TSMC-Aktie: Chipfertiger erzielt dank KI-Boom Rekordgewinn
21 Milliarden Euro Gewinn in drei Monaten: TSMC verdient prächtig am KI-Boom. Für das Schlussquartal erwartet der Konzern aus Taiwan noch höhere Umsätze. Doch Anleger behalten auch die Risiken des milliardenschweren Ausbaus im Blick.
Der weltgrößte Chipauftragsfertiger TSMC hat im dritten Quartal einen weiteren Gewinnrekord aufgestellt und die Erwartungen der Experten übertroffen. Die starke Nachfrage nach Chips für KI-Rechenzentren ließ den Gewinn im Jahresvergleich um 68,7 Prozent auf gut 763 Milliarden Taiwan-Dollar (etwa 21 Milliarden Euro) steigen, wie der Konzern mitteilte. Damit erzielte das Unternehmen bereits das sechste Quartal in Folge einen Rekordgewinn.
Der Umsatz kletterte im Dreimonatszeitraum um 50,9 Prozent auf 1,49 Billionen Taiwan-Dollar. Das entspricht rund 46,7 Milliarden US-Dollar. Auch hier übertraf TSMC die Erwartungen. Im Vergleich zum zweiten Quartal legte der Umsatz um 17,6 Prozent zu. Der Nettogewinn stieg gegenüber dem Vorquartal um acht Prozent.
TSMC erwartet weiteres kräftiges Wachstum
TSMC fertigt unter anderem Chips für die Branchenriesen Nvidia und AMD sowie für Apple. Das Unternehmen spielt eine zentrale Rolle in der globalen Halbleiterindustrie: Es produziert hoch entwickelte Chips, die unter anderem in KI-Beschleunigern und leistungsfähigen Prozessoren zum Einsatz kommen. Damit profitiert TSMC unmittelbar davon, dass Technologiekonzerne und andere Unternehmen ihre Rechenzentren ausbauen und immer mehr Rechenleistung für Anwendungen mit künstlicher Intelligenz benötigen.
Auch beim Ausblick zeigt sich das Unternehmen zuversichtlich. Für das laufende vierte Quartal peilt TSMC einen Umsatz von 52,3 bis 54,3 Milliarden US-Dollar (bis zu 48,6 Milliarden Euro) an. Das wären bis zu 61 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Prognose liegt zudem über den Erwartungen vieler Fachleute.
Bei der Bruttomarge rechnet der Konzern mit 65 bis 67 Prozent. Im dritten Quartal blieben nach Abzug der Herstellungskosten 66,4 Prozent des Umsatzes als Bruttogewinn übrig. Die Bruttomarge lag damit zwar unter dem Wert des Vorquartals von 67,7 Prozent, aber deutlich über den 59,5 Prozent des Vorjahresquartals. Verwaltungs- und Vertriebskosten sind bei dieser Kennzahl noch nicht berücksichtigt.
TSMC baut zahlreiche Fabriken gleichzeitig
Der Konzern profitiert insbesondere von der Auftragsflut, die der Ausbau von KI-Rechenzentren vor allem in den USA auslöst. Um die hohe Nachfrage zu bedienen, erweitert TSMC seine Produktionskapazitäten. Für 2026 plant das Unternehmen Investitionen zwischen 60 und 64 Milliarden US-Dollar. Damit hält es an seinem bisherigen Investitionsziel fest.
Derzeit baut oder erneuert TSMC gleichzeitig 20 Fabriken. Die hohen Ausgaben sollen sicherstellen, dass der Konzern seine Kunden auch bei einer weiter steigenden Nachfrage beliefern kann. Gleichzeitig muss TSMC darauf achten, dass sich die milliardenschweren Investitionen langfristig rechnen. Neue Fertigungsanlagen sind teuer und benötigen Zeit, bis sie ihre volle Kapazität erreichen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die moderne Chipfertigung. Im dritten Quartal entfielen acht Prozent des Wafer-Umsatzes auf die besonders fortschrittliche 2-Nanometer-Technologie. Die 3-Nanometer-Technologie kam auf 33 Prozent, die 5-Nanometer-Technologie auf 28 Prozent. Insgesamt machten Fertigungstechnologien mit sieben Nanometern oder weniger 79 Prozent des Wafer-Umsatzes aus. Diese spezialisierten Verfahren sind für besonders leistungsfähige und energieeffiziente Chips wichtig.
TSMC-Aktie: Rekordzahlen treffen auf hohe Erwartungen
Für Anleger stellt sich die Frage, ob die guten Geschäftszahlen weiteres Kurspotenzial eröffnen. TSMC hat die Erwartungen der Analysten beim Gewinn übertroffen. Gleichzeitig wächst der Umsatz kräftig, und der Konzern stellt für das vierte Quartal weiteres Wachstum in Aussicht.
Die Börse reagierte vor Veröffentlichung der Ergebnisse allerdings zunächst verhalten. Die in Taipeh notierten Aktien verloren am Donnerstag vor Bekanntgabe der Zahlen rund zwei Prozent. Der Rückgang stand im Zusammenhang mit einem breiteren Ausverkauf bei Technologie- und Halbleiterwerten. Anleger sorgten sich unter anderem über steigende US-Zinsen und die hohen Bewertungen von Unternehmen, die vom KI-Boom profitieren.
Damit zeigt sich ein typisches Risiko für Anleger: Selbst überzeugende Geschäftszahlen garantieren keine steigenden Aktienkurse. Wenn Investoren bereits sehr hohe Erwartungen eingepreist haben, können selbst Rekordgewinne zu wenig sein. Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie gut TSMC wirtschaftet, sondern auch, welche Entwicklung der Markt bereits erwartet.
KI-Boom und geopolitische Risiken
Neben den hohen Investitionen bleibt die geopolitische Lage ein wichtiger Risikofaktor. TSMC hat seinen Hauptsitz in Taiwan, dessen Verhältnis zu China seit Jahren angespannt ist. Eine Eskalation in der Region könnte die Produktion oder den weltweiten Handel mit Halbleitern erheblich beeinträchtigen.
Der Konzern baut deshalb auch seine Präsenz in den USA aus. TSMC investiert insgesamt 265 Milliarden US-Dollar in Chipfabriken im Bundesstaat Arizona. Das Vorhaben soll die Fertigung näher an wichtige Kunden heranbringen und die Lieferketten breiter aufstellen. Zugleich erhöht die internationale Expansion den Kapitalbedarf.
Hinzu kommt die Abhängigkeit vom anhaltenden KI-Boom. Solange Technologieunternehmen massiv in Rechenzentren investieren, dürfte TSMC von der Nachfrage nach leistungsfähigen Chips profitieren. Sollten Kunden ihre Ausgaben jedoch zurückfahren oder sich die Erwartungen an die wirtschaftlichen Erträge von KI-Anwendungen enttäuschen, könnte sich das Wachstum abschwächen.
TSMC selbst sieht weiterhin eine starke Nachfrage nach seinen fortschrittlichen Fertigungstechnologien. Für das Jahr 2027 kündigte das Management allerdings eine vorsichtige Planung an. Der Konzern verwies auf wirtschaftliche Unsicherheiten sowie auf Herausforderungen in verbraucherorientierten und besonders preissensiblen Marktsegmenten. Der KI-Boom bleibt damit ein wichtiger Wachstumstreiber, beseitigt aber nicht alle Risiken für das Unternehmen und seine Anleger.


