Russland bereitet sich auf Entscheidungs-Schlacht in Syrien vor

 

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03.08.2018 17:09
Russland und Syrien bereiten sich auf eine Großoffensive gegen Söldner in der Provinz Idlib vor.
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Die Söldner-Truppe Hayat Tahrir al-Scham, die die Nachfolgeorganisation der Al-Nusra-Front ist, haben nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums ihre Verbände im Norden von Latakia, Hama und in der Nähe der Stadt Aleppo zusammengezogen. „Wir beobachten die Konzentration von militanten Kämpfern von Hayat Tahrir al-Scham und anderen Gruppierungen im nördlichen Bereich der Bezirke Latakia und Hama sowie im Südosten der Stadt Aleppo. Das russische Zentrum für Versöhnung fordert die Feldkommandeure der illegalen paramilitärischen Gruppen auf, auf bewaffnete Provokationen zu verzichten und sich auf den Weg der Friedensregelung in den von ihnen kontrollierten Distrikten zu begeben”, zitiert die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS den Leiter des russischen Zentrums für die Versöhnung der Konfliktparteien in Syrien, Alexei Tsiganow. Dem russischen Sprecher zufolge verletzten die Söldner die Waffenstillstands-Regelungen in der Deeskalationszone Idlib, wo sie sich befinden. Seit Mittwochnachmittag haben sie die bewohnten Ortschaften von Arafit, zweimal, und Al-Safafa in Latakia, Scheich Barakah in Hama und die Wohnviertel von Al-Hamdaniya und Makanis al-Duwairi in Aleppo beschossen”, so Tsiganow.

Sergej Rudskoi vom russischen Generalstab sagte: „Der militante Beschuss der Stellungen der Regierungstruppen und der Zivileinrichtungen in den Provinzen Aleppo, Hama und Latakia aus der Deeskalationszone Idlib hat zugenommen. Unbemannte Luftfahrzeuge, die von der Deeskalationszone Idlib aus gestartet wurden, greifen weiterhin russische Militäreinrichtungen an. Der jüngste Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt Hmeimim fand am 29. Juli statt.”

Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte nach Angaben der TASS am Donnerstag: „Die Arbeit [in Syrien] ist in vollem Gange, es ist noch viel zu tun. Gleichzeitig ist es notwendig, den Terroristen in der Nähe von Idlib, die immer noch dort sind, den finalen Schlag zu versetzen.”

Bereits am Donnerstag sagte der Leiter der Hauptarbeitsdirektion des russischen Generalstabs, Generaloberst Sergei Rudskoi, Russland sei besorgt über die sich verschlechternde Situation in der Deeskalationszone Idlib und Angriffe gegen Russlands militärische Einrichtungen mit dem Einsatz von unbemannten Luftfahrzeugen (UAVs) aus diesem Bereich. Laut Rudskoi haben Söldner, die dort operieren, den Beschuss der Stellungen und Wohngebiete der Regierungstruppen in den Provinzen Aleppo, Hama und Latakia verstärkt. Insgesamt seien 84 solcher Vorfälle in den vergangenen zehn Tagen registriert worden, fügte er hinzu.

Die Lage ist für die Russen und die Syrische Armee schwierig, weil der IS im Süden des Landes offenbar ebenfalls eine neue Offensive vorbereitet - und zwar in der al-Tanf-Region. Laut Rudskoi seien die Zahlen des Islamischen Staates innerhalb dieser großen von den USA kontrollierten Region in den letzten Wochen stetig gewachsen.

Insbesondere sagte der russische General, die Terroristen des Islamischen Staates planten Angriffe auf die Stellungen der syrischen Armee in den Provinzen Al-Sweida, Damaskus, Homs und Deir Ezzor. Er sagte, dass ISIS-Kämpfer das Al-Rukban Camp für Vertriebene nahe der syrisch-jordanischen Grenze als Schutz vor der Regierung nutzen.Dort halten sich etwa 60.000 Flüchtlinge auf. Im Syrien-Krieg haben Terroristen immer wieder zivile Einrichtungen als Ausgangspunkt ihrer Operationen gewählt, um sich mit menschlichen Schutzschildern gegen die syrische Armee anzusichern. Rudskoi forderte die USA, deren Truppen in der Al-Tanf-Region stationiert sind, auf, humanitären Zugang zum Lager so schnell wie möglich zu sichern und die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Dörfer und Städte zu erleichtern.

