldpreis aktuell daraus noch nicht ableiten. Am Mittwochmorgen lag die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen im asiatischen Handel bei etwa 5,23 Prozent und damit nahe dem höchsten Stand seit 2007. Im September summiert sich der Anstieg auf fast 50 Basispunkte, berichtete Reuters.
Für unverzinstes Gold erhöhen solche Renditen die Opportunitätskosten. Zugleich stand der Dollar nahe seinem Jahreshoch zum Euro und steuerte auf den stärksten Monatsgewinn gegenüber der Gemeinschaftswährung seit 14 Monaten zu. Die Gold-Preisentwicklung bleibt damit von zwei Gegenwinden geprägt: teureres Halten im Vergleich zu Anleihen und ein festerer Dollar, der das Metall für Käufer außerhalb des Dollarraums verteuert.
Goldpreis wartet auf den PCE-Impuls
Der nächste potenzielle Richtungsgeber folgt um 14:30 Uhr MESZ. Dann veröffentlicht das US Bureau of Economic Analysis die Daten zu Einkommen, Konsumausgaben und zum PCE-Preisindex für August. Der offizielle BEA-Kalender nennt 08:30 Uhr US-Ostküstenzeit, das entspricht 14:30 Uhr hierzulande. Im Juli war der PCE-Index gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent gestiegen; ohne Energie und Lebensmittel waren es ebenfalls 0,2 Prozent. Im Jahresvergleich lag die Kernrate bei 3,3 Prozent, wie die vorherige BEA-Mitteilung ausweist.
Der Goldpreis aktuell reagiert besonders sensibel darauf, ob die Daten den Kurs der US-Notenbank bestätigen. Die Federal Reserve hatte den Zielkorridor am 16. September um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben und die Inflation als erhöht bezeichnet. Das geht aus der FOMC-Erklärung hervor. Ein überraschend hoher Inflationswert könnte Renditen und Dollar weiter stützen; ein schwächerer Wert könnte umgekehrt Entlastung bringen. Beides ist eine Szenarioanalyse, keine sichere Prognose.
Öl und Nahostrisiken wirken in beide Richtungen auf den Goldpreis
Die Gold-Preisentwicklung wird zusätzlich vom Ölmarkt überlagert. In einem in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch veröffentlichten Bericht notierten Brent-Futures bei 103,73 Dollar je Barrel, nachdem US-Präsident Donald Trump eine Lockerung der Iran-Sanktionen ausgeschlossen hatte. Zugleich hatten zeitweise nachlassende Rohölpreise die Sorge vor zusätzlicher Energieinflation gedämpft.
Geopolitische Risiken können die Nachfrage nach sicheren Häfen stärken. Steigende Energiepreise können jedoch zugleich Inflationserwartungen und Anleiherenditen erhöhen. Für den Goldkurs ist der Konflikt deshalb kurzfristig kein eindeutig positiver Faktor. Entscheidend ist, welcher Übertragungskanal am Markt dominiert.
Monatsbilanz mahnt zur Vorsicht
Trotz der Erholung vom Dienstag bleibt das Monatsbild schwach. Der Goldpreis weist für September ein Minus von rund 6,2 Prozent in Dollar und über 3,8 Prozent in Euro aus. Der Währungsunterschied zeigt, dass deutsche Anleger neben dem Metall auch den Euro-Dollar-Kurs beachten müssen. Die Goldpreis-Entwicklung in Euro fiel weniger negativ aus, weil der Dollar gegenüber dem Euro zulegte.
Nach den PCE-Daten folgt bereits am Freitag um 14:30 Uhr MESZ der US-Arbeitsmarktbericht für September. Den Termin bestätigt der Kalender des Bureau of Labor Statistics. Bis dahin dürfte jede neue Zinswette die Schwankungen verstärken.
Goldpreis: Stabilisierung ist noch keine Trendwende
Gold hat sich nach dem Montagsrutsch gefangen, doch die Belastungsfaktoren sind nicht verschwunden. Rund 4.175 Dollar je Feinunze markieren am Mittwochmorgen eine Stabilisierung, während zehnjährige US-Renditen um 5,23 Prozent und der feste Dollar die Erholung begrenzen. Für deutsche Privatanleger ist zudem wichtig, dass das Septemberminus in Euro kleiner ausfällt als in Dollar. Der PCE-Bericht am Mittwochnachmittag und der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag können die Zinserwartungen neu justieren. Damit bleibt die Goldpreis-Entwicklung kurzfristig datenabhängig und schwankungsanfällig. Eine einzelne Gegenbewegung liefert noch kein belastbares Signal für eine dauerhafte Wende, ebenso wenig wäre ein weiterer Rücksetzer allein ein Beleg für einen neuen langfristigen Abwärtstrend.


