Technologie

Microsoft macht Ethereum-Protokoll für Unternehmen zugänglich

Lesezeit: 2 min
19.08.2017 22:50
Ein neues Protokoll von Microsoft ermöglicht den Einsatz der Blockchain-Technologie von Ethereum auch in großen Firmennetzwerken.
Microsoft macht Ethereum-Protokoll für Unternehmen zugänglich

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Microsoft hat ein auf Ethereum basierendes Blockchain-Protokoll mit dem Namen Confidential Consortium Framework (Coco) vorgestellt. Es eröffnet Unternehmen und Behörden die Möglichkeit, auch größere Firmennetzwerke auf der Grundlage von dezentralen Registern aufzubauen, den sogenannten Blockchains.

„Coco bietet einen alternativen Ansatz zur Organisation von Datenstrukturen“, sagte Mark Russinovich, der technische Direktor von Microsoft Azure. Das ist die Cloud-Computing-Abteilung des US-Unternehmens mit einem Marktwert von 561 Milliarden Dollar.

Mit dem Confidential Consortium Framework (CoCo) bringe Microsoft den Unternehmen die nötige Skalierbarkeit, ohne dass dafür die erwartete Sicherheit und Unveränderbarkeit geopfert werden müssten, sagt Mark Russinovich.

In der ersten Live-Demonstration in der vergangenen Woche erreichte CoCo auf einer privaten Version der Ethereum-Blockchain 1.700 Transaktionen pro Sekunde. Das durchschnittliche Volumen beträgt rund 1.600 Transaktionen pro Sekunde. Für die meisten Unternehmensanwendungen ist das deutlich mehr als ausreichend.

Das neue Protokoll bietet ein Governance-Modell, womit berechtigte Mitglieder eines Unternehmens über alle möglichen Variablen und Bedingungen eines Netzwerks abstimmen können. Auf diese Weise können etwa neue Mitglieder hinzugefügt oder entfernt werden.

Ein Vorteil des Coco Framework besteht darin, dass es lokale Hardware-basierte Umgebungen, etwa die Trusted Execution Environment (TEEs) von Intel, zur Verarbeitung und Sicherung von Informationen außerhalb der Ethereum-Blockchain nutzbar macht.

Das frei verfügbare Protokoll läuft nicht nur mit dem Cloud-Angebot von Microsoft Azure, sondern kann laut Microsoft auf jeder Plattform eingesetzt oder direkt vor Ort werden. CoCo ist Teil der Strategie von Microsoft, fortgeschrittene Dienstleistungen für Unternehmen zur Verfügung zu stellen, die mithilfe der Blockchain-Technologie anspruchsvolle Produkte für die Wirtschaft auf den Markt bringen wollen.

Mit der Verarbeitung von Daten außerhalb der Ethereum-Blockchain stellt Microsoft eine entscheidende Infrastruktur für dezentrale Anwendungen zur Verfügung. Denn nur mit solchen Off-Chain-Infrastrukturen könne Ethereum es Unternehmen ermöglichen, auch größere Datenmengen zu verarbeiten, zitiert Cointelegraph Fred Ehrsam, einen Mitgründer der US-Bitcoin-Börse Coinbase.

Seiner Ansicht nach braucht Ethereum Fortschritte bei der Skalierbarkeit um den Faktor 100. Nur so sei es möglich, dezentrale Anwendungen mit einer bis zehn Millionen Nutzern effizient zu betreiben. „Große Anwendungen können nicht nur auf der Blockchain laufen, und werden es wahrscheinlich auch nicht. Zum Skalieren brauchen sie Lösungen außerhalb der Chain“, so Fred Ehrsam.

Das Coco Framework von Microsoft und andere ähnliche Off-Chain-Plattformen werden die Skalierbarkeit von Ethereum deutlich erhöhen. So werden sie ermöglichen, dass dezentrale Anwendungen auch größere Datenmengen verarbeiten können, ohne im Gegenzug auf Sicherheit verzichten zu müssen.

Hinter diesen Bemühungen steht auch die Enterprise Ethereum Alliance, ein Zusammenschluss einiger der größten amerikanischen Technologieunternehmen, aber auch von Finanzunternehmen wie JPMorgan, Credit Suisse, Mastercard, UBS und ING. Ein Ziel von Microsoft besteht möglicherweise auch darin, mit Blockchain-Lösungen den Amazon Web Services (AWS) Konkurrenz zu machen.

