Finanzen

Trade Republic lockt Sparer mit kostenlosem Altersvorsorgedepot

Keine Depotgebühren, kostenlose ETFs und staatliche Zuschüsse: Trade Republic will das Altersvorsorgedepot besonders günstig machen. Doch wie verdient der Neobroker damit Geld, welche Kosten bleiben und wie viel können Sparer tatsächlich profitieren?
13.10.2026 08:40
Aktualisiert: 13.10.2026 08:40
Lesezeit: 8 min
Trade Republic lockt Sparer mit kostenlosem Altersvorsorgedepot
Das Altersvorsorgedepot soll private Vorsorge erleichtern. Trade Republic setzt dabei auf kostenlose ETFs und staatliche Förderung. (Bild: ChatGPT)

Trade Republic: Altersvorsorgedepot kostenlos

Der Wettbewerb um das neue Altersvorsorgedepot verschärft sich. Trade Republic hat seine Konditionen vorgestellt und setzt auf ein besonders günstiges Angebot. Ab Januar 2027 können Sparer mit staatlicher Förderung in ETFs, Fonds und Anleihen für das Alter investieren.

"Wir machen das komplett kostenlose Altersvorsorgedepot möglich", sagte Trade-Republic-Mitgründer Christian Hecker der "Wirtschafts-Woche". Dass der Neobroker günstige Konditionen anbieten würde, hatte die Finanzbranche bereits erwartet. Mit seinem neuen Angebot geht das Unternehmen nun teilweise über die Konkurrenz hinaus.

Wie viele andere Anbieter verzichtet Trade Republic auf Depot- und Ausführungskosten. Darüber hinaus sollen bei mehr als 50 ausgewählten ETFs die laufenden Produktgebühren entfallen. Diese betragen bei Indexfonds üblicherweise bis zu 0,2 Prozent. Wer andere ETFs oder aktive Fonds auswählt, die Trade Republic erstmals auf seiner Plattform anbietet, muss dagegen weiterhin die jeweiligen Produktkosten bezahlen.

Diese ETFs bietet Trade Republic kostenlos an

Die gebührenfreie Auswahl umfasst Fonds von BlackRock, DWS und Vanguard. Dazu zählen unter anderem ETFs auf den MSCI World, den FTSE All-World, den amerikanischen S&P 500, den europäischen Stoxx 600 und Schwellenländeraktien. Auch der im August gestartete Vanguard FTSE Global All-Cap ETF soll dazugehören. Er investiert laut Capital in mehr als 6.000 Aktien weltweit.

Das kostenlose Modell gilt sowohl für das Standarddepot als auch für das frei gestaltbare Altersvorsorgedepot. Beim Standarddepot legt der Anbieter die Aufteilung zwischen chancenreichen und risikoarmen Anlagen fest. Für diese Variante hat der Gesetzgeber einen Kostendeckel von einem Prozent festgelegt. Beim freien Altersvorsorgedepot können Anleger ihr Portfolio selbst zusammenstellen. Die Anbieter dürfen die Kosten für dieses Modell grundsätzlich selbst bestimmen.

Wer andere ETFs oder aktiv gemanagte Fonds auswählt, muss deren Produktkosten tragen. Dazu zählen nach Angaben von Hecker auch Fonds von Vermögensverwaltern wie Flossbach von Storch. Depotführungs- und Ausführungsgebühren entfallen unabhängig davon.

Trade Republic reinvestiert die Fondskosten

Bei mehr als 50 ETFs sollen die Fondskosten nicht nur entfallen, sondern monatlich reinvestiert werden. "Die Fondskosten bei mehr als 50 ETF entfallen und werden monatlich reinvestiert – damit jeder Euro bei den Kunden auch wirklich ankommt", erklärte Hecker.

Trade Republic nutzt dieses Modell bereits bei den Kinderdepots, die das Unternehmen im Vorjahr eingeführt hat. Wer Produktkosten spart und das Geld zusätzlich investiert, kann davon bei einem langen Anlagehorizont profitieren. Bis zum Renteneintritt kann das Endvermögen dadurch um mehrere Tausend Euro höher ausfallen.

Mit dem Angebot verschärft Trade Republic den Wettbewerb um das Altersvorsorgedepot. Scalable Capital hatte in der Vorwoche ebenfalls angekündigt, die Fondskosten bestimmter ETFs zu reinvestieren. Dort gilt das allerdings nur für das Depot für Selbstentscheider. Für das Standarddepot hatte Scalable im September jährliche Produktkosten von bis zu 0,15 Prozent angekündigt.

Auch bei der Erstattung unterscheiden sich die Modelle: Scalable Capital schreibt die Beträge quartalsweise gut, Trade Republic monatlich. Der zusätzliche Zinseszinseffekt durch die häufigeren Gutschriften bleibt selbst über Jahrzehnte allerdings gering.

Wie wirtschaftlich ist das kostenlose Altersvorsorgedepot?

In der Finanzbranche bestehen Zweifel, ob alle Anbieter ihre teilweise sehr niedrigen Preise dauerhaft halten können. Eine Umfrage der DWP Bank und des Finanzdienstleisters Lemon Markets unter 88 Finanzinstituten verdeutlicht die Bedenken: 28 Prozent der befragten Institute halten das gesetzlich auf ein Prozent gedeckelte Standarddepot für schwer oder kaum wirtschaftlich tragfähig. Weitere 52 Prozent können die Rentabilität noch nicht beurteilen. Trotzdem wollen 77 Prozent ein solches Depot anbieten.

