Politik

Russland verlängert Sanktionen gegen EU, Bauern beklagen Verluste

Lesezeit: 1 min
24.06.2015 17:24
Wladimir Putin hat am Mittwoch die Sanktionen gegen die EU verlängert. Betroffen ist besonders der Lebensmittelsektor. Die deutschen Bauern klagen über schwere Verluste - und hoffen nun auf das TTIP, um die Einbußen im Russland-Geschäft kompensieren zu können.
Russland verlängert Sanktionen gegen EU, Bauern beklagen Verluste

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Putin  
EU  
Russland  
USA  
Welthandel  

Russland hat als Reaktion auf westliche Strafmaßnahmen in der Ukraine-Krise seine Sanktionen gegen die EU um ein Jahr verlängert. Einen entsprechenden Antrag der Regierung habe er am Mittwoch unterzeichnet, sagte Präsident Wladimir Putin der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Er habe Regierungschef Dmitri Medwedew beauftragt, alle Einzelheiten auszuarbeiten. Russland hatte unter anderem einen Einfuhrstopp für westliche Lebensmittel verhängt. Die Führung in Moskau sieht die Sanktionen auch als Chance, die heimische Produktion von Lebensmitteln zu stärken. Der russische Landwirtschaftsminister regte an, auch Blumen auf die Verbotsliste zu setzen, meldet die Nachrichtenagentur TASS. Die EU hatte am Montag ihre Strafmaßnahmen gegen Moskau bis Ende Januar 2016 verlängert.

Die Sanktionen zeigen in Deutschland Wirkung: Bauernpräsident Joachim Rukwied hat «brutale» Folgen durch die Russland-Sanktionen für die Landwirtschaft beklagt und eine Überprüfung gefordert. Das Embargo Russlands sei Hauptursache dafür, dass die Preise für Schweine eingebrochen und die Milchpreise kräftig unter Druck geraten seien, sagte er am Mittwoch beim Deutschen Bauerntag in Erfurt. «Am Ende sind die Bauernfamilien die Leidtragenden.» Wegen des hierzulande stagnierenden Marktes knüpfen die Bauern größere Hoffnungen auf den Export. Die Bauern zermürbt und daher empfänglich für die Lockungen des von den USA lancierten Freihandelsabkommens TTIP.

Russland hatte als Reaktion auf Sanktionen des Westens wegen der Ukraine-Krise vorigen Sommer einen Importstopp für Lebensmittel verhängt. Die Delegierten des Bauerntages riefen die Politik zu Initiativen auf, «die zur Aufhebung des russischen Import-Embargos führen».

Russland selbst behauptet, vor allem in der Landwirtschaft sogar von den Sanktionen profitiert zu haben: Die "Kollegen im Westen" hätten durch die Sanktionen die russische Produktion gestärkt, sagte ein Minister laut TASS.

Zuvor hatte die EU die Sanktionen gegen Russland ohne Angabe von Gründen verlängert. Moskau hatte daraufhin angekündigt, die Gegensanktionen im Lebensmittelbereich verlängern zu wollen. Allerdings können in der EU bis zu zwei Millionen Arbeitsplätze vernichtet werden. Zudem sind die Exporte nach Russland eingebrochen. Das sorgt für einen Milliarden-Verlust in der europäischen Wirtschaft.

Die EU-Staaten sind wegen den Sanktionen und Gegen-Sanktionen tief gespalten. Merkel ist offiziell für ein Fortführung der EU-Maßnahmen. Bei Frankreich ist die Position nicht so eindeutig. Das liegt auch an dem Deal über zwei Mistral-Kriegsschiffe mit Russland, an dem laut Gewerkschaft mehr als 2.500 Arbeitsplätze hängen.

Vor allem Polen und das Baltikum fordern eine Verschärfung der Sanktionen. Die Staaten hoffen auf Mehreinnahmen durch eine stärkere Natopräsenz auf ihrem Gebiet. Gegen die Sanktionen sprechen sich am deutlichsten Österreich, Zypern, Griechenland, Tschechien, Italien, Spanien, Ungarn und die Slowakei aus.

 

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Trader von JPMorgen wegen Manipulatinonen des Gold-Markts verurteilt

Nach einem langen Prozess in Chicago haben die Geschworenen zwei Goldhändler von JPMorgan wegen Spoofing, also jahrelanger Manipulationen...

DWN
Politik
Politik Energie-Krise offenbart Planlosigkeit: Scholz will jetzt Pipeline aus Portugal

Eigentlich sollte es die Pipeline von Portugal über Spanien nach Mitteleuropa längst geben. Doch das Projekt wurde gestoppt. Das rächt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen China wird für deutsche Industrie zum Risiko-Standort

Ein chinesischer Überfall auf Taiwan ist eine reale Gefahr. Den deutschen Unternehmen, die Milliardensummen in China investiert haben,...

DWN
Deutschland
Deutschland Energie-Krise weitet sich aus: Steigende Rohölnachfrage erwartet

Der Rohölpreis ist zuletzt gesunken, Heizölkäufer profitieren davon bisher nicht – und bald könnte die weltweite Nachfrage nach...

DWN
Deutschland
Deutschland IW-Analyse: Teure Energie ist verheerend für Deutschland

Die Experten des IW haben durchgespielt, was teure Energie für deutsche Verbraucher, Firmen und die Wirtschaft bedeutet. Die Aussichten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen BASF: Chemieriese blickt zuversichtlich in die Zukunft

Der weltweit größte Chemiekonzern und größte Erdgasverbraucher Deutschlands sieht keinen Grund zur Panik und setzt sich ambitionierte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Telekom: Auf stabilem Wachstumskurs

Trotz einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld wächst die Deutsche Telekom weiter.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Siemens meldet ersten Quartalsverlust seit 2010

Siemens hat erstmals seit 2010 in einem Quartal Verlust gemacht. Dennoch sieht sich das Unternehmen derzeit gut aufgestellt.