Neue Söldner-Armee

Ein hochrangiger Söldner-Vertreter verkündete am Sonntag, dass in Idlib eine „neue Armee” gegründet wurde, um Widerstand gegen die anstehende syrisch-russische Offensive zu leisten. „Oppositionsfraktionen, hauptsächlich Dschabhat Tahrir Souriya, Hayat Tahrir al-Scham, die Nationale Front, Dschaisch al-Islam und Dschaisch Idlib al-Horr haben ihre Streitkräfte unter einer neuen Armee namens Dschaisch al-Fateh zusammengeschlossen, die mehr als 75.000 Kämpfer umfasst”, zitiert Asharq al-Awsat den Söldner-Sprecher. Unter den Söldnern befinden sich auch zahlreiche Personen, die zuvor aus Ost-Ghouta und Daraa nach Idlib evakuiert wurden. Aufgrund der Evakuierungen der Söldner nach Idlib soll die Anzahl der militanten Söldner in Idlib mittlerweile auf 80.000 bis 90.000 angestiegen sein. Das berichtet der türkisch-syrische Analyst Hüsnü Mahalli in einem Beitrag der Zeitung Yurt Gazetesi.

Die Außengrenzen von Idlib werden über iranische, russische und türkische Beobachterposten kontrolliert. Die Türkei hat zwei mechanisierte Infanteriebrigaden im Osten, Süden und Südwesten stationiert, die von Kommando- und Militärtechnikabteilungen verstärkt werden. Es sind etwa 1300 türkische Soldaten stationiert, berichtet Al-Monitor. „Die Iraner und Russen sind östlich der Autobahn von Damaskus nach Aleppo stationiert”, sagte Ibrahim Idilbi, ein syrischer Aktivist, Al-Monitor.

Sinan Hatahet, ein Syrien-Analyst des Istanbuler Think-Tanks Omran Dirasat, sagt, dass die syrische Armee (SAA) südlich von Aleppo und nördlich von Homs Außenposten hat.

Idilbi wörtlich: „Auf der lokalen Oppositionsebene befinden sich die Rebellenbrigaden eher im Norden der Provinz [Idlib], während Hayat Tahrir al-Scham [HTS, ein Al-Qaida-Ableger] eher südlich von Idlib liegt. Schließlich befindet sich der syrische Zweig von Al-Qaida, Huras al-Din, an den Demarkationslinien, genauer gesagt in den ländlichen Idlib-Gebieten im Westen.”

In den vergangenen Monaten wurden Hardliner-Dschihadisten in Idlib Opfer einer Welle von Tötungen. Am 31. Juli berichtete wurde Abu Hamam al-Turkmani, ein hochrangiger HTS-Kommandeur, bei einem Anschlag getötet.

Türkei befürchtet neue Flüchtlingswelle

Aydin Selcen, ein ehemaliger türkischer Diplomat, sagte Al-Monitor: „Die Idlib-Offensive würde die Türkei in eine schwierige Lage bringen, wegen der großen Flüchtlings-Bevölkerung, die auf vier Millionen geschätzt wird, und der möglichen Vertreibung der Bevölkerung aus der nördlichen Provinz, die derzeit über zwei Millionen Zivilisten beheimatet. Ankara räumt der diplomatischen Lösung Priorität ein und führt neue Initiativen mit Russland, Deutschland und Frankreich ein, die andere laufende Bemühungen ergänzen.”

Hatahet meint, dass die Söldner in Nordsyrien Zugang zum Waffenmarkt haben, gut bewaffnet sind und unabhängiger sind als militärische Gruppierungen in anderen Regionen. „Man muss auch die Präsenz von HTS in Betracht ziehen, die sicherlich einen starken Kampf liefern wird”, so Hatahet.

Analysten glauben, dass sich das Regime in erster Linie auf zwei Bereiche konzentrieren wird. Der erste erstreckt sich westlich der Autobahn von Aleppo, was nach Ansicht von Hathaet aufgrund der geografischen Lage für die Söldner schwieriger zu verteidigen sein wird.