Bei einer Podiumsdiskussion während der Vorstellung von CoCo in der letzten Woche äußerte sich auch die Chefin des Blockchain-Programms von JPMorgan, Amber Baldet. Ihr Unternehmen wolle das CoCo Framework von Microsoft einsetzen, um Unternehmen ein „zusätzliches Maß an Sicherheit und Leistung“ bieten zu können, zitiert sie Coindesk.

Der Vizechef von Intel, Rick Echevarria, erklärte die Teilnahme seines Unternehmens an der CoCo-Initiative damit, dass es bei Unternehmen eine breite Anwendung finden könnte. „Wir beseitigen eine Menge Hindernisse, im Hinblick auf Skalierbarkeit, Privatsphäre und Sicherheit. Unternehmen, die Blockchain-Technologien bauen, können sich jetzt darauf konzentrieren, was einen Mehrwert für ihr Unternehmen hat.“

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Die Rückkehr des „Bail in“: Denkfabriken erwarten eine neue Euro-Krise im kommenden Jahr

Mehrere Denkfabriken befassen sich konkret mit Vorbereitungen für eine neue europäische Schulden- und Bankenkrise. Dabei könnte die 2013...

DWN
Deutschland
Deutschland Virus-Ticker: Ständige Impfkommission wird zunächst nur mRNA-Impfstoff zulassen

Der Chef der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, erwartet keine parallele Zulassung von anderen Impfstoffen. Lesen Sie allen...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Ombudsfrau rügt Deal zwischen BlackRock und EU-Kommission, doch ohne Konsequenzen

Die Europäische Ombudsfrau hat einen Auftrags-Deal zwischen der EU-Kommission und dem US-Finanzgiganten BlackRock wegen möglicher...

DWN
Politik
Politik Studie: China soll die Welt wegen des Corona-Virus entschädigen

Das chinesische Corona-Virus hat alleine in der G7-Staatengruppe bis zum April 2020 einen Schaden von 3,62 Billionen Euro verursacht. Nun...

DWN
Politik
Politik Trump hält seine bisher „wichtigste Rede“, wirft politischen Gegnern schweren Wahlbetrug vor

Am Mittwochabend hat US-Präsident Donald Trump eine sehr emotionale Rede gehalten. Er beharrte auf seinem Vorwurf des Wahlbetrugs....

DWN
Finanzen
Finanzen Wirecard-Skandal verändert Dax dauerhaft

Die Deutsche Börse stockt den Dax auf 40 Mitglieder auf. Das ist nur eine Folge der Wirecard-Pleite. Die Zusammensetzung des Dax soll...

DWN
Technologie
Technologie Schweizer Notenbank hält digitales Zentralbankgeld für machbar

In einer Studie kommt die SNB zu dem Schluss, dass digitales Zentralbankgeld technisch und rechtlich realisierbar ist. Eine Entscheidung...

DWN
Deutschland
Deutschland Ski-Verbot im Allgäu: 20 Bürgermeister richten Brandbrief an Merkel und Söder

In einem Brandbrief haben sich die Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller und zwanzig Bürgermeister aus dem Allgäu gegen das...

DWN
Deutschland
Deutschland Krankenkassen: Corona hat bisher keine Auswirkungen auf den Krankenstand

Die Auswertung der Krankenkassen zeigt, dass nur ein verschwindend geringer Teil der diesjährigen Fehlzeiten vom Beruf direkt auf Covid-19...

DWN
Politik
Politik Mannheim führt nächtliche Ausgangssperren ein

In Mannheim wird ab morgen Abend eine achttägige nächtliche Ausgangssperre gelten.

DWN
Deutschland
Deutschland Die deutsche Taxibranche am Abgrund, Uber wird sich freuen

Die Lage in der Taxibranche spitzt sich nach Verbandsangaben wegen des Teil-Lockdowns in der Corona-Krise dramatisch zu. Das dürfte vor...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Post/ DHL Group: "Unser Unternehmen war noch niemals zuvor in besserer Verfassung"

Solche selbstbewussten Worte, wie sie derzeit über die Lippen der Vertreter der Deutschen Post/ DHL Group kommen, hört man in Zeiten der...

DWN
Technologie
Technologie Riesiges Weltraum-Teleskop von Arecibo in sich zusammengestürzt

Das riesige Teleskop im puerto-ricanischen Arecibo ist am Dienstag zusammengebrochen.

DWN
Finanzen
Finanzen Verlängerung des Teil-Lockdowns belastet die deutschen Märkte - Daimler will Wachstumsschwung ins Jahr 2021 mitnehmen

Der Dax gerät derzeit ins Stocken. Die Nachricht, dass Bund und Länder den Teil-Lockdown verlängert haben, bedrückt die Stimmung der...