Die Anbieter hoffen, Kunden langfristig an sich zu binden und ihnen später weitere Finanzprodukte verkaufen zu können. Auch Trade Republic setzt auf diesen Effekt. Viele Kunden nutzten im Laufe der Zeit zusätzliche Angebote, sagt Hecker.

Nach eigenen Angaben wickelt der Neobroker bereits rund 30 Millionen Sparpläne pro Quartal ab. Zusätzliche Sparpläne verursachten deshalb kaum weitere Kosten. Das Unternehmen könne sich auch Kunden leisten, die ausschließlich das kostenlose Altersvorsorgedepot nutzten.

Trade-Republic-Chef Hecker weist Zweifel an der Dauerhaftigkeit des Angebots zurück: "Das kostenlose Altersvorsorgedepot ist ein langfristiges Versprechen. So wie die Zinsen. Mit dem Altersvorsorgedepot verdienen wir kein Geld. Aber wir verlieren auch keins. Bei Trade Republic sind diese Konditionen nicht nur Marketing."

In einem weiteren Gespräch mit Capital betonte Hecker, es gebe keinen Plan, später Gebühren einzuführen. Sparer könnten ihr Vorsorgedepot zudem kostenlos zu einem anderen Anbieter übertragen.

Welche staatliche Förderung bietet das Altersvorsorgedepot?

Die staatliche Förderung ist ein zentraler Anreiz des neuen Vorsorgemodells. Laut Capital erhält, wer monatlich 150 Euro einzahlt, jährlich 540 Euro staatlichen Zuschuss. Hinzukommen können Kinderzulagen und steuerliche Vorteile.

Während der Ansparphase sollen Kapitalerträge steuerfrei bleiben. Erst die Auszahlungen im Ruhestand müssen versteuert werden. Die konkreten Förderansprüche hängen von den geltenden Voraussetzungen ab.

Sparer müssen das Altersvorsorgedepot trotz des Preiskampfs nicht unbedingt schon im Januar 2027 eröffnen. Laut Capital müssen sie die erforderlichen Beiträge für das Förderjahr nicht bereits zu Jahresbeginn einzahlen. Eine Einzahlung könne demnach noch bis zum 31. Dezember 2027 erfolgen. Anleger sollten die genauen Fristen und Voraussetzungen anhand der endgültigen gesetzlichen Regelungen prüfen.

Trade Republic will mit dem Altersvorsorgedepot neue Kunden gewinnen

Für Hecker ist die Einführung des Altersvorsorgedepots ein wichtiger Schritt. Der Unternehmensgründer warnt seit Jahren vor der Rentenlücke und betont, dass die gesetzliche Altersvorsorge allein nicht ausreichen werde. Deshalb müssten die Bürger zusätzlich privat vorsorgen.

Das neue Produkt eröffnet Trade Republic auch wirtschaftliche Chancen. Als einer der führenden Neobroker könnte das Unternehmen einen großen Anteil des neuen Marktes gewinnen. Wer das Altersvorsorgedepot neu nutzt, könnte später auch weitere Finanzprodukte des Anbieters in Anspruch nehmen.

Nach eigenen Angaben zählt Trade Republic fünf Millionen Kunden in Deutschland und zehn Millionen weltweit. Brancheninsider gehen von deutlich höheren Kundenzahlen aus.

Um neue Kunden zu gewinnen, setzt das Unternehmen auch auf Werbung. Bereits im Sommer hatte Trade Republic Amateurfußballvereinen vergünstigte Trikots angeboten, wenn diese für das neue Vorsorgeprodukt warben. Nach Angaben Heckers wurden rund 200.000 Trikots mit dem Schriftzug des Neobrokers bestellt. Das Budget für die Aktion sei nach wenigen Wochen verdoppelt worden.

Viele Bürger kennen das Altersvorsorgedepot noch nicht

Allerdings ist das neue Vorsorgemodell in der Bevölkerung bislang wenig bekannt. "Bislang gibt es zum Altersvorsorgedepot noch zu große Wissenslücken in der Bevölkerung", sagte Hecker. Eine vor zwei Wochen veröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hatte ergeben, dass viele Menschen nur wenig über das Altersvorsorgedepot wissen und wahrscheinlich keines eröffnen werden.

"Daran müssen wir arbeiten", erklärte Hecker. Trade Republic will deshalb in Kürze die größte Werbekampagne seiner Unternehmensgeschichte starten. Im Fernsehen, im Radio und auf Plakaten sollen Kunden ihre eigenen Erfahrungen mit dem Börsenhandel schildern. Damit setzt das Fintech neben prominenten Werbegesichtern wie Brad Pitt künftig verstärkt auf Geschichten aus dem Alltag seiner Kunden.

Für Verbraucher dürfte sich ein Vergleich der verschiedenen Anbieter lohnen. Mit dem Start des Altersvorsorgedepots im Januar 2027 könnte der Wettbewerb um die künftigen Vorsorgesparer erst richtig beginnen.

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