Oberst Abdel Razak, ein Kommandant der Söldner-Truppe Nureddin al-Zengi, sagte Al-Monitor, dass das zweite strategische Gebiet die Region Dschisr al-Schughur sein wird, da sie an die Hochburg der Alawiten an der Küste grenzt.

Die Nachrichtenagentur Anadolu führt aus: „In Idlib befinden sich diverse Söldner-Gruppen und Al-Qaida-nahe Elemente. Allerdings befindet sich in Idlib auch Zivilisten. In den vergangenen Monaten gab es in Idlib einen rasanten Anstieg der Bevölkerungszahl und die Lebensbedingungen sind beschwerlich. Nach der Einnahme von Aleppo durch die Assad-Regierung sollte Idlib aufgrund der hohen Anzahl an Söldnern schrittweise unter Kontrolle genommen werden, um dann schlussendlich eine Operation durchzuführen. Deshalb wird es nicht überraschend sein, dass die syrische Armee sich erst dann Idlib zuwenden wird, nachdem die Operationen in anderen Gebieten Syriens abgeschlossen sind. Es gibt mehrere Faktoren, die Idlib von den anderen Provinzen unterscheiden: Idlib besteht nicht aus kleinen Landkreise mit Bevölkerungsdichten, die einige hunderttausend Personen nicht überschreiten. Das ist zwar in anderen Teilen Syriens so gewesen, aber nicht in Idlib. Aus Sicht der Anzahl der Zivilisten, der Söldner und des Terrains ist Idlib weitaus komplizierter. In Idlib befinden sich zwölf Beobachterposten der Türkei, auf die sich Russland, die Türkei und der Iran im Rahmen des Astana-Prozesses geeinigt hatten. Wenn eine Operation ohne die Zustimmung der Türkei durchgeführt werden sollte, würde dies zu Spannungen in den türkisch-russischen Beziehungen führen. Denn dies könnte dazu führen, dass das Personal der türkischen Streitkräfte zwischen die Fronten gerät. Für die Türkei hat Idlib eine wichtige Bedeutung, weil dort 2,5 Millionen Zivilisten leben. Eine Operation, die auf Zivilisten abzielt, könnte eine neue Flüchtlingswelle in Richtung der türkisch-syrischen Grenze auslösen, was die Türkei verhindern möchte.”

Gespräche über Wiederaufbau

Russland hat den USA trotz der anhaltenden Spannungen zwischen beiden Ländern vorgeschlagen, gemeinsam am Wiederaufbau Syriens und an der Rückführung der Flüchtlinge zu arbeiten. Das geht aus einem Memorandum der US-Regierung hervor, über das die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Der Vorschlag wurde demnach vom Generalstabschef des russischen Militärs, Waleri Gerassimow, in einem Brief an den Vorsitzenden des Gemeinsamen Stabs des US-Militärs, Joseph Dunford, unterbreitet. Das Schreiben datiert vom 19. Juli.

Der russische Plan, der bislang nicht öffentlich bekannt war, wurde von der US-Führung mit Zurückhaltung aufgenommen. In dem Memorandum heißt es, der US-Politik zufolge könne es nur dann eine Unterstützung für solche Bemühungen geben, wenn es eine politische Lösung zur Beendigung des seit sieben Jahren dauernden Konfliktes in Syrien gebe. Dazu gehörten auch von den Vereinten Nationen (UN) überwachte Wahlen.

In dem Vorschlag wird laut Reuters argumentiert, dass es der syrischen Führung an Ausrüstung, Treibstoff, anderem Material und den nötigen finanziellen Mitteln fehle, um das Land wieder aufzubauen und die Flüchtlinge zurückkehren zu lassen, heißt es in dem Memorandum. "Die Vereinigten Staaten werden nur dann eine Rückkehr der Flüchtlinge unterstützen, wenn diese sicher sind, freiwillig zurückkehren und ein menschenwürdiges Leben führen können."

Dunfords Büro lehnte eine Stellungnahme zu dem Schreiben Gerassimows ab. Eine Sprecherin sagte, beide hätten Stillschweigen vereinbart. Von den Verteidigungsministerien in Russland und den USA waren zunächst keine Stellungnahmen zu erhalten